Bayer und die Norwegischen Wälder: Meine Gastvorlesung in Fredrikstad (Teil 2)

Eigentlich hatte ich mir auch in diesem Jahr vorgenommen, ein kleines norwegisches Tagebuch zu schreiben. Um ehrlich zu sein, bin ich aber die letzten Abende nach den langen Vorlesungen in englischer Sprache und vielen interessanten Gesprächen mit Kollegen einfach nur noch todmüde ins Bett gefallen. Also bleibt es dieses Jahr bei einer kurzen Zusammenfassung.

Für die Veranstaltung vorgestern war es mir gelungen, wieder einen hochkarätigen Bayer Manager als Gastredner zu gewinnen. Ole Kristian Olstad hat unter anderem in Leads studiert und dort in UK auch seine berufliche Karriere begonnen. Bei Bayer in Norwegen als Head of Marketing für Diabetes Care in der so genannten “EMS Region” und damit für die folgende Länder und damit für einen Umsatz von rund 90 Millionen verantwortlich: Schweden, Finnland, Dänemark, Island, Österreich, Irland, Belgien, Luxemburg, die Niederlande, Portugal und nicht zuletzt natürlich Norwegen. Außerdem ist er in Globalen Brand und Strategischen Marketing Teams in der Bayer HealthCare Division tätig.

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In seinem engagierten Vortrag ging es um Fragen der Lokalisierung und globalen Standardisierung, aber auch um konkrete Karrieretipps. Bayer gehört sicherlich zu den attraktivsten deutschen Arbeitgebern, vor allem, wenn man eine internationale Perspektive sucht. Am Rande konnte man viel über kulturelle Besonderheiten lernen, etwa, dass der Wirkstoff ASS in Norwegen aus historischen Gründen nicht sonderlich populär ist, dass die meisten Pakistaner einer besondere Disposition für Diabetes haben und dass Diabetes sich in Asien aufgrund geänderter – westlicher – Ernährungsgewohnheiten zur Volksseuche entwickelt hat, viele Kranke es aber gar nicht wissen, weil die Krankheit mangels Infrastruktur bei den meisten Betroffenen gar nicht diagnostiziert wurde. Und natürlich wurden auch Fragen der Nachhaltigkeit diskutiert. Und natürlich ging es auch um das Thema Bienensterben. Interessanterweise ist der Dean der Fakultät, mit dem ich die Diskussion mit den Studierenden abends nochmals revue passieren lassen konnte, selbst engagierter Imker. Das Bienensterben allein auf Pflanzenschutzmittel zurückführen zu wollen, wäre zu einfach, um nicht zu sagen: naiv. Es handelt es sich offensichtlich um ein Problem mit vielen Ursachen (Züchtung, Rapsanbau u. a.), das ohne Zweifel noch besser verstanden werden muss (und zwar schnell), um geeignete Maßnahmen zu treffen.

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Gestern ging es nach der Marketing Veranstaltung in die norwegische Wälder, wo sich mein Norwegischer Kollege Hong Wu, Valentin Miguel Equía aus Spanien und ich in einem provisorischen Camp mit den Innovationsexperten Gunnar Andersson und dem Hessdalenforscher Bjørn Gitle Hauge trafen. Für mich war es völlig überraschend, dass es selbst in Norwegen eine ganze Menge junger Menschen gibt, die in ihrem Leben praktisch keine „Naturerfahrungen“ gemacht und die Städte so gut wie nie verlassen haben. Gunnar und Björn gehen eine Woche mit ihren Studierenden in ein einsames Gebiet, wo sich dichter Wald, Felsen und die typischen Norwegischen Seen einander ablösen. Die Studierenden sollen auf langen Orientierungsmärschen zu Fuss und mit dem Kanu eine Vielzahl von praktischen und theoretischen Aufgaben erfüllen, die sie nicht selten an den Rand ihrer Leidensfähigkeit bringen. Ziel ist es, bei den Studierenden unter Extremsituationen Teamfähigkeit und Projektmanagementkompetenz zu fördern. Es geht aber auch um Selektion: Studierende, die sich als nicht teamfähig der unverlässlich erweisen, werden in Einzelgesprächen auf ihre Schwächen aufmerksam gemacht; gegebenenfalls legt man ihnen sogar nahe, einen anderen Weg einzuschlagen. Vor allem ist aber interessant, dass das Outdoorprogramm, mit Action Research und Lehre in Einklang gebracht wird. Es geht diese Jahr vor allem darum, das die Studierenden Kompetenzen im Bereich „Sustainable Innovation“ erwerben. Sie sollen hier in der mitunter recht rauen Natur Norwegens Konzepte von Nachhaltigkeit kennenlernen und besser verstehen sowie eigene Ideen im Bereich der grünen Innovation entwickeln. Für beide, Studierende und Lehrende, eine anstrengende aber auch sehr intensive Zeit. Übrigens sind die Tage in Norwegen zu dieser Jahreszeit etwa gleich lang, wie bei uns zuhause.

Ich würde mich freuen, wenn die Kooperation zwischen der Karlshochschule und der Hochschule in Fredrikstad auch nach meinem Ausscheiden weiter fortgeführt wurde. Interessante Ansätze und Ideen gibt es zuhauf.

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Unser kleines Professorium

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Die Professorenwohnung

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Hong und Valentin beim Aufstieg zum Basislager

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2 Fotos von (c): Valentin Miguel Equía

Siehe auch:
http://blog.karlshochschule.de/2014/09/15/klingen-und-messer-meine-gastvorlesung-fredrikstad-teil-1/
http://blog.karlshochschule.de/2014/09/22/norwegen-teil3-ein-resumee/

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