Non-Comfort-Zone all day long

Unsere Managementstudenten arbeiten im dritten und vierten Semester in Teams aus verschiedenen Studiengängen an Unternehmensprojekten. Dabei stehen den Studenten sowohl unter dem Semester als auch in den zwei Intensivwochen zu Semesterende Coaches aus verschiedensten Branchen und Bereichen hilfreich zur Seite. Tim Born – Konzepter, Texter, Autor und seit vielen Jahren als Coach dabei – über das Besondere der Unternehmensprojekte.

Du bist schon ein Unternehmensprojekt-Urgestein, was reizt dich, an den Unternehmensprojekten teilzunehmen?
Same same but different – für mich bedeuten die Unternehmensprojekte in der Retrospektive, Routinen zu entwickeln und sie gleichzeitig jedes Mal wieder neu aufzubrechen. Es entsteht so gefühlt bei mir ein sich permanent weiterentwickelnder Fundus an didaktischen Techniken und argumentativen Impulsen, die sich zeitgleich stets selbst hinterfragen und wieder und wieder auf den Prüfstand müssen. Quasi Pflicht-Non-Comfort-Zone all day long. Das fordert und hält frisch. Immer Schema X kann ja wer anders machen.

Was ist für dich das Magische an den Unternehmensprojekten?
Der Moment, an dem es in einer Projektgruppe „klick“ macht. Das ist fast schon ein physikalisches Erlebnis. Oft begleitet von intensiver Spannung zuvor. Der Druck steigt, die Zeit verrinnt, die gesammelten Informationen werden immer mehr, der Kunde verwirrt mehr als er hilft, jeder Coach sagt vermeintlich etwas anderes, die Gruppe sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, der Schweißanteil in der Raumluft nimmt bedenkliche Dimensionen an, der Ton wird schärfer … und dann kommt der eine Moment. Der eine funktionierende Hinweis, der jedes Mal ein anderer und der für niemanden von uns im Vorfeld antizipierbar ist. Der Moment der Auf- und Erlösung, der in diesem Moment echt der Inbegriff einer Lernerfahrung ist. Das packt mich wirklich auch nach Jahren immer noch sehr.

Gibt es ein Erlebnis, welches du gerne erzählst, wenn du anderen von den Unternehmensprojekten erzählst?
Es gab einmal ein Projekt, das mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist. Das Projekt selbst war eigentlich relativ unproblematisch. Was es speziell gemacht hat, war die Konstellation, dass der Auftraggeber der Vater eines der Gruppenmitglieder war und letzterer auch bereits stark in das Familienunternehmen involviert war. Das führte zu großen Turbulenzen und Interessenskonflikten. Gewürzt mit einer Vater-Sohn-Dynamik, die auch nicht unbedingt systematisierend gewirkt hat. Am Ende und mit großem Einsatz vom Coach-Kollegium hat sich das Ganze in einer fantastischen Gruppenleistung aufgelöst, bei der nicht nur der Sohn komplett in die Gruppe eingereiht war, sondern darüber hinaus eine mutige Position sauber durchargumentiert worden ist. Der Auftraggeber/Vater hatte zum Ende der Präsentation vor lauter Stolz auf seinen Sohn Tränen in den Augen. Das war auch für mich ein besonderer Moment.

Warum sollte ein Unternehmen ein Unternehmensprojekt machen?
Weil es wohl kaum eine unmittelbarere Gelegenheit für ein Unternehmen gibt, sich eine unverbrauchte Spritze Impuls, Herzblut, Leidenschaft und Engagement einzuhauchen. Egal ob großes Corporate oder Start-up in spe: Die auf die Studierenden übertragenen Aufgaben werden mit großer Einsatzbereitschaft angenommen und zu eigen gemacht. Dazu ermutigen wir sie auch immer wieder. Sich nicht zu stark von den unternehmerischen Tunnel- und Innenperspektiven blenden zu lassen, sondern sich eine eigene, unabhängige Position zu erarbeiten. Auf diese Weise entsteht Teilhabe, Motivation – und letztlich Leistung. Wenn ein Unternehmen interessiert ist, sich einen neuen, frischen und unvoreingenommenen Blickwinkel aus Sicht einer international und interdisziplinär aufgestellten Studentenschaft zu ermöglichen, empfehle ich sehr, mit der Karlshochschule in Kontakt zu treten.

Was denkst du über die Unternehmensprojekte als Lehrformat? Was ist da besonders im Vergleich zu einem normalen Seminar? Warum ist es wichtig, dass es Unternehmensprojekte als Format gibt, warum könnte man das nicht als normale Vorlesung oder Seminar machen?
Ich glaube der Grad an Individualität und die damit verbundene Herausforderung an die eigene Anpassungsfähigkeit und Entwicklungssteuerung wäre in einem normalen Frontal-Format nicht ansatzweise erreichbar. In den Unternehmensprojekten geschieht sehr viel und das auf diversen Ebenen. Es ist eine Erfahrung, die weit über das hinausgeht, was man ansonsten im behüteten Environment einer Hochschule erlebt. Die Konfrontation mit einer echten Pitch-Situation, mit echten Kunden, mit Gruppendynamik unter Hochspannung, mit hochindividuellen Problemstellungen, für die es keine Blaupause im designierten Literaturverzeichnis gibt, das alles ist einzigartig und hat einen Wert, der die eingesetzten Mittel bei weitem übersteigt. Das bestätigen mir viele Studierende später, teilweise nach Jahren, wenn sich die Wege erneut kreuzen. Ich persönlich glaube, dass die Unternehmensprojekte nicht selten mehr nachhaltige Wirkungsspuren hinterlassen als das ein oder andere Praktikum dieser Welt.

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