Narrative + Innovation: Danach ist davor

In der IT-Industrie, so sagt man, gibt es nur zwei Jahreszeiten: Vor der CeBIT und nach der CeBIT. Während in den Tagen davor der Adrenalinspiegel steigt (Hat man an alles gedacht? Was könnte jetzt noch schief gehen?) fällt man danach in ein merkwürdiges Loch, das nahtlos in die Aktivitäten für den nächsten Event mündet.

Alfred KieserSo oder so ähnlich erging es meinem Kollegen Andreas P. Müller und mir nach unserem Kongress Narrative & Innovation. Doch eines vorab: Alle Beteilgten, vor allem Anja Scope und unser Marketingteam haben einen sensationellen Job gemacht und dafür gesorgt, dass die Konferenz – es war immerhin die erste internationale Konferenz dieser Art an der Karlshochschule – wie am Schnürchen lief. Natürlich ist auch etwas schief gegangen: Einzelne Referenten und Teilnehmer sagten auf den allerletzten Drücker ab, teils weil kurzfristig die internationale Flugverbindung platzte, teils weil private oder berufliche Ausnahmesituationen die Teilnahme verhinderten – doch unterm Strich konnten diese Probleme dank kurzfristig eingesprungener Referenten und kleiner Programmänderungen gelöst werden.

Florian MenzFür die Veranstalter einer solchen Konferenz sind die Referate immer ein Abenteuer. Obwohl alle die aus der ganzen Welt eingereichten Vorschläge (“Papers”) intensiv diskutiert und die allermeisten Vorschläge schon vorab zurückgewiesen wurden, weiß man nie, wie der jeweilige Referent ankommt und ob der Vortrag die Qualität des Papers auch wirklich widerspiegelt. Herzklopfen.

Philippe RixhonWissenschaftlich betrachtet war die Konferenz, es war wie gesagt die erste ihrer Art, eine Standortbestimmung – eine Annäherung an ein neues und neuartiges – und deshalb für so manchen exotisches – Thema, bei dem vor allem Sprach- und Wirtschaftswissenschaftler aufeinander trafen. Es ging darum, verschiedene Perspektiven aufzuzeichnen und konkrete Forschungsansätze herauszuarbeiten. Die Grundfrage: Kann man anhand von Narrativen in der Gesellschaft, in Märkten, in Organisationen und so weiter eine Früherkennung von Trends und Diskontinuitäten generieren, und kann man zudem die Methoden im Rahmen einer Innovationssystematik praktisch umsetzen? Wie können Unternehmen und andere Organisationen, man denke etwa an Politik und Verwaltung, von diesen Methoden und deren Ergebnissen profitieren? Es ging aber auch darum, den interpretativen Ansatz der Management- und Führungslehre, den die Karlshochschule verfolgt, weiter voranzutreiben.

Barbara Czarniawska So facettenreich wie die Fragestellung waren die Beiträge. Auf der einen Seite diskutierten Wissenschaftsstars wie der Mannheimer Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. em. Alfred Kieser, die Organisationstheoretikerin Professor Dr. Barbara Czarniawska aus Göteborg oder Professor Dr. Florian Menz, Sprachwissenschaftler an der Universität zu Wien, ihre Forschungsergebnisse – auf der anderen Seite standen Praktiker, wie der Londoner Theater- und Medienexperte Philippe Rixhon, oder Marcus Brown, das schlitzohrige Enfant Terrible der Web2.0 Szene. In diesem Rahmen eingebettet waren zahlreiche Workshops und Referate mit Forschern von Skandinavien bis Ostasien, ein World Café mit Thomas Klug und eine Keynote des Erfolgsautors Dr. Andreas Zeuch.

Wir werden die einzelnen Beiträge und die Ergebnisse der Konferenz “Narrative + Innovation” an dieser Stelle nochmals ausführlich und angemessen würdigen. Vor allem werden wir ein – wie wir glauben spannendes und wegweisendes – Buch zur Konferenz veröffentlichen. Und natürlich wird es eine Nachfolgekonferenz geben. Wir werden die Bälle, die uns zugespielt wurden, aufnehmen und nach dieser Bestandsaufnahme konkrete Forschungsaufgaben für die nächste Konferenz im Jahre 2012 entwickeln. Danach ist eben davor.

Die Bilder der Konferenz gibt es vorab schon einmal hier zu sehen.

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