Promis, Networking und Fernsehen: Auf der Mip TV Cannes 2014

Kim Cattrall, 50 Cent und Studio Hamburg – bei der Mip TV in Cannes ging es prominent zu. Auch Studierende der Karlshochschule haben sich im Frühjahr 2014 unter die Promis und 11 000 Teilnehmer aus 100 Ländern gemischt. Von Elisabeth Brauch und Katrin Bauer

Auf der Mip TV in Cannes – der weltweit größten Messe für Fernseh- und digitalen Content – versammeln sich jährlich die Profis aus der Entertainmentindustrie. Sender und Produktionsfirmen erweitern ihr Netzwerk, außerdem dient die Plattform zur Abwicklung von Co-Produktionen, Käufen und Verkäufen sowie Finanzierungen und Vertrieb von Entertainment-Inhalten. Die ganze Welt trifft sich jedes Frühjahr in Cannes – bleibt über Trends der Zukunft oder globale Rechte auf dem neuesten Stand und zieht für das eigene Unternehmen lukrative Deals an Land.

Es geht darum, TV-Shows auf den Markt zu bringen, zu promoten oder die Rechte zu verkaufen, in Kontakt zu treten mit Produzenten und Co-Produzenten, Projekte zu finanzieren sowie Verträge und Partnerschaften abzuschließen. Querbeet durch alle Genres und Plattformen bietet die Messe neue Inhalte mittels Screenings, Showcases oder Vorträgen von erfahrenen und erfolgreichen CEOs nahezu aller großen internationalen Medienunternehmen. Etliche Deals in der Fernsehbranche gehen hier über die Bühne, die das Fernsehprogramm unzähliger Sender weltweit beeinflussen. Das ist, was die Mip TV ausmacht und der Grund warum wir – der Studiengang Internationales Medien- und Kommunikationsmanagement – dort hin mussten.

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Was uns erwarten würde, klang ziemlich imposant: 11 000 Teilnehmer aus 100 Ländern, 60 Keynotes, 1 600 Aussteller in 25 Pavillons, 4 000 Käufer und 300 Journalisten. Die Messe wurde im Palais des Festivals ausgerichtet und als wir sie am Montag, den 7. April erreichten, betraten wir eine Welt für sich.

Wir mussten uns registrieren lassen und erhielten einen Ausweis und eine Tasche voller nützlicher Dinge – unser Floor-Plan wurde zum Beispiel überlebenswichtig. Daran schloss sich eine unerlässliche Führung über das gesamte Messegelände. Denn der erste Eindruck war groß und verwirrend. Überall sah man wichtige Herren in Anzügen und adrett gekleidete Damen. Die Chancen standen hoch, dass man die einzelnen Etagen miteinander verwechselte und sich verirrte.

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Wir erfuhren unter anderem, dass noch zwei weitere Hochschulen auf der Messe vertreten waren, doch wir erkannten schnell, dass die Mip TV trotz des Bemühens der Veranstalter wenig für uns ausgelegt war. Das störte uns in diesem Moment jedoch nicht besonders, denn wir hatten auf dem Programmaushang entdeckt, dass Kim Cattrall alias Samantha aus “Sex and the City” einen Vortrag über ihre neue Serie “Sensitive Skin” halten würde, in der sie nicht nur der Star sondern gleichzeitig auch Executive Producer war. Kim Cattrall berichtete beim Talk über ihre Arbeit und wie sich die Anforderungen an eine Produzentin von denen an eine Schauspielerin unterschieden. Das Gespräch war leider viel zu schnell vorbei, während wir noch damit beschäftigt waren, ein annehmbares Foto von ihr zu schießen.

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Nach dem Mittagessen unternahmen wir schließlich unsere ersten Gehversuche im Kontakte knüpfen. Es war wirklich nicht leicht. Wir traten nervös an die Vertreter einzelner Unternehmen heran und sollten unter dem ganzen Druck einen positiven Eindruck zu hinterlassen auch noch intelligent, aufgeschlossen und charmant wirken und schlaue Fragen stellen, um die Konversation am Leben zu halten. Das war anstrengend, aber mit der Zeit gewöhnten wir uns einen kleinen Fragenkatalog an, den wir an die jeweilige Situation anpassen konnten.

