Warum die Energiewende überhaupt nicht teuer ist!

Worum geht es in diesem Artikel? Die Energiekonzerne und die Regierung erzählt uns dass die Energiewende teuer wird und dass man sich gegebenenfalls noch mal überlegen sollte wie wir sie angehen. Dass diese aber bereits voll im Gange ist, ihre Vorteile liefert und die wahren Kostenpunkte wo ganz anders liegen, wird verschwiegen. Dieser Beitrag soll ein wenig Licht in die verwirrte und verwirrende Energiepolitik und Berichterstattung bringen!

Solar – Totgesagte leben länger

Für viele Jahre war die Solarenergie in Deutschland nur durch die Einspeisevergütungen des EEGs rentabel, viele hielten diese Art der Stromerzeugung für utopisch und Spielereien. Allerdings hat diese Einspeisevergütung dazu geführt, dass die Preise für Photovoltaikanlagen drastisch gesunken sind. Die Einspeisevergütung, die wir alle gleichermaßen bezahlt haben, war somit auch ein Programm zur Förderung einer Technik, die nun die Demokratisierung und Individualisierung der Stromversorgung ermöglicht. Der Preisverfall ist beachtlich und betrug allein in diesem Jahr (Januar bis Oktober) über 22% für deutsche Kristallin-Module. Im Vergleich zum Januar 2011 sind die Module sogar 48,5% günstiger zu haben, nur noch 830 Euro kostet der Kilowatt an Leistung (peak). Asiatische Module sind sogar für 570 Euro/kWp zu haben (allerdings nur mit dem Beigeschmack von Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzung in der Produktion).1 Diese geringen Kosten machen Solarstrom vom Dach immer attraktiver. 2 Rechnet man die Investitionskosten auf die Kilowattstunde runter, dann kostet diese nur noch 15 Eurocent (2020 7-8 Eurocent), was deutlich günstiger ist, als die 25 Eurocent, die man als Endverbraucher momentan durchschnittlich zahlt. Und auch für die Industrie werden die Kosten spätestens in zwei Jahren auf jeden Fall so sehr gesunken sein, dass sich der Eigenverbrauch besonders lohnt. Unternehmen können ihre Produktion und Preise dadurch von den Entwicklungen an der Strombörse entkoppeln.

Und auch bei der Einspeisung ins Netz haben die Photovoltaikanlage Vorteile, denn diese liefern den günstigen Strom vor allem in den Mittagsstunden, wenn die Nachfrage besonders hoch ist und senken somit die früheren Spitzenlastpreise an der Strombörse. Da bei einer installierten Leistung von 31GW 3 an Solarstrom (Konventionelle ca. 100GW) dabei allerdings Überkapazitäten entstehen können, fordern Experten immer mehr den Ausbau von Energiespeichern und einem intelligenten Strommanagement (Verbrauchverschiebungen), um das Potenzial der Sonne besser nutzen zu können. Wenn Deutschland seine gesamte Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien bewerkstelligen möchte, dann braucht es Speicher, die eine Überproduktion von 80-90 GW aufnehmen können 4. Hier bietet sich zum Beispiel die Umwandlung von Strom in Gas 5, welches gut gespeichert werden kann, an.

Ein weiterer Faktor, der häufig vergessen wird, ist der, dass eine Investition in Photovoltaik (aber auch Windkraft) geringe Betriebskosten mit sich zieht, welche über die ganze Lebensdauer der Anlage konstant bleiben, während konventionelle Kraftwerke den Preisentwicklungen für Brennstoffkosten, welche bekanntermaßen ständig steigen, ausgesetzt sind. Und tatsächlich haben uns die Erneuerbaren Energien dieses Jahr Importkosten von 6 Milliarden Euro einsparen lassen. 6 Geld, welches im Land geblieben ist und kommunale Wertschöpfung gefördert hat, statt in teilweise undemokratischen Staaten das System weiterhin mit Kapital zu versorgen.

Aber nicht nur die Herstellung des Stroms hat für uns viele Vorteile, auch die Produktion der dafür nötigen Technik bringt viel Wertschöpfung nach Deutschland. Die weltweite Herstellung von Photovotaikmodulen soll sich in den nächsten 4 Jahren mehr als verdoppeln (von 31GW auf 69GW) 7, denn immer mehr Länder machen sich die gesunkenen Kosten der Photolvoltaik zum Vorteil und stellen ihre Stromproduktion um. Deutschland, welches sehr viele Module, aber auch die Maschinen zur Herstellung dieser, produziert, wird von diesem Boom profitieren.

Problem! – Wo ist das Problem?

