Kunst- und Kulturmanagement Praktikum: Kultur- und Sportamt Ettlingen

Es sind unsere Entscheidungen die uns wachsen lassen!

Gehen wir den Weg den wir kennen und wiegen uns in Sicherheit des Vorstellungsvermögens unsere routinierten Strecken ablaufen zu können? Oder entscheiden wir uns einen Weg in der vorurteilsbehafteten Wildnis abzugrasen, im Unwissen darüber was uns an der nächsten Ecke erwartet? Die schönsten Wege sind die Nicht-Vorhersehbaren! Wir haben die Möglichkeit Menschengruppen kennenzulernen die wir sonst nie treffen würden, Situationen zu erleben vor denen wir andernfalls Abstand nehmen würden, Vorurteile zu begraben mit denen wir aufgewachsen sind und/oder sich im bildungselitären Rahmen entwickelt haben. In einem KulturAMT zu arbeiten war für mich solch eine Erfahrung die ich mir nie hätte träumen lassen, nun jedoch sehr glücklich und zufrieden bin diese Entscheidung getroffen zu haben.

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Rückblickende Gedanken bewegen sich nun in einer vollkommen anderen Dimension als noch vor drei Monaten. Nach meinem Auslandssemester und einer spontanen Entscheidung Ende Februar 2015 mein Praktikum in dieser Institution zu absolvieren begann ich im März 2015 mit meinem Pflichtpraktikum im Kultur – und Sportamt Ettlingen, mit Fokus auf den Bereich Kultur. Die Förmlichkeit und die Etikette des Namensschildes waren ein neues Format. Doch schon nach einem kurzen Zeitraum von zwei Wochen hatte die Distanz reduzierende Du-Ebene der Kulturarbeit wieder die Oberhand gewonnen. Ich wurde sehr schnell ins Team integriert und fühlte mich bereits nach drei Wochen wie eine vollwertige Mitarbeiterin (natürlich mit Ausnahmen zu meinen Gunsten behaftet).

Praktikanten tragen das Zepter der Zeit. Dieser Vorteil wird allzu oft unterschätzt. Wir haben die Möglichkeit unvoreingenommen innerhalb eines kurzen Zeitraumes mit externer Sicht auf interne Routine blicken zu dürfen ohne uns langfristig zu verpflichten. Mit einem Fuß in der Außenwelt sehen wir unausgeschöpfte Ressourcen die in jahrzehntelanger Routine von Mitarbeitern nicht mehr gesehen werden können. Mit dieser Einstellung war es mir möglich Prozesse in einer Kombination von Neugier, Neutralität im Sinne von ‚Die Sachlage nicht bewertend‘ und meinem eigenen Erfahrungshorizont zu betrachten. Wer neu ist hat noch Kraft und Ausdauer etwas zu verändern.

Darüber hinaus haben wir als studentische Praktikanten die Kraft des Netzwerkes und fungieren als Vernetzter zwischen Hochschule und Praktikumsstelle. Die institutionelle Reputation setzt gegenseitige Grenzen, mitunter als Schutz des Praktikanten, und räumt gleichermaßen Möglichkeiten ein, die zuvor nicht wahrgenommen oder ausgeführt wurden. In jedem Falle war es während meiner Praktikumszeit ein Rücken stärkender Gedanke diese Sicherheit zu besitzen. Das Unbekannte bringt frischen Wind und Interesse auf beiden Seiten. Institutionen und Unternehmen sollten sich diesen Fakt mehr zu Nutze machen, zum gegenseitigen Vorteil.

Einbindung heißt Anerkennung. Eine Tatsache die den Mindestwert von Weißgold besitzt und deren Auswirkungen nicht unterschätzt werden sollte. Ich bin sehr dankbar dass meine Ideen stets Berücksichtigung fanden, auch wenn dies nicht immer sofort offensichtlich ist. Wir können zeitweise nur erahnen welchen Einfluss unsere Bestrebungen haben. Die Folgen liegen
in der Zukunft. Zunächst widmete ich mich unterschiedlichen Aufgabenbereichen um die Institution in ihrer Fülle kennenzulernen. Somit war es meinen Vorgesetzten anfangs möglich meine Arbeitsweise, Einstellung und Motivation einzuschätzen. Nach diesen anfänglich kleineren, themenübergreifenden Aufträgen wendete ich mich einem größeren Projekt zu, welches in der Zeitperiode meines Aufenthaltes jegliche Aufmerksamkeit beanspruchte und ich schließlich die Einzige in der Institution war die sich Vollzeit mit diesem Projekt auseinander setzte. Es ging um die Kinder – und Jugendliteraturtage Baden-Württembergs 2015 die in diesem Jahr in Ettlingen stattfinden sollten und dementsprechend vom Kulturamt ausgeführt werden sollten. Ich suchte mir mein Aufgabenfeld größtenteils selbst und handelte nach einem Bedarf der sich für mich in der Lücke des Prozesses auftat und es in meiner Perspektive der sinnvollste Schritt war diese Lücke zu schließen. So begann ich mit einer Datenerfassung um vergangene, gegenwärtige und zukünftige Prozesse für Projektmitarbeiter transparent zu gestalten, welches dem Projekt bis zum Ende hin eine neue Struktur verlieh und die Basis für weitere Handlungen darstellte. Mit Bedauern musste ich feststellen dass der von mir anfangs gesehene Bedarf weitaus größer war als vermutet und ich mich nicht in eigene Kreativarbeit stürzen konnte, sondern vielmehr für eine administrativ stabile Basis sorgte, die nach meinem Praktikum für die Kollegen sinnvoll und nutzbar für weitere Vorgänge ist. Zu gern hätte ich das Projekt bis zum Ende hin begleitet. Sich innerhalb kürzester Zeit in einen bereits existierenden Prozess einzuarbeiten, maßgeblich für dessen vorankommen zu sorgen und den Endstand guten Gewissens in andere Hände legen zu können ist allerdings auch eine wichtige Erfahrung.