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Die Zeit verflog schnell und während sich einige ins Hotel zurückzogen, besuchten die anderen das Screening von “The Honourable Woman” mit Hollywood Star Maggie Gyllenhaal.

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Der Abend jedoch versprach den Tag noch zu toppen! Das Screening der Serie “Power” war angekündigt worden, mit niemand Geringerem als Curtis “50 Cent” Jackson als Executive Producer. Es schloss sich ein Talk an über die Serien, deren Entstehung und den Dreh. Eine kleine Enttäuschung machte sich bei uns breit, als 50 Cent nach dem Talk nicht wie versprochen zu unserem Grüppchen wartender Studis kam, um ein Foto mit uns zu machen. Der Ärger war allerdings schnell wieder vergessen, denn auf uns wartete die Mip TV Welcome Gala im Hotel Martinez. Das Buffet hatten wir leider wegen des ausführlichen Vortrags verpasst, doch dafür unternahmen wir Besichtigungstouren durch das Hotel und machten die Tanzfläche bis spät nachts unsicher.

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Während der Montag ganz im Zeichen der Prominenz stand, drehte sich am Dienstag alles um unsere Fähigkeiten im Networking. Die Gespräche wurden zunehmend ernster und unser Auftreten selbstsicherer. Wir waren nun in der Lage, längere Unterhaltungen zu führen und erhielten häufiger die ersehnten Visitenkarten der einzelnen Repräsentanten der Unternehmen. Eine Visitenkarte ist zwar noch kein Praktikum, aber darauf lässt sich zumindest aufbauen. Darüber hinaus konnte sich unser Erfolg sehen lassen. Wir kamen unter anderem mit Studio Hamburg ins Gespräch, zu deren Produktionsreihe “Das Großstadtrevier”, “Rote Rosen” oder die Till Schweiger-Tatorte gehören. Die Dame, mit der wir sprachen, war sehr aufgeschlossen und gab uns viel Information zu laufenden Produktionen des Unternehmens, deren Rechte sie international zu verkaufen hofften. Im Gegenzug zu unserem Interesse erkundigte sie sich anschließend nach uns, unserem Studiengang und unseren Zielen für die Zukunft. Als wir uns von ihr verabschiedeten, hatten wir nicht nur ihre Visitenkarte in der Tasche, sondern sie auch zu einem KarlsGespräch eingeladen und eine Broschüre über die Karlshochschule dort gelassen. Wir hoffen nun, dass wir diesen Kontakt ausbauen können und sich für den Sommer oder das nächste Semester Praktika ergeben werden.

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Ähnlich verlief es bei Red Arrow International, einem Unternehmen der ProSiebenSat.1 Media Group, die unter anderem an “The Taste”, “Der letzten Bulle”, “Galileo” oder dem Film “Die Hebamme” mit Josefine Preuß beteiligt sind. Das Hauptaugenmerk lag allerdings auf der US-Serie “Bosch”, die man im Februar noch beim Video-on-Demand-Dienst von Amazon sehen konnte. Das Ziel von Red Arrow International war es nun, die Rechte an Sender außerhalb der Staaten zu verkaufen und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie demnächst auch in Deutschland im Free TV laufen wird. Wir hatten eigentlich nur um ein 10-minütiges Gespräch gebeten, doch letzten Endes saßen wir für über 40 Minuten mit der Dame zusammen und auch hier war man sehr am Nachwuchs interessiert. Wir erweiterten unsere Sammlung von Visitenkarten, hinterließen unsere und zogen davon.

Weniger Glück hatten wir beim ZDF. Hier war man zwar mit einem großen Stand vertreten, doch es war nie jemand abkömmlich, um mit uns kurz über deren Erwartungen an die Messe zu sprechen oder über ihre aktuellen Produktionen oder Vorhaben. Wir fanden außerdem heraus, dass der Nachmittag kein guter Zeitpunkt war, um noch mit irgendjemanden in Kontakt treten zu wollen. Die meisten hatten ihre Meetings zu dem Zeitpunkt hinter sich gebracht oder waren noch in den letzten Zügen – und wollten nach einem langen Tag wohl ihre Ruhe.

Was wir sonst noch gesehen haben? Zum Beispiel Vorträge zum Thema 4K oder Fresh TV im Grand Auditorium: Hier wurden die neuesten Serien vorgestellt – die Mip TV 2014 eben!

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