Aufruf zur Blogparade: #internetoptimismus (Update)

Es ist nicht so, dass sich mit Snowden der Internetoptimismus läutern müsste in eine digitale Generalskepsis. Die bisherige Form der Netzbegeisterung hat sich aber als defekt erwiesen, weil sie von falschen Voraussetzungen ausgegangen ist. Nach dieser Kränkung muss ein neuer Internetoptimismus entwickelt werden. Eine positive Digitalerzählung, die auch unter erschwerten Bedingungen in feindlicher Umgebung funktioniert, denn der dauernde Bruch sicher geglaubter Grundrechte hält an.

Sascha Lobo in “Die digitale Kränkung des Menschen”

internetoptimismus

Ist das Internet wirklich kaputt? Versinken wir in einer einzigen Big-Data-Dystopie, also einer Infrastruktur zur gegenseitigen Überwachung und zur massiven Kontrolle der Bürger und Konsumenten? Ich hoffe: Nein! Aber ich denke es ist gerade jetzt umso wichtiger die positiven Merkmale des Internets bzw. ihrer Benutzer in den Vordergrund unseres Denkens und Handelns zu stellen.

Was wurde bisher durch das Internet positiv bewegt? Wie sieht eine utopische Zukunft im Kontext von Post-Privacy und Big Data aus? Welche Ideen wurden realisiert und welche Projekte und Vorhaben sind noch denkbar?

Mögliche Beispiele für mehr Optimismus liefern Projekte wie “Viva Rocinha” – jüngst auf dem Blog der Heinrich Böll Stiftung vorgestellt. Eine Favela in Rio de Jainero macht mit Hilfe einer Online-Plattform die Probleme – aber auch die positiven Seiten dieser urbanen Subkultur – transparent.

Oder da wäre die App “Cheetah”, die mit Hilfe von GPS-Daten Transparenz schafft, um den Verlust von Nahrungsmitteln in Afrika auf den Grund zu gehen und entsprechend entgegenzuwirken.

Genau diese Art von Beispielen möchte ich mit dieser Blogparade einsammeln und sichtbar machen und somit eine optimistischere Perspektive auf die Thematik liefern. Aber neben den vor sich hinschlummernden “Bestandsprojekten” wäre es auch wichtig die Zukunftsvisionen einzusammeln. Was ist noch alles möglich? Wie sieht das neue Internet aus? Welche Ideen und Thesen gibt es dazu?

Alle eingereichten Blogbeiträge werden hier entsprechend gesammelt und verlinkt. Um von euren Beiträgen zu erfahren, bitte ich euch auf diesen Beitrag zu verlinken oder mir eine Nachricht per E-Mail (pbreitenbach[at]karlshochschule.de) oder Twitter (@breitenbach) – ggf. mit Hashtag #internetoptimismus – zu senden.

Einsendeschluss ist der 1. März 2014. Je nach Resonanz und Interesse könnte ich mir auch gut vorstellen aus den gesammelten Werken eine Zusammenfassung für die re:publica 2014 anzufertigen.

Ich freue mich auf eure optimistischen Ideen.

Bisher eingereichte Beiträge:

Henning Uhle: Reiner Internetoptimismus – eine Utopie zum Internet der Zukunft

Jan Westerbarkey: Blogparade Internetoptimisums

Heinz-Günther Weber: #internetoptimismus: Auf der Suche nach dem verlorenen Netz

@hierkommthans: Wir sind das Internet

Mathias Sauermann: Lobo und so: Internet ist das, was wir daraus machen

Frank Zimmer: Warum Storify das Internet ein bisschen besser machen könnte

Ars Liberatis: Die Überreste des Optimismus: Das Internet in Zeiten der Überwachung

Karsten Edelburg: Wo kommen wir hin, wenn wir weitergehen?

Juna im Netz: Neuer Internetoptimismus?

Sketchnet: #internetoptimismus und Hoffnungen

Julia Austermann: #internetoptimismus = #kulturoptimismus

12 comments Write a comment

  1. Das war wohl eher falscher Optimismus als Voraussetzung. Es werden
    dringend mehr Leute benötigt, die sich der vorhandenen Technik annehmen und
    diese in eine Art transformieren, aufbrechen, umformen und „zweck“-entfremden, die
    möglichst vielen zugutekommt. Es werden nicht mehr Inhalte benötigt die aufzeigen,
    welches Potenzial die Technik hat. Es wird mehr Technik bzw. Expertise benötigt
    um das Potenzial der Inhalte sicherzustellen … lasst uns mehr hacken!

  2. Patrick Breitenbach

    Alles gut und schön. Aber ich weiß nicht wie das dem Aufruf widerspricht? :-)

    Dann einfach mal beschreiben was man da auch technisch machen könnte. Es geht ja nicht darum das Technische auszuschließen. Im Gegenteil. Es ist eine Sammlung von Ideen.

  3. Pingback: Henning Uhle | Reiner Internetoptimismus – Eine Utopie zum Internet der Zukunft

  4. Wie du es nennst “positive Bestandsprojekte” gibt es zuhauf rund um den Globus. Der militärisch-industrielle Komplex ist ja schlau genug, die ein oder andere Open Source-Software oder eine gegen das Elend nützliche “App” mitschwimmen zu lassen. Wenn es aber darum geht, dass die Prinzipien eines offenen und freien Netzes tatsächlich mal Anwendung finden in den entscheidenden Infrastrukturen (Bsp. Open Source im Auswärtigen Amt abgesäbelt durch Microsoft Lobbyismus), dann werden die harten Bandagen ausgepackt.

    Eine Utopie, ein Internetoptimismus, der weiter daherkommt mit “Lass uns ein wenig mehr hacken und ein wenig mehr OpenSource machen” wird weiter an die Wand gespielt werden von den vorherrschenden Interessen, diese “wir sind anders”-Beiboote sind doch längst eingepreist.

    Wer also von einem Optimismus für ein aufgeklärtes digitales Zeitalter träumt, wird nicht umherkommen sich auch die Frage zu stellen, was NICHT MEHR weiter existieren darf. Wir reden von einem Verdrängungskampf der Utopien. Die Utopie der Allmacht der Eliten ist dabei von ihren treibenden Kräften umgesetzt zu werden und die digitale Ebene spielt da eine wichtige Rolle.

    Also: Gerne eine Blogparade zum Begriff des “Internetoptimismus”, aber bitte nicht irgendwelchen blauäugigen Flowerpower-Optimismus 2.0, denn gegen den ist die Gesellschaft in den letzten 20 Jahren bereits erfolgreich geimpft worden. Mehr Taten, weniger Worte. Bereitschaft zum gemeinsamen Kämpfen, statt zum feinsinnigen “Ich stimme nicht ganz mit dir überein”-Blogdiskurs. Eine Utopie, die das beherzigt, ist es wert gelesen zu werden. Der Rest ist nur Beschäftigungstherapie.

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