Ich möchte Jeden an dieser Stelle ermutigen nicht schwarz zu sehen wenn die Aufgaben anfangs als unterfordernd zu sein scheinen. Aufgaben müssen wachsen. Die benötigte Zeit sich einzuarbeiten ist von sehr unterschiedlicher Dauer, abhängig vom Bedarf und den Kommunikationsprozessen innerhalb der Einrichtung. Vorgesetzte können den von der Hochschule vermittelten Bildungsgrad nur schwer einschätzen. Irgendwo muss der Startschuss fallen. Die Verantwortung wächst mit der Art und Weise der Eingliederung in die Institution und der Aufgabenbewältigung.

Den zukünftigen Generationen möchte ich zudem nahe legen sich nicht selbst zu stressen in der zwanghaften Suche nach einem Praktikumsplatz. Nach dem Auslandssemester noch keine Stelle zu haben ist vollkommen in Ordnung und normal. Schöpft eure Erfahrungen im Ausland aus. Es wird sich alles finden wenn ihr Vertrauen habt. Beginnt nicht zu früh mit dem Praktikum. Nehmt euch die Zeit der regulären Semesterferien im Februar für die Gestaltung eines neuen Lebensrhythmus.
Als eine meiner wichtigsten Erfahrungen gilt der Wert von Verantwortung. Ein Befehl- Ausführmechanismus lässt jegliche Form von Leidenschaft und Freude an der Arbeit an die Wand der Sackgasse prallen. Ohne Kreativität, Entscheidungsfreiheit und Herausforderung ist kein Denken, die Frage nach der Sinnhaftigkeit steht allein im Raum. Orientierungslosigkeit ist
die Folge. Loslassen und Vertrauen ist oberste Prämisse für einen gelingenden Prozess. Dies gilt vor allem für Vorgesetzte jeglicher Art. Die Verbindung von persönlicher Zwanghaftigkeit und Projektentscheidungen äußert sich andernfalls in Kontrolle. Mit einer guten Struktur, klaren und transparenten Zuständigkeitsbereichen und dem Gefühl für ein Kollektiv lässt sich ein Prozess effektiv gestalten. Im weiten Meer der Zusammenarbeit, gleich zwischen welchen Instanzen, bei Flaute, Wogen und Wind, an der Oberfläche der unergründlichen Tiefe des Ozeans, ist es wichtig ein stabiles Schiff zu haben, welches das Projekt sicher in den Hafen schaukelt. Wer allein schwimmt droht vor Kraft – und Aussichtslosigkeit zu versinken. Im Großen und Ganzen war es eine sehr gute Erfahrung für mich in dieser Institution zu arbeiten, mich somit städtischen Bezügen und deren Entscheidungsgewalten zu nähern, neue Bespiele für interne Kommunikationsprozesse zu erleben und Wege der Selbstverwaltung zu entwickeln. Zudem habe ich vielfach neue Kontakte knüpfen können womit sich vollkommen neue Wege öffneten, von denen ich vor allem nach meinem Praktikum profitiere. Neben neu Erlerntem und neu Gesehenem habe ich Parallelen zu meiner Kindheit ziehen können, in der ich schon damals großes Interesse im administrativen Bereich entwickelt habe, indem ich stets und ständig Listen führte. Die gegenwärtige Identifikation mit der Vergangenheit hatte somit einen neuen Stellenwert.

Ein wichtiger Faktor ist die Form des Denkens die Tätigkeitsbezogen sehr unterschiedlich sein kann. Durch mein Studium war es mir möglich auf verschiedenen Ebenen logische Verknüpfungen anzustellen, mich schnell in bereits vorhandene Prozesse hineinzudenken und facettenreiche Lösungsansätze für Problemstellungen zu erschließen.

Wenn man mich fragen würde: „Was hast du im Studium gelernt?“ wäre meine Antwort: „DENKEN!“.

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