Ein lieb gewonnenes Ritual

Irgendwie erinnert die Situation an den Film “Und täglich grüßt das Murmeltier” – sobald sich das Semester dem Ende zuneigt, wir das leidige aber sinnvolle Ritual der Abschlussprüfungen hinter uns gebracht haben und die Hochschule schlagartig in den tiefen Schlaf des Sommers versinkt, startet bei den Professoren die Kongress-, Forschungs- und Publikationssaison.

In diesem Jahr stehen unter anderem zwei Bände der Reihe “Die Neue Führungskunst – The New Art of Leadership” auf der Agenda. Zwar umfasst die von meinen Kollegen Prof. Dr. Walter Gora, Prof. Dr. em. Johannes Ehrhardt und mir herausgegebene Reihe inzwischen stolze sieben Bände, doch soll damit noch lange nicht Schluss sein. Damit die Bände rechtzeitig zum Herbst fertig werden, geht es im Sommer in die heiße Redaktionsphase. Gemeinsam mit dem Lektoratsleiter Markus Klietmann und dem externen Lektor Frank Kukat werden die Beiträge nochmals mit den Herausgebern und Autoren diskutiert, redigiert und so in einen inhaltlichen Zusammenhang gebracht, dass eine sinnvolle “Spannungskurve” für den Band entsteht. Ich empfinde die Diskussionen zwischen der Herausgeberseite, dem Verlag und dem bewährten Lektor als ungeheuer konstruktiv und spannend. Es macht immer wieder Spaß, in diesem Kreis die unterschiedlichen Weltbilder aufeinander prallen zu lassen. Manchmal sieht der Band am Ende dieser Prozedur dann ganz anders aus, als wir ihn ursprünglich geplant haben.

Das Highlight dieser Phase ist für mich aber der Disput am Ende des jeweiligen Bandes, der fast schon ein Markenzeichen der Reihe ist. Ganz zum Schluss der redaktionellen Arbeit diskutieren die Herausgeber in alter akademischer Tradition die Thesen des jeweiligen Werkes. Dass es dabei nicht so bierernst zugeht, wie dereinst bei der legendären Leipziger Disputation zwischen dem konservativ-katholischen Theologen Johannes Eck und den Reformatoren Martin Luther, Philip Melanchthon und Andreas Karlstadt, versteht sich bei den Herausgebern von selbst. In der Regel werden Argumente mit einem Augenzwinkern vorgebracht, oder es wird ganz im faustischen Sinne, einfach mal ein Alter Ego der Herausgeber in die Diskussion eingeführt. Der Disput soll weniger Positionen beziehen, als den Leser zu eigenen Stellungnahmen ermutigen – ihn anregen, den roten Faden des Bandes aufzunehmen und ihn im Freundes- und Kollegenkreis weiterzuführen.

Als kleiner Appetitanreger sei die Lektüre unseres Disputs aus dem Band “Führen in der Krise – Unternehmens- und Projektführung in schwierigen Situationen” empfohlen.

Literatur:

Becker, Lutz/Ehrhardt, Johannes/Gora, Walter (Hg.); Führen in der Krise – Unternehmens-und Projektführung in schwierigen Zeiten; Düsseldorf 2009 (Reihe: Die Neue Führungskunst – The New Art of Leadership, Symposion: ISBN 978-3-939707-52-3)

Mehr zum Thema Führung im Blog des Masterstudiengangs Leadership an der Karlshochschule

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