Die Fünfte – “Warum die Energiewende überhaupt nicht teuer ist!” – (mit Update)

Lieber Herr Thielmann, meine Antwort auf Ihren letzten Kommentar folgt mit ein paar Tagen Verzug, aber die Prüfungen standen im Weg. Ich denke wir haben in dieser Diskussion allerdings ein wenig aneinander vorbeigeredet.

 

1. Ich teile voll und ganz ihre Einstellung gegenüber der Planlosigkeit dieser Regierung. Es ist ein Stückwerk welches Fehlentwicklungen gefördert hat und konsequent Potenziale auf der Strecke gelassen hat. Die verschiedenen Entlastungen für alle möglichen Unternehmen, sowie die fehlende Motivation und Qualifikation ein neues Strommarktdesign zu erstellen, sind da beste Beispiele. Ein neues Strommarktdesign muss 2014 in Betrieb gehen, denn Ende des Jahres werden die Erneuerbaren 30% unserer elektrischen Versorgung ausgemacht haben! Dann reicht das EEG und das EnWG in deren jetzigen Form nicht mehr aus. Hier müssen, wie Sie richtig beschreiben, die Rahmenbedingungen unbedingt überarbeitet  und für eine Energiewende dieser Geschwindigkeit ausgelegt werden. Neben Speichertechnologien, brauchen wir VIEL mehr Energieeffizienz und Demand Side Management.

 

2. Sicherlich bieten neue Technologien eine Vergrößerung der Reserven, und die USA ist beim Fracking auch ganz vorne dabei und wird die Preise dadurch drücken. Allerdings müssen Sie sich überlegen, wo diese Preise gelten. Denn die USA hat bisher hauptsächlich von Canada konventionelles und auch unkonventionelles Erdgas bekommen. Der Rest kam von Trinidad&Tobago, Egypten und Algerien. Dadurch dass die USA nun selber unkonventionelles Erdgas fördert, werden die Importe aus eben diesen Ländern abnehmen und diese werden sich neue Abnehmer suchen müssen. Das kann zu Preisminderungen führen, wenn Egypten und Algerien, werden versuchen ihr Gas (LNG) wo anders zu verkaufen.

Allerdings exportieren Russland, Norwegen und die Niederlande, von denen wir hauptsächlich Gas beziehen, vorwiegend nach Europa. Gas aus Algerien (solange neue Pipelines (MEDGAS) nicht gebaut), Egypten oder (sobald Selbstversorgung erreicht) auch aus den USA, kann nur durch LNG-Infrastruktur diesen Markt erreichen. Diese Infrastruktur gibt es in Europa aber noch nicht ausreichend, geschweige denn in Deutschland. Das bedeutet, dass auf Abnehmerseite Kosten von ca. 1 Mrd. Euro pro Vergasungsanlage auf die Gaspreise umgeschlagen werden müssen, zusätzlich zu den schon höheren Gaspreisen durch teure Investitionen in Verflüssigungsanlagen (3-5 Mrd. €)und LNG-Tanker (je 150-250 000 €) auf Anbieterseite. Zudem würde ein Umschwung auf Gas zusätzlich bedeuten, dass Gaskraftwerke gebaut werden müssten, am besten noch GuD-Kraftwerke, und somit kurz- bis mittelfristig weitere Milliarden Euro. Eine rosige Zeit für Investoren, eine schwarze für Einzelhandel und die Bevölkerung.

 

3. Wir haben außerdem ein wenig aneinander vorbeigeredet. Ich habe mich in meiner eingehenden Analyse auf den deutschen, höchstens den europäischen Mark konzentriert. Eine Verallgemeinerung bzw. ein Vergleich mit anderen Märkte ist in einer Branche, die so ortabhängig ist, nicht möglich! Zudem habe ich ausdrücklich von externen Kosten geredet. Wir beziehen diese zwar nicht ein, aber für mich ist es trotzdem ein Kostenfaktor. Wir zahlen diese zwar nicht über den Strom- oder Gaspreis, aber sehr wohl über Steuern. Also ein berechtigter Einwand, wenn man über Fracking und dessen wohlbekannte Schäden spricht.

 

4. Wir dürfen nicht vergessen, dass diese Technologie (Fracking), in den USA zwar angewandt wird, aber in einigen Städten bereits wieder verboten wird. Die Zahl wird rasant steigen, wenn es weiterhin zur Verseuchung des Trinkwassers kommt (man kann dieses sogar anzünden). Genauso ist es nämlich in Europa, Frankreich und Bulgarien haben Fracking verboten, Deutschland rät den Bundesländern die Sache ganz genau unter die Lupe zu nehmen, Irland und Holland stehen vor einem Verbot/Moratorium oder haben Genehmigungen zurückgezogen.