Ich habe nun die Erfolgsgeschichte nur einer der Erneuerbaren Energien erzählt, kann Ihnen aber versichern, bei den anderen sieht es nicht schlechter aus. Und trotzdem wird in Deutschland ein offener Kampf ausgetragen, der die Energiewende als Täter für ein Vergehen darstellt, welches sie nie begangen hat. Es wird von unzumutbaren Kosten gesprochen, davon, dass die Weichen für eine Energiewende komplett falsch lägen und die Entscheidung aus der Kernkraft auszusteigen, viel zu voreilig getroffen wurde. Nicht nur der Springer-Verlag mischt dabei kräftig mit, sondern auch viele andere Medien und vor allem die EEG-Umlagenerhöhung hat diese Diskussion angefeuert. Ich kann beruhigen, all dies stimmt nicht. Sehen Sie warum:

Preiswahrheit – Eine schmerzhafte Wahrheit

Wenn man auf seine Rechnung schaut, dann denkt man meistens, dass man dort den Preis für das sieht, was man gekauft hat. Also einfach gesagt, die Kosten, die die Produktion hervorgerufen haben zuzüglich eines Profits für den Verkäufer. So einfach ist die Marktwirtschaft heutzutage allerdings nicht mehr. Denn immer öfters wird vergessen, die externen Kosten 8 mit einzurechnen, diese werden dann teilweise durch Steuern ausgeglichen. Genau das haben über die letzten Jahrzehnte auch die Energieversorger gemacht. Seit 1970 haben die deutschen Steuerzahler 187 Milliarden Euro für die Subventionierung der Stromgewinnung aus Kernkraft, 177 Milliarden Euro für die Stromgewinnung aus Steinkohle und 65 Milliarden Euro für die Stromgewinnung aus Braunkohle gezahlt (von den Fördermitteln für den Wärmemarkt ganz zu schweigen). Gleichzeitig erhielten die Erneuerbaren nur 54 Milliarden an Unterstützung. Diese allerdings größtenteils nicht in Form einer Subvention, sondern einer transparenten Umlage, die (fast) gleichermaßen von jedem getragen wurde. 9 Außerdem machen die Erneuerbaren, die erst seit ca. 15 Jahren gefördert werden, bereits 25% der Stromversorgung aus 10. Würde man diesen Wert auf die gesamte Förderung der konventionellen hochrechnen, würde man knappe 200% an regenerativem Strom erreichen. Die Entstehungskosten für Strom (kWh) wurden somit durchschnittlich wie folgt “verbilligt”: Erneuerbare 3,4 Eurocent, Braunkohle 1,3 Eurocent, Steinkohle 3,3 Eurocent, Atomenergie 4,0 Eurocent. 11 Die Strombörse, aber auch die durchsetzung der Erneuerbaren hätte ohne diese Subventionen deutlich anders ausgesehen.

Dies ist allerdings nur ein Teil der Rechnung. Denn noch immer werden externe Kosten nicht voll eingepreist. Denn während die Erneuerbaren praktisch keine Folgekosten erzeugen, liegen die Entsorgungskosten für radioaktiven Abfall in unkalkulierbarer Milliardenhöhe. Außerdem heizt Kohle, Gas und Öl das Klima auf, und führt zu hunderten von Milliarden an Gesundheitskosten, Kosten für Kriege um Öl, Klimaschäden, Umweltschäden und Schäden durch nukleare Verstrahlung (auch die Kohle-, Gas- und Ölförderung ist radioaktiv belastet). Insgesamt liegt auf konventionellen Energien eine versteckte Umlage von 10,2 Eurocent pro Kilowattstunde bei dem heutigen Strommix. Kosten, die nirgendwo auf der Stromrechnung auftauchen. Preiswahrheit weit gefehlt.

(Die Photovoltaik ist hier übrigens noch so teuer, weil die versprochenen Einspeisevergütungen von den älteren Anlagen noch abgetragen werden müssen.)

Weiterhin befürchten Rohstoffexperten, dass die Kosten für fossile Brennstoffe (und auch für Uran) in den nächsten Jahren noch stärker ansteigen werden, vor allem, wenn die BRIC-Staaten und andere Entwicklungsländer ihren Energieverbrauch auf unsere Level anheben werden. Die Erneuerbaren retten somit unsere Zukunft, denn Geld wird eines Tages keine große Rolle mehr spielen, sondern eher wer den Rohstoff besitzt und ihn nutzen kann und wer eben nicht. Und wie vorhin schon gesagt, hat Deutschland 2011 über 6 Milliarden Euro im Land gehalten. Das Potenzial Energierohstoffimporte durch lokale Wertschöpfung zu ersetzen ist allerdings noch sehr groß. 2012 werden voraussichtlich über 90 Milliarden Euro für solche Importe ausgegeben, 3,5% der Wirtschaftsleistung. 12

