Antwort auf die Replik zu “Warum die Energiewende überhaupt nicht teuer ist!”

Antwort auf die Replik von Herrn Thielmann vom 23.12.2012

Ich freue mich sehr über die Diskussionskultur an der Karlshochschule und diese Replik, vielen Dank Herr Thielmann. Allerdings muss ich sagen, dass obwohl Sie mit dem zweiten Teil Ihrer Ausführung durchaus Recht haben, ich dem ersten Teil überhaupt nicht zustimmen kann. Die Preisentwicklungen bei Energierohstoffen sind zwar sehr komplex und von vielen Faktoren abhängig, allerdings denke ich, dass die wichtigsten dieser nicht berücksichtigt wurden. Die Kosten für fossile Rohstoffe werden für uns in Deutschland auf jeden Fall weiterhin kräftig steigen. Hierbei ist zu erwähnen, dass dies nicht nur der Knappheit der Reserven bedingt ist, sondern auch durch andere, vor allem politische Entwicklungen, verursacht werden wird.

 

Knappheit fossiler Energierohstoffe

Ihre Einschätzung über die Reserven kann ich nicht teilen. Diese liegen laut BGR (2011) für Gas bei ca. 50 Jahren und für Kohle bei ca. 130 Jahren (gerechnet nach R/P-ratio (Reserven/Produktion)). Die von Ihnen angegebenen Zahlen können nur dann erreicht werden, wenn man zusätzliche Ressourcen erschließen kann. (Der Unterschied zwischen Reserven und Ressourcen liegt in deren sicheren Auffindung und deren wirtschaftlichen und technologischen Förderbarkeit. Ressourcen sind oftmals geschätzt und bisher nicht wirtschaftlich oder technologisch erreichbar (Erdöl unter dem Eis der Arktis)). Auch wenn sicherlich einiges dazukommen wird, kann man diese Erschließung nicht einfach so voraussagen. Die Erschließung wird außerdem nur durch ein höheres Preislevel oder günstigere Technologien bzw. Rahmenbedingungen ermöglicht. Wo man dann wieder bei der Diskussion um sozio-ökologische Kosten ist, die man in unserer heutigen Ökonomie zwar natürlich nicht miteinberechnen darf, aber unbedingt sollte!

 

Marktkonzentration der Versorgungsländer

Zusätzlich dürfen Sie aber auch nicht vergessen, dass die bisherige Energieproduktivität (Primärenergieverbrauch/Bruttoinlandsprodukt (BIP)) sicherlich weltweit kontinuierlich verbessert werden wird, wir allerdings sehr viele Regionen mit starkem Wirtschaftswachstum und somit auch Energieverbrauch haben werden. Dazu gehören vor allem auch erdgasfördernde Länder wie die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten welche die viertgrößte Reserve der Welt darstellen und mit durchschnittlich knapp 5% im Jahr wachsen. Hierbei entwickelt sich vor allem Turkmenistan sehr rasch, das Land, welches in Zukunft deutlich mehr Gas nach China exportieren wird , als nach Europa. China, ein weiteres Land mit sehr starkem Wachstum. Außerdem werden sich vor allem die Regionen in süd-ost Asien genauso wie die in Südamerika weiterhin entwickeln. All diese Länder werden das oftmals selbstproduzierte Gas brauchen, um ihre Energieversorgung auszubauen. Somit muss gesagt sein, dass die Reserven aus dem heutigen Standpunkt zwar abundant aussehen, sie aber schneller zusammenschmelzen werden, als Jahre vergehen. So wird laut BP Energy Outlook 2030 prognostiziert das der Erdgasverbrauch jährlich um 2,1% steigen wird und daher bis 2030 um 45% steigen wird. Vor allem die deutsche Versorgung wird in diesem Jahr dann komplett anders aussehen. Denn die bisherigen stabilen Importländer, Niederlande, Norwegen und Großbritannien, werden wegfallen und die einzigen Versorgungsquellen werden dann Russland und einige östliche Staaten des GUS sein (falls Nabuco tatsächlich realisiert wird). Die einzige Möglichkeit diesem zu entgehen, wird die Liquified Natural Gas (LNG) Technologie sein. Dadurch kann man sich der Monopolmacht Russlands entziehen und Gas aus aller Welt einkaufen. Allerdings benötigt diese eine hohe Infrastrukturinvestition und Transportkosten, welche sich dann im Preis wiederspiegeln werden.

Genauso wie beim Gas sieht es übrigens auch bei der Kohle aus, die bis 2025 um 25% mehr konsumiert werden wird und welche die fördernden und rasch wachsenden Länder (China, Russland, Südafrika) zunehmend selber verbrauchen werden. Außerdem betragen die Transportkosten heute schon bis zu 50%. Diese werden in Zukunft absolut noch mehr betragen, wenn die Kraftstoffe (Schiffdiesel) noch mehr kosten werden.

