Blau, Gelb, Weiß, Schwarz, Grün und Rot – Six thinking hats an der Karlshochschule

Blau ordnet, Weiß analysiert und Schwarz kritisiert. Und was machen Gelb, Rot und Grün? Auch sie betrachten denselben Fall jeweils aus einer anderen Perspektive. Alle Farben lassen sich im wirklichen Leben bestimmten Typen zuordnen – die sich wiederum in beinahe jedem Unternehmen versammeln.

Hüte (18)

Weil es für den konstruktiven Prozess oft von Vorteil sein kann, die “Farbe” eines Mitarbeiters oder Stakeholders zu erkennen, kommt die Kreativitätstechnik der “Denkhüte” (engl. Six Thinking Hats) von Edward de Bono auch an der Karlshochschule zum Einsatz. Denn wer versucht, öfter einmal die Perspektive zu wechseln und sich auf andere einzustellen, wird mit einem effizienteren Diskurs und verbesserter Kommunikation belohnt.

Hüte (27)

In seinem Mastermodul Business Analysis behandelt Professor Wendelin Küpers mit seinen Studierenden besagte Kreativitätstechnik: In sechs Gruppen basteln sie zunächst aussagekräftige Hüte, die jeweils einen Blickwinkel repräsentieren.

Weiß steht für analytisches Denken, Fakten- und Lösungsorientiertheit. Rot repräsentiert Emotionen, Gefühle und Meinungen, Schwarz äußert vornehmlich Kritik, Skepsis und Ängste. Dementgegen gibt sich Gelb durchweg optimistisch, Grün setzt auf Kreativität und assoziatives Denken, schließlich vertritt Blau ein ordnendes und moderierendes Denken und behält den Überblick.

Wichtig ist zunächst, sich mit seiner Farbe und dem daraus resultierenden Blickwinkel vertraut zu machen. Diese Identifikation entsteht in der Gruppenarbeit. Sitzen die Rollen fest im Sattel, holt Küpers mit seinen Studierenden zum großen Finale aus: Anhand einer Case Study mischen sich die Hüte untereinander und vertreten ihre Perspektive auf das Problem.

Hüte (35)

Was bringt das Ganze? Durch die Rollenverteilung können alle Denkmodi für eine Entscheidung berücksichtigt werden. Auch lässt das “Theaterspiel” meist eine offenere Diskussion zu – denn für die Rollen lehnen sich die Teilnehmer oft ganz unerschrocken in ihre Perspektive hinein.

Tabea Rueß hat sich mit Tobias Hess (links im Bild), Masterstudent an der Karlshochschule, über die Kreativitätstechnik unterhalten.

DSC_0009

Tobias, wie fühlt sich das an, eine – möglicherweise – gegensätzliche Perspektive zu deiner eigenen einzunehmen?
Am Anfang hat es sich tatsächlich ein wenig komisch angefühlt. Aber nachdem unsere Gruppe dann ihre “Schwarzen Hüte” gebastelt und wir uns das Design und die Bedeutung in Bezug auf die Farbe Schwarz genau überlegt hatten, wurde das Gefühl besser. Auch wenn ich – um ehrlich zu sein – im Everyday life nicht diese Position eingenommen hätte. Die Farbe haben wir auch nicht selbst gewählt, sondern aus einem Hut gezogen.

Was nimmst du jetzt aus der Erfahrung mit?
Mehr auf mein Gegenüber einzugehen und zu versuchen ihn oder sie zu verstehen. Und dabei helfen die sechs Hüte von De Bono, weil sie ungefähr zeigen, was mein Gegenüber denken könnte oder warum er/sie so antwortet. Für meinen Job neben dem Master ist das sehr gut anwendbar – gerade wenn es um Projektarbeit und Teamwork geht.

Theorie und Praxis vermischen sich hier im Unterricht. Wie findest du das?
Ich finde es klasse. Denn nur so kann man die meist abstrakte Theorie, die jeder von uns natürlich auch durchkauen muss, mal in die Tat umsetzen. Und wo geht so etwas besser als in einer gewohnten Umgebung? An der Karlshochschule kann man jegliche Art von Unterstützung für solche Kreativitätstechniken bekommen und damit experimentieren.

Hüte (19)

Wie verändern solche Rollenspiele den Zusammenhalt unter den Studierenden?
In meinen Augen stärkt so ein Rollenspiel den Zusammenhalt in der Gruppe, da jeder quasi ins kalte Wasser geworfen wurde und eine Rolle einnehmen muss. Man verlässt gezwungenermaßen die eigene Komfortzone – und nur so kann man auch was Neues lernen, wie ein Kommilitone von mir zu sagen pflegt. Bei uns stehen bald die nächsten Rollenspiele zum Erlernen von Kreativitätstechniken und auch rhetorischen Fähigkeiten an. Also vielleicht sprechen wir uns bald mal wieder.

Leave a Reply