Jeder zahlt gleich viel! – Von wegen

Im Oktober haben die Übertragungsnetzbetreiber die EEG-Umlage für 2013 festgelegt. Sie stieg von 3,53 Eurocent/kWh auf 5,28 Eurocent/kWh und somit um knappe 50%. Ein mittlerer Haushalt zahlt dadurch 60€ mehr pro Jahr, insgesamt sind es sogar 100% mehr Stromkosten als zur Jahrtausendwende. 13 Dabei setzte sich der Strompreis 2012 wie folgt zusammen:

(Transportkosten in Form von Netzentgelten machen dabei ca. 20% aus)

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Bei der Industrie sieht diese Zusammensetzung je nach Abnahmemenge anders aus. Großverbraucher werden zum größten Teil von der EEG-Umlage und von der Stromsteuer befreit, verrechnen die Mehrwertsteuer und zahlen kaum etwas für Netzentgelte und Konzessionsabgaben. Durch diese Entlastung zahlen Großverbraucher nur ca. 30-40% der durchschnittlichen Preise, die Kosten lösen sich aber deswegen nicht in Luft auf, sondern müssen auf andere Schultern übertragen werden.

Tatsächlich ist die EEG-Umlagenbefreiung 2011 von 813 Unternehmen beantragt worden, welche die Grenze von 10 GWh überschritten hatten. 2012 wurde diese Grenze auf 1 GWh abgesenkt und prompt haben sich über 2023 Unternehmen gemeldet, die gerne befreit werden würden. Man hört sogar Geschichten von Unternehmen, die ihre Maschinen zusätzlich laufen lassen, um noch die Grenzen zu überschreiten. Die Umlagenbefreiung-Erhöhung von 21% gegenüber dem Vorjahr macht sich deutlich, 1,29 Eurocent werden 2013 nicht die Erneuerbaren fördern, sondern die Profite der befreiten Unternehmen. Der Mittelstand, der diese Befreiungen nicht in Anspruch nehmen kann, leidet und muss seine Preise erhöhen. Wir zahlen also doppelt, einmal auf der Stromrechnung und noch einmal an der Käsetheke.

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Dabei sei gesagt, dass es für einige Unternehmen durchaus notwendig ist, diese Vergünstigungen zu bekommen, um am Standort Deutschland zu bleiben. Die Papier-, Zement- und Aluminiumindustrie sind im internationalen Wettkampf andernfalls nicht konkurrenzfähig. Allerdings, sind Ausnahmen für andere Unternehmen, wie allerhand Verkehrsbetriebe (Freiburg, Stuttgart, Karlsruhe, Berlin), Wurst- und Milchhersteller oder gar Alkopophersteller nicht wirklich verständlich. Vor allem dann nicht, wenn man betrachtet, dass man in der Europäischen Union einen gemeinsamen Markt hat und anstrebt, und der Konkurrenzkampf nicht so einfach verbogen werden sollte. Der Höhepunkt ist dann erreicht, wenn in Cottbus der Braunkohletagebau von Vattenfall befreit wird. Braunkohle ist ein sehr günstiger (ohne externe Kosten natürlich), nationaler Energierohstoff, der auch national verwertet wird. Internationale Konkurrenz ist da nicht direkt ersichtlich.

Die befreiten energieintensiven Unternehmen verbrauchen 18% des Stroms und zahlen nur 0,3% der EEG-Umlage. 16 Die Bundesregierung und die Unternehmen selber, rechtfertigen dies immer wieder dadurch, dass Arbeitsplätze gesichert werden würden, allen voran das Sprachrohr der Industrie, die “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft”. 17 Wenn man dann aber mal schaut, was für einen Anteil die 850 000 Arbeitsplätze 18 dieser Unternehmen an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen in Deutschland hat, dann wird einem klar, dass es sich hier um Lobbyarbeit handelt. Bei 41,5 Millionen Erwerbstätigen 19 machen diese nämlich nur 2% aus.

Unterm Strich hat diese Vergünstigung den anderen Kunden 2011 3,7 Milliarden Euro und 2012 weit über 4 Milliarden Euro gekostet. Bei einem jährlichen Außenhandelsüberschuss von 170 Milliarden Euro, 20 mag den einen und anderen diese Förderung der deutschen, (vielleicht auch schädlichen) Exportkultur gefreut haben, als er die Lohntüte geöffnet hat. Die breite Masse wird sich allerdings über die erhöhten Stromkosten und die Verzerrung der Wirtschaft geärgert haben.

Jeder zahlt gleich viel? – Die Zweite

Das die Zusammensetzung des Strompreises vielfältig ist, habe ich schon weiter oben gezeigt. Allerdings befinden sich in den Blöcken verteilt viele einzelne Kostenstellen, von denen viele nichts wissen. Und diese Kosten werden natürlich nicht, wie sollte es auch anders sein, von allen gleichmäßig getragen. Im Folgenden zeige ich weitere Entlastungen 21