Klima: Stellschrauben

Heute, als ich kurz vor Sonnenaufgang am Strand joggen war, sah ich draußen die Lichter der vielen Schiffe die von Weser und Jade kommend in Nordsee gehen oder Waren von weit her in die Häfen bringen. Da draußen der Welthandel, und hier das kleine Biotop Wattenmeer. Bizarrer können Kontraste kaum sein.

Nordsee

Für ein komplexes ökologisch-sozial-politisch-ökonomisches Problemgeflecht wie die drohende Klimakatastrophe (ich glaube man kann das angesichts rund einer Milliarde mehr Menschen etwa alle 14 Jahre und wachsendem Wohlstand in den ehemaligen Schwellenländern nicht hart und deutlich genug formulieren) gibt es keine einfachen Antworten. Das heißt aber nicht, dass wir abwarten sollten, bis die ganze Komplexität über uns zusammenbricht, sondern dass wir umso intensiver an Lösungen, an kleinen wie großen, arbeiten müssen. Sicherlich ist da der Staat – oder besser: die Staatengemeinschaft – gefragt – aber Staat und Staatengemeinschaft sind damit auch überfordert. Staaten können allenfalls Rahmenbedingungen schaffen, der eigentliche Hebel muss aber im wirtschaftlichen (unternehmerischen) Handeln gesucht werden.

Wie aber kann auf dieses Handeln, das ja zunächst einmal ein eigennützliches ist, Einfluss ausüben? Das ist die zentrale Frage, die ich mir heute angesichts der Spiekerooger Klimagespräche stelle. Möglicherweise liegt die Antwort in zwei zentralen ökonomischen Kategorien, die mich zur Zeit beschäftigen: der Wert und das Interesse (auf das ich später noch eingehen möchte).

Die Frage nach dem Wert stellt sich für mich weniger im Sinne der klassischen ökonomischen Wertlehre, sondern vor der Frage, welchen Dingen wir wie einen Wert beimessen und wie Werte sozial konstruiert werden: Wenn uns Dinge WERTvoll sind, streben wir danach und wir sind bereit, dafür einen Preis zu zahlen und nehmen damit einen Einfluss auf das wirtschaftliche Handeln der verschiedenen Akteure. Die zentrale Frage, die ich mir stelle ist die, ob Werte als Entscheidungsprämissen unserer Wirtschaft und Gesellschaft “umprogrammierbar” sind, und wenn, dann wie.

Über Denkanstöße dazu würde ich mich freuen!

3 comments Write a comment

  1. Patrick Breitenbach

    Wert entsteht vor allem dann, wenn etwas selten wird. Also wir etwas vermissen. Genau das könnte in Zukunft ein Problem sein. Nämlich wenn es bereits zu spät ist erst zu merken, dass was fehlt.

  2. Pingback: Spiekerooger Klimagespräche: Ein kleines Fazit | Karlshochschule International University

  3. Prof. Dr. Lutz Becker

    Hallo Patrick, ja, das wurde sinngemäß auch diskutiert. Das Risiko ist, dass uns der große Knall dann doch völlig unvorbereitet trifft. Jeder weiß, dass es passieren kann, und dass es wahrscheinlich passieren wird (solange es uns nicht gelingt, rechtzeitig gegenzusteuern, was ich bezweifle) – aber wann und wie plötzlich wir auf geliebte Gewohnheiten (wenn’s doch nur die wären!) verzichten müssen, das weiß keiner. Komplexe Systeme haben da ihre Eigenheiten….

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