 

5. Die Energiewende ist kein Projekt einer Regierung sondern ein demokratischer, unaufhaltbarer Prozess. Viele Menschen haben begriffen, wie unglaublich wichtig es ist, unsere Energieversorgung umzustellen und arbeiten tagtäglich daran. Deswegen kann man auch nicht sagen, dass wir da Tempo rausnehmen müssen und die Rahmenbedingungen planen müssen. Die ersten Jahre hat es die Regierung sicherlich überrascht, aber mittlerweile steigen die Erzeugungskapazitäten seit 5 Jahren rasant an. Genug Zeit, um die Politik umzustellen. Dies wurde nicht gemacht, weil nicht gewollt, weil zu viele Verstrickungen in die Wirtschaft, welche nur auf kurzfristige Profite aus ist. Dem sollten Sie durch Ihren beruflichen Hintergrund nur zustimmen können. Daher muss nun diese Regierung, mir lieber eine andere, die Entwicklungen aufgreifen und die Weichen so stellen, dass wir von diesem Elan profitieren. Speichertechnologien, Strommarktdesign, Demand Side Management und Energieeffizienz sind Projekte, die sofort umgesetzt werden können, und die einen kostspieligen und langwierigen Netzsausbau überflüssig machen würden.
Die Power-To-Gas-Technologie, kann in 2-3 Jahren Marktreife erreichen. Kapazitätmärkte können schon 2014 eingerichtet werden (Bau von Gaskraftwerken geht auch in 9 Monaten, ein BHKW-Zusammenschluss sowieso). Demand Side Management braucht nur Subventionen in die Bereitstellung der Technik und der Anfangsfinanzierung von Dienstleistungen. Energieeffizienz braucht nur mehr Informationen (5 min. täglich vor der Tagesschau) und ein besseres Finanzierungsmodell (Contracting?)…

Sicherlich, Sie haben vollkommen recht, wenn Sie sagen, dass dafür hohe Summen gezahlt werden müssen. Aus meiner selbstständigen Tätigkeit als Energieberater, kann ich Ihnen aber sagen, dass meine Kunden eine durchschnittliche Rendite von 50% auf ihre Investition erhalten, mein letzter Kunde sogar 100%! Das ist alles Geld, was nicht mehr in unnötige Wirtschaftskreisläufe und Rachen von Oligarchen gepumpt werden muss. Nimmt man also die externen Kosten, die Infrastrukturkosten für eine moderene Nutzung und die Kostensteigerungen einer fossilen Energieversorgung, und rechnet sie gegen die Investitionen in solch ein nachhaltiges System, sind sie ein absoluter Klacks! Das zeigt nicht zuletzt die Höhe der Subvention für die verschiedenen Energieträger. Mit der gleichen Summe, wie für die fossilen Energien ausgegeben wurden, wäre unserer gesamter Bedarf durch Erneuerbare zu decken!

 

Wie Sie sehen, es ginge, wenn es gewollt wäre. Aufgehalten werden kann diese Bewegung (und das meine ich mit international vorbildlich), auf jeden Fall nicht mehr!

 

 

 

3 comments Write a comment

  1. Karl-Heinz Thielmann

    Ich finde es schön, dass wir uns jetzt zumindest in Hinblick
    auf die Beurteilung der aktuellen Energiepolitik einig sind. Was die Gaspreise
    angeht, wird man erst in 2-3 Jahren sehen, wo wir stehen, da, wie sie richtig bemerken,
    in den USA erst eine kostspielige Infrastruktur für Gasexporte geschaffen
    werden muss. Allerdings würde ich mich schon sehr wundern, wenn sich ein signifikant
    erhöhtes Weltmarktangebot in ein paar Jahren nicht auch auf die Preise hierzulande
    auswirken sollte.

    Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass einiges in Bewegung
    gekommen ist bei der Entwicklung neuer Technologien in Hinblick auf die Nutzung
    regenerativer Energien. Hier ist man noch längst nicht an einem Endpunkt
    angekommen, was Anlass zur Hoffnung gibt. Dies gilt aber auch für Technologien wie
    Fracking, bei denen man auch aus den Anfängerfehlern lernen wird und muss. Hier
    möchte ich nur auf den Artikel von Dirk Asendorf in „Die Zeit“ vom 10. Januar 13
    („Verteufelt das Fracking nicht!“) verweisen, der versucht, sich mit den Themen
    Fracking und Energiewende differenziert auseinander zu setzten.

     

  2. Ich stimme Ihnen zu, man sollte neue Technologien im Anfangsstadium nicht verteufeln. Allerdings ist eine sorgfältige Grundlagenforschung und Pilotprojekte wichtig für eine nachhaltige Entwicklung. Und nicht die Profitgeilheit der Unternehmen. Das was in der USA abgeht, aber auch in Deutschland zumindest im Marketing versucht wurde (ExxonMobiles Propaganda), ist unglaublich und schreit nur nach einem sofortigen Lizensentzug! Da geht man einfach ohne Skrupel vor! Vielen Dank für diese spannende Diskussion, und hoffen wir, dass wir einige Menschen für das faszinierende Thema begeistern konnten :)   

  3. Pingback: Das Schuldenkarusell, Investitionsblasen und Fracking | Karlshochschule International University

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