re:publica Rückschau: Mehr machen als nur machen

Machen ist gut! Kollaborieren ist noch besser! Ein Flauschrant.

rp14

Auch in diesem Jahr auf der re:publica gab Sascha Lobo der Netzgemeinde zuverlässig wie “Punxsutawney Phil”, das wetterfühlige Murmeltier, den Trend für das kommende Jahr Internetz aus. Sein Credo lautete: Machen! Seine Bühnenperformance war dabei spürbar vom Frust geprägt. Frust durch die für einen Referenten unsäglichen Powerpointpannen. Aber vor allem Frust durch die derzeitige netzpolitische Großwetterlage in Deutschland, bei dem derzeit ein Tief das andere zu jagen scheint und somit den “Netsummer of Love” von Deutschland erst einmal für laaaange Zeit fern zu halten scheint. Dunkle Zeiten stehen dem Schwerindustriell geprägten Land der Dichter und Denker bevor, deren Königin auf Ewig nun wohl Angela Merkel heißen wird. Statt “Breitband für alle” droht nun die “Drosselung fürs Volk”. Statt freies, offenes, sicheres und vor allem innovatives Internet greift man hierzulande lieber zu branchenkonservierenden Regulationsmonstern, wie dem Leistungsschutzrecht, das diesem Internet (was viele ja mit ein zwei drei Konzernen verwechseln) mal ein wenig Einhalt gebietet. Silicon Valley sieht wirklich anders aus. Kein Wunder also, dass Herr Diekmann als Vertreter des größten deutschen Medienunternehmens schon vor einiger Zeit nach Kalifornien flüchten musste. Brace yourself – New Media Winter is coming! Exclusively to Germany.

Nun gibt es mindestens zwei Möglichkeiten einem solchen Frust zu begegnen. Entweder Kopf in den Sand stecken oder nach vorne rennen und freischlagen. Sascha Lobo hat sich für die letztere Variante entschieden. So heldenreich nun sein Bemühen auch sein mag ein Logo für das Internet zu erschaffen (das Ergebnis ist wirklich gut) oder mit reclaim.fm eine Anleitung zur Modifikation eines WordPress-Plugins zu präsentieren (das Vorhaben ist von der Idee her supertoll), so hinterließ dieser Vortrag bei mir wiederum dann doch eine gewisse frustrierende Leere mit und ohne funktionierender Powerpoint. Ich glaube das liegt schlicht und ergreifend einfach daran, dass ich Sascha Lobo mittlerweile als gefühlten deutschen Internetminister akzeptiert habe – natürlich ganz im positiven Sinn. Man kann von ihm halten was man will – ich für meinen Teil denke, dass er unglaublich intelligent, eloquent und analytisch und kreativ begabt ist. Vielleicht war ich auch deshalb so enttäuscht von dem gefrusteten Vortrag. Um aber nun selbst nicht ebenfalls in einen platten “Rant” zu rutschen und nur rumzujammern, hier einige Wunschgedanken bis zur re:publica 2014:

Ich würde mir wünschen, dass viele Menschen dem Aufruf Sascha Lobos folgen und tatsächlich mehr machen als nur zu jammern. “Machen” bedeutet für mich in diesem Zusammenhang aber auch positiv über andere Macher zu sprechen. Sie also mit Geld, Aufmerksamkeit und sonstigem Notwendigen tat- und ratkräftig zu unterstützen. Die deutsche Podcast-Szene rund um Tim Pritlove und dem Projektnamen “Podvlove” macht das gerade wunderbar vor. Trotz Nischendasein ist dort eine extrem emsige Community entstanden, die nun dabei ist innovative Softwarelösungen für ihren Bereich zu entwickeln. Aus sich heraus. Oder nehmen wir Daniel Bröckerhoff, ein TV-Journalist der neuen Generation, der einfach mal im großen Stil was ausprobiert und mal eben die deutsche Dokumentation auf den Kopf stellen will. Das löst alles jetzt nicht unmittelbar die netzpolitischen Aufgabenstellungen, aber es zeigt meines Erachtens sehr deutlich, dass es eine große Szene von Machern statt Jammeren bereits gibt und dass es unglaublich wichtig ist sich in “Banden” zusammenzuschließen, wie es beispielsweise Markus Beckedahl in unserem Hochschul-Podcast zur Netzneutralität am Ende forderte. Ich wünsche mir auch, dass die Menschen für ihre Themen auch wieder mehr auf die Straße gehen. Online-Protest ist gut und schön, sie kratzt aber nicht im mindesten an der Blase der entscheidenden Politiker. Politiker werden erst dann nervös, wenn mehr als 1000 Leute sich auf der Straße tummeln und die Tagesschau daraus einen Beitrag bastelt. Empörungswellen im Internet sind mittlerweile zu “Shitstorms” verkommen. Sie geschehen tagtäglich hundertfach und haben außer Gestank nicht viel bedrohliches zu bieten – aus Sicht der medialen Wirklichkeitskonstruktion. E-Petition ja, aber eben bitte nicht nur.

Was ich mir am Ende unbedingt von Sascha Lobo im nächsten Jahr wünschen würde ist das Beiseitelegen der ersten Geige und der beherzte Griff zum Dirigentenstab. (Und ich will einfach, dass er im nächsten Jahr im Frack erscheint und seine Gags wieder selber schreibt). Ich wünsche mir jemanden, der die Netzkultur endlich konzertiert zusammenführt. Jemand, der nicht nur der Netzgemeinde sondern auch dem Nichtnetz-Mainstream (deren Botschafter Sascha nun mal ist – er nennt sich selbst ja auch “Netzerklärer”) viele Beispiele aufzeigt, wo es gerade auch wirklich prima läuft und die Aufmerksamkeit und die Wertschätzung dahin lenkt, wo sie gerade gebraucht wird. Jemand, der regelmäßig potenzielle Mitmachangebote vorstellt und somit eher ein gigantisches Dauerkonzert erschafft und anleitet als selbst nur ein- bis zweimal im Jahr eine kleine Melodie auf dem eigenen Instrument zu fideln. Sascha Lobo könnte eine Art John Peel, Sir Peter Ustinov und mindestens Herbert von Karajan der Netzkultur werden. Er würde dadurch am Ende nicht nur unsterblich werden, sondern sogar wesentlich mit dazu beitragen, dass die Netzkultur maßgeblich von ihm medial organisiert und letztlich kuratiert wird. Er würde den Machern den notwendigen Antrieb geben, den sie so dringend gebrauchen können. Denn nicht der Mangel an Ideen oder Machern ist das Problem, sondern die größere Herausforderung liegt meines Erachtens mittlerweile eher in der nachhaltigen Vorantreibung der bestehenden Projekt. Lasst uns doch einfach gemeinsam mal eine neue entdrosselte Telekom bauen. Zum Beispiel als eine Genossenschaft. Lasst uns doch einfach mal einen eigenen digitalen Verlag gründen – ohne Leistungsschutzrechtsgedöns. Ein elektronisches Warenhaus ohne schlechtes Gewissen. Lasst uns die Kommunen, den Landtag und den Bund neu gemeinschaftlich gestalten. Schritt für Schritt. Projekt für Projekt. Blaupause für Blaupause. Das alles geht aber nur mit gemeinsamer Kraft, Aufmerksamkeit und Wertschätzung.

Nach dem “Rant”, dem “Flausch” und dem “Macht mal” würde ich mir für 2014 nun das “Kollaborieren” wünschen. Ich freue mich drauf. Flauschrant Ende.

4 comments Write a comment

  1. Sagen wir mal so: Christoph Kappes und Sascha haben ja auch schon zusammen einen Verlag gegründet, der möglichst “modern” funktionieren soll und sich nicht mit DRM und ähnlichem Gedöns rumschlagen. Was dort passiert, weiß ich noch nicht genau, aus Christoph war letztens nicht allzu viel rauszubekommen, er war sehr kurz angebunden. ;-)

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