Der ultimative Blog-Eignungstest mit Prof. Dr. Björn Bohnenkamp

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Hallo Björn. Ich bins. Das Blog der Karlshochschule. Ich habe gehört du möchtest auf mir schreiben? Nun, dazu wäre es vielleicht gar nicht mal so schlecht, wenn wir uns vorher ein wenig besser kennenlernen, oder? Darf ich dich ein wenig ausquetschen? Gut, dann gehts jetzt los.

Du kennst ja bestimmt diese Networking-Veranstaltung. Mal ganz spannend, mal so richtig ultralangweilig. Wie stellst du dich denn deinem Gegenüber auf solchen Veranstaltungen in der Regel vor?

Es wäre tatsächlich mal an der Zeit, mir einen Slogan zu überlegen, der in solchen Gelegenheiten einschlägt – wie wäre es mit „Hey, ich bin Björn und forsche derzeit übers Dschungelcamp“ oder „Ich bin Professor für Marketing – aber nicht so, wie Sie jetzt denken, sondern anders. Ganz anders.“ Oder, spontan von der Seite anquatschend bei den Häppchen: „Wussten Sie eigentlich, dass man Marketing jetzt ganz anders denken kann? Richtig mit Werten und so? Das machen wir an der Karlshochschule, so einem kleinen Hochschul-Startup irgendwo bei Stuttgart.“ Man sieht, ich kann besser über das Marketing anderer reden als mich selbst zu vermarkten – typisches Professorenproblem. Aber ich arbeite dran.

So so. Du interessierst dich also für Marketing. Da fällt mir was ein. Ein witziges Mem aus dem Internet. Kennst du das hier?

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Jetzt würde ich natürlich sowas gerne mal mit dir machen. Also kannst du in kurzen Sätzen auf folgende Fragen antworten:

Was denken deine Freunde machst du?
Was denken deine Verwandten machst du?
Was denkt dein Boss was du machst?
Was denkt die Gesellschaft?
Was denkst du selbst?

Ich wünschte, meine Freunde würden von mir denken, dass mir Anzüge so gut stehen wie Jon Hamm. Und ich wünschte, meine Familie hätte irgendeine Vorstellung davon, was ich tue. Die finden aber immerhin die Fotos von der Hochschule cool. Mein Boss denkt vermutlich tatsächlich so Ähnliches wie auf dem Bild – nur dass ich auf dem Android-Tablet bestehen würde. Und was ich wirklich tue: Bei meinen Statistiken halte ich mich doch mit deskriptiven Tortendiagrammen nicht auf. Das muss schon noch etwas unverständlicher sein. Außerdem: Wenn alle Kuchenstücke in einem Tortendiagramm gleich groß sind, sind die Daten mit großer Sicherheit getürkt.

Dein Themenfeld “Marketing” ist ja ziemlich umfangreich. Für welche Teilbereiche interessierst du dich denn genau und was forschst du da?

Ich bin ein ziemlicher Crossover-Forscher. Ich komme eigentlich aus der Medienwissenschaft, interessiere mich also dafür, wie in Gesellschaften Bedeutungen durch Bücher, Zeitschriften, Filme oder Fernsehen ausgehandelt und Sinn strukturiert wird – also beispielsweise auch Marken. In den letzten Jahren wurde es dann immer konkreter mit Marketing- und Konsumthemen: Ich habe mich einerseits – ganz dem klassischen Effizienzdenken verhaftet – für Erfolgsfaktoren von Produkten interessiert, insbesondere von Filmen. So eine gut gemessene Zahl hilft manchmal sehr gut, das Schwafeln vom Wissen zu trennen. Andererseits weiß ich sehr gut, dass wir mit Zahlen nur einen kleinen Teilbereich unseres Wissens ausdrücken können (darin unterscheide ich mich von der Mehrheit der deutschen Marketingforscher). Insbesondere das Konsumverhalten von Menschen können wir nur mit anderen Methoden verstehen. Ich habe zum Beispiel in einer Studie zum Dschungelcamp und anderen Trashprodukten erforscht, wie Leute damit umgehen, dass sie etwas konsumieren, was sie eigentlich für minderwertig halten.

Wie sehen eigentlich deine Vorlesungen aus? Also was kann man als Student erwarten und was eher nicht?

Da halte ich mich an die Kernideen der Karls: Viel Interaktion, viel Selbst-Erarbeiten und Selbst-Erfahren. Jedes Thema ist anders, da ist die Herausforderung für mich, immer die passende Methode zum passenden Thema zu finden.

Kannst du mir 3 Werke, also Bücher, Blogs, Quellen etc. nennen, die man auf alle Fällekennen sollte, wenn man sich für Marketing interessiert?

Im Marketing gibt es leider Horden von selbst ernannten Gurus, die ausgedachte Weisheiten unters Volk bringen – davon bin ich kein Fan. Ich mag lieber die guten alten Forscher, die lieber für ein Trend-Thema mal ein halbes Jahr zu spät kommen, aber dafür richtig nachgedacht haben und sich mal gründlich mit einem Phänomen beschäftigt haben. Zum Glück gibt’s darunter auch einige, die am Puls der Zeit sind und sich auch verständlich ausdrücken können, Rob Kozinets und Markus Giesler zum Beispiel. Ansonsten: Fünf Jahre warten, dann gibt’s bestimmt die ultimativen Weisheiten von mir in Buchform. Dringend kaufen. Und verschenken. Oft.

Was ist deine Lieblingsmarke und warum? Welche Marke magst du gar nicht, bist aber der Überzeugung sie macht ihre Arbeit sehr gut?

Ich persönlich kaufe ungern Produkte mit groß inszenierten Marken – ich weiß dann immer, dass jede Menge Geld ins Marketing geflossen ist und mir das Produkt verteuert ;-) Mich überzeugen im Moment vor allem Marken wie “Fred’s World” oder “Freche Früchte”, die meiner Tochter auch gefallen. Und dann gibt es natürlich ein paar Marken, die ich aus fachlichen Gründen interessant finde: Ob Opel es wirklich schafft, von der verstaubten Opa-Marke wieder in der Mitte der Gesellschaft anzukommen, finde ich spannend.

Welche Denkerinnen und Denker haben dich eigentlich inspiriert?

Niklas Luhmann. Man muss sich zunächst auf den komplexen Theoriekosmos des alten Ostwestfalen einlassen, wird aber durch sehr scharfsinnige Einsichten, die eine oder andere ironische Bemerkung und ein präzises begriffliches Instrumentarium zur Beobachtung der Welt belohnt. Und natürlich Michel Foucault: Nicht ganz so präzise, schreibt aber schöner. Und für einen Franzosen hat er auch ziemlich oft Recht.

Die Karlshochschule hat ja den versteckten Slogan “Management anders denken”. Was heißt das für dich konkret und dann auch noch angewendet auf dein Themengebiet?

Es heißt zunächst einmal: Überhaupt mal denken, bevor man managt. Das ist für viele BWLer schon eine ziemlich große Herausforderung. (Ich darf das sagen, ich bin selbst betroffen.)

Wow! Okay, ich denke hiermit bist du aufgenommen. Viel Spaß beim Bloggen.

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