In Anbetracht dessen, muss bei einer Preisprognose berücksichtigt werden, dass die voranschreitende Marktkonzentration einen großen Druck auf den Preis ausüben wird. Wie in meinem ersten Beitrag geschrieben wird es nicht mehr darum gehen, wie der Markt den Preis bestimmt, sondern wer diese Rohstoffe hat und wer eben nicht. Im Energiemarkt kann man den Kapitalismus sehr gut beobachten, und erkennen, wie dieses Wirtschaftsmodell einige Wenige bereichert und dazu bewegt andere zu unterdrücken. Dies kann in den nächsten Jahren deutlich zunehmen und somit die Kosten für diese Rohstoffe in die Höhe treiben. Schon heute haben wir laut EU Kommission eine Importabhängigkeit von 61% beim Gas und 37% bei der Kohle (2010), dieser soll sich bis 2030 bei Gas auf 81% und bei Kohle auf 67% verschärfen. Importe sind immer teurer als eigene Wertschöpfung, vor allem im volkswirtschaftlichen Sinne (Jobs, Einkommen, geringere Inflationsgefahr).

 

Ölpreisbindung

Diese ersten Faktoren zeigen schon deutlich, warum die Preise durch Knappheit steigen werden. Ich meinte aber anfangs auch, dass andere Faktoren eine Rolle spielen. Dabei denke ich vor allem an zwei wichtige Dinge, die Sie nicht genannt haben. Zum ersten ist der Gaspreis an den Ölpreis gekoppelt. Die Preisentwicklung folgt also sowohl der Knappheit beim Rohöl (R/P-ratio: 54 Jahre) als auch dessen Aussetzung geopolitischer Unsicherheiten. Diese Kopplung ist grundlegend für die Prognose zukünftiger Preise, denn sowohl die Knappheit, als auch die Kostenentwicklungen in der Aufsuchung, Förderung und Transportation wird den Gaspreis stark steigen lassen. Man vergesse nicht, dass der Preis für Rohöl der Sorte Brent in den letzten 4 Jahren um 40% gestiegen ist. Die daraus Preis- und Versorgungsunsicherheit muss von Unternehmen und Regierungen durch Future-Verträge abgesichert werden (auch wenn Gas meistens in langfristigen Verträgen verkauft wird), welche Kosten auf die Preise aufgeschlagen werden müssen.

 

CO2-Zertifikate

Zudem darf man nicht vergessen, dass ab 2013 die CO2-Zertifikate auch für Energieversorger kostenpflichtig werden und die Kosten auch in der angekündeten Preiserhöhung inbegriffen sind. Die zunehmende Verknappung und somit Verteuerung (die bei den heutigen sehr niedrigen Preisen auch stärker forciert werden wird, als geplant) wird in Zukunft die Preise weiter anheizen. Ein kleiner, aber sehr wichtiger Fakt.

 

Umwelt- und Arbeitsstandards

Last but not least, ist auch noch zu sagen, dass die Umwelt- und Arbeitsstandards in den Förderländern zunehmen werden und werden müssen und dadurch die Kosten erhöhen. Bestes Beispiel dafür sind die öffentlichen Proteste gegen die Kohleförderung in Kolumbien und auch die öffentliche Ablehnung von Ölsand- und Ölschieferförderung in Nordamerika.

 

Strommarktdesign

Zu dem zweiten Teil Ihres Artikels möchte ich in dieser Form nicht drauf eingehen, denn das würde sonst eins ehr langer Beitrag werden. Nur die Kritik über den essentiellen Baustein der Speichertechnologien möchte ich nicht so stehen lassen. Deswegen sei gesagt, dass das bisherige Strommarktdesign für eine durchgehende Erzeugung ausgelegt war. Die Forschung nach Speichertechnologien war deswegen nicht nötig und auch überhaupt nicht wirtschaftlich möglich. Die Entwicklungen der Erneuerbaren Energien und die dadurch erzwungene neue Marktordnung hat die Forschung angekurbelt und die heutigen Anstrengungen zeigen riesengroße Innovationssprünge. Ein neues Strommarktdesign wird allerdings nötig sein, um letztendlich Speichertechnologien den Sprung aus dem Forschungsstadium zu ermöglichen. In den nächsten Tagen werde ich dazu meine Studienarbeit (Power-to-Gas-Technologie) publizieren. Wenn mir meine Professorin das erlaubt :D

Über eine Antwort von Ihnen und Diskussionsanregungen von allen anderen würde ich mich freuen.

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