Die Jugendmedientage 2013

Die Jugendmedientage (JMT) sind das bundesweit größte Event für medieninteressierte, junge Erwachsene von 14 bis 26 Jahren. Sie finden jährlich und immer in einer anderen deutschen Stadt statt. Dieses Jahr hatte man in Berlin vier Tage lang die Möglichkeit in die Medienwelt hineinzuschnuppern oder sich einen speziellen Bereich der Medien genauer anzuschauen, sollten die beruflichen Vorstellungen schon konkreter sein.

1454264_737045616324656_285115170_n

Für uns aus dem ersten Semester Internationales Medienmanagement waren die JMT das Event, auf das wir gewartet hatten. Zwei von uns tat die Aufregung nicht gut und wurden leider krank, doch wir übrigen acht machten uns gut gelaunt und voller Erwartungen auf den Weg nach Berlin.

Unseren Start in das verheißungsvolle lange Wochenende hatten wir uns allerdings anders vorgestellt. Nach einer sechs Stunden langen Zugfahrt kamen wir in der Turnhalle der Ernst-Reuter-Schule in Berlin-Prenzlauer Berg, nahe der Bernauer Straße an. Unsere Unterkunft war in vielerlei Hinsicht sehr speziell. Leider gab es statt Spiegel nur Reflektionen in Fensterscheiben, dafür aber Gruppenduschen (wobei niemand einen Bikini eingepackt hatte) und nur drei Steckdosen für gefühlte 400 Laptops, Tablets und Smartphones. Unsere Erwartungen waren davon irgendwie leicht abgewichen.

Nachdem wir uns mit Schlafsäcken und Isomatten auf einem Fleckchen Boden eingerichtet hatten, wurden wir von Teamern zum E-Werk gebracht, einer beliebten Eventlocation in Berlin-Mitte. Wir wurden mit Frikadellen, kaltem Hähnchen, Softdrinks und Gratis-Donuts von „Dunkin’ Donuts“ versorgt und bekamen eine Stofftasche in die Hand gedrückt, die sich noch als sehr nützlich erweisen sollte, da sie Deo, Reinigungstücher, Desinfektionsgel, Stadtplan und dergleichen mehr enthielt. Wir hörten uns lange Reden von verschiedenen Vertretern der Medienwelt an, die wir allerdings wegen der Akkustik nur zur Hälfte verstanden und waren vom ersten Eindruck enttäuscht.

Mit wenig Hoffnung für die kommenden Tage machten wir uns nach der dritten Rede auf die Suche nach Abenteuern und etwas Anständigem zu Essen. Beides fanden wir in einer Bar in Berlin-Lichtenberg in Form von sehr alkoholischen Cocktails und mexikanischem Essen und kehrten nur ungern in die Turnhalle zurück, wo schon alle schliefen.

IMG-20131026-WA0013

Der nächste Tag war der Freitag und wir wurden wie im Freizeitcamp mit lauter Musik geweckt. Wir beschlossen, den JMT noch eine Chance zu geben und liefen wieder zum E-Werk, dem Frühstück entgegen. Heute würden wir wenig Zeit gemeinsam als Gruppe verbringen, da jeden verschiedene Hintergrundgespräche mit Medienvertretern und am Nachmittag Einblicke in Medienunternehmen erwarteten. Für mich ging es am Morgen zum Gespräch mit der Chefredaktion von TONIC, einem kleinen, aber feinen Magazin, das ganz unkonventionell gerade den Schritt vom Onlinejournalismus in den Print wagt. Für den Nachmittag war ich beim Radio Fritz, wo wir einen Vortrag über das Medium Radio hörten und anschließend eine Tour durch die Aufnahmestudios und Redaktionsräume machten. Es war interessant und informativ, doch der unangefochtene Höhepunkt des Tages lag wieder im Abendprogramm: Weil wir uns als Gruppe für die Veranstaltung angemeldet hatten, wurden uns Tickets für Johannes B. Kerners Show „Der Quizchampion 2013“ gestellt!

Eine Kommilitonin war mit mir beim Radio gewesen, wo es etwas länger gedauert hatte, sodass unsere Fahrt von „kurz vor Potsdam“ nach Adlershof unseren Adrenalinspiegel kurzfristig in die Höhe schießen ließ. Statt einer Fahrt aus „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ glich unser munteres Wechseln von S- zu U-Bahnen und wieder zurück einer Flucht in bester Jason-Bourne-Manier.

Wir kamen gerade noch rechtzeitig um angewiesen zu werden, frenetisch zu klatschen und zu trampeln, wenn Herr Kerner das Set betreten würde, was er keine fünf Minuten später auch tat. Er hielt eine kleine Ansprache an sein Publikum, bevor es auch schon los ging.

Insgesamt saßen wir drei Stunden ununterbrochen im Publikum, johlten, klatschten und trampelten, auch wenn ein „Oh“ angebracht war und staunten nicht schlecht über das umfangreiche Wissen der Kandidaten, die erst in einer Schnellfragerunde und dann im Duell gegen fünf Experten auf den Gebieten Sport, Musik, Literatur, Natur und Geschichte bestehen mussten, um in die finale Show des Quizchampion einzuziehen.

Es war ein aufregender Abend, doch Chiara und ich hatten Dank unserer stürmischen Anreise noch nichts gegessen und uns knurrte der Magen. Berlin ist ja für einiges bekannt, aber vor allem für Curry 36, also war der Imbiss am Mehringdamm unser letztes Ziel des Abends, wo wir uns bei Currywurst mit Pommes und Cola über die Ereignisse des heutigen Tages unterhielten.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der Workshops. Darauf hatte ich mich am meisten gefreut, da es für mich und zwei meiner Kommilitonen ins ZDF Hauptstadtstudio ans Set der Sendung „Was nun?“ ging. Zunächst besahen wir uns in Zweiergruppen die einzelnen Arbeitsbereiche in einem Fernsehstudio, wie zum Beispiel Licht, Kamera, Schnitt oder Ton und wurden anschließend auf verschiedene Posten in der Produktion eingeteilt. Ich meldete mich für die Regie und hatte keine Ahnung, wo ich mich damit hinein manövriert hatte. Wir produzierten unsere eigene kleine Fernsehsendung über die JMT, wobei der Regisseur das Reden und Entscheiden hauptsächlich mir überließ und nur eingriff, wenn ein Ratschlag dringend angebracht war. Von den Kameraeinstellungen bis zum Setaufbau, vom Vor- bis zum Abspann musste ich alles bestimmen und festlegen. Ich sollte in jedem Moment wissen, was gerade geschah und wie es in den nächsten Minuten weiter gehen würde. Für mich war das Stress pur, da ich zusätzlich keine Ahnung von der Materie hatte. Trotzdem konnte sich unser Ergebnis sehen lassen und jeder war stolz auf sich, seine Arbeit und darauf, was wir als Workshop gemeinsam erreicht hatten.

1462108_737018082994076_1797761677_n

Am frühen Abend trafen wir uns als Gruppe wieder in der Turnhalle, entschieden uns aber gegen die anstehende JMT-Party und stattdessen für ein Essen irgendwo nahe der Museumsinsel. Unsere Wahl fiel auf eine mexikanische Bar, die ganz romantisch an der Hauptbahnlinie vom Alexanderplatz zur Haltestelle Friedrichstraße lag. Als eingefleischte Karlsruher fiel uns der Lärm nicht einmal auf.

IMG-20131115-WA0025

Dieser Abend bildete für mich den Abschluss, da ich schon am nächsten Morgen den ICE zurück nach Hause nahm, während die anderen erst noch im ZDF Hauptstadtstudio frühstückten und dort verabschiedet wurden, bevor auch sie sich in den Zug setzen konnte.

Leave a Reply