Spiekerooger Klimagespräche: Ein kleines Fazit

Hoch über der Dünenlandschaft blickt „De Utkieker“ suchend über die Nordsee. Sinnbildlich steht die Plastik von Hannes Helmke wohl auch für die Spiekerooger Klimagespräche. Sie sind kein Format, bei denen man schnelle Lösungen und billige Take-Aways erwarten darf. Der Reiz dieses Symposiums liegt vor allem darin, dass man in der interdisziplinären Zusammenarbeit neue Perspektiven und Zugänge findet, wenn man denn bereit ist, selbst zu suchen. Ich jedenfalls habe im Moment viel mehr Fragen als Antworten mit nach Hause genommen. Und das ist gut so!

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Obwohl wir uns schon seit längerem mit Nachhaltigkeit und ökonomischer Verantwortung beschäftigen, ist mir während der Klimagespräche nochmals vor Augen geführt geworden, dass, wie unser Mitstreiter Uwe Lübbermann vermutlich sagen würde, unser ökonomisch-gesellschaftliches Betriebssystem dringend ein Update braucht. Skeptisch stimmt mich vor allem, dass ich nach verschiedenen Gesprächen sehr wohl vorstellen kann, wie es aussehen mag, wenn unsere gesellschaftlichen und ökologischen Systeme in unkontrollierbare Schwingung geraten oder ganz kollabieren. Dass zeitgleich mit der diesjährigen Konferenz auf den Philippinen mit „Haiyan“ der schwerste jemals gemessene Sturm wütete, mag man als Signal verstehen.

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Die diesjährigen Gespräche standen unter der Fragestellung: „Was können gemeinschaftsorientierte Formen des Wirtschaftens zu nachhaltiger Entwicklung beitragen?“. Zunächst wird man dabei an kooperative und genossenschaftliche Organisationsformen denken, bei genauer Betrachtung aber auch nach anderen (graduell) gemeinschaftsorientierten Unternehmen suchen müssen, angefangen bei Brunello Cucinelli oder dm , zwei Firmen über die wir im Modul EMQM gesprochen haben, über Aktiengesellschaften, bestimmte Investmentfonds, Mafia und Sportvereine bis hin zu den seit Jahrhunderten existierenden Klostergemeinschaften, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

In der Diskussion schwang dann auch die Frage der Gemeinwohlorientierung mit. Hier muss man, da kann ich Reinhard Pfriem nur Recht geben, grundsätzliche in Frage stellen, ob es in komplexen Akteurslandschaften überhaupt so etwas wie „Gemeinwohl” geben kann.

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Nichtsdestotrotz kann man sicherlich Kriterien festlegen, anhand derer zu messen ist, was einer Gesellschaft, ihrer Umwelt und ihrer Wirtschaft, dauerhaft dienlich ist. Will man den komplexen Herausforderungen begegnen, dann werden wir zudem nicht an neuen Governanceprinzipien vorbeikommen. Zum Beispiel geht es darum, die Beziehung zwischen Kapital und Handlungsverantwortung zu verdichten und die Krisenfestigkeit durch resilliente Strukturen zu erhöhen.

Bei dem Spiekerooger Klimagesprächen gibt es, wie erwähnt, keine schnelle Antworten, dennoch habe ich aus den verschiedenen Gesprächen spannende Anregungen mit nach Hause genommen. Anregungen für Lehre und Forschung, aber auch Dinge, die in der unternehmerischen Praxis neue Optionen für ökologisch und ökonomisch nachhaltiges Wirtschaften eröffnen können.

Nachtrag vom 11.Nov. 2013:

Die UN-Klimakonferenz, die heute in Polen beginnt, macht wenig Mut. Das Interesse der Staatengemeinschaft, eine schnelle und durchgreifende Lösung des Klimaproblems anzugehen, mag man bezweifeln. Stattdessen sieht alles nach Verschieben und Vertagen von Entscheidungen oder allenfalls einigen faulen Kompromissen aus. Insofern ist es wohl nur die Innovations- und Durchsetzungsfähigkeit der privaten Akteure, Unternehmungen und anderer Organisationen die zumindest ein wenig Hoffnung macht.

Mehr dazu:

http://spiekerooger-klimagespraeche.de
http://blog.karlshochschule.de/2013/11/06/klima/
http://blog.karlshochschule.de/2013/11/07/klima-stellschrauben/
http://blog.karlshochschule.de/2013/11/08/klima-spiekerooger-kimagesprache-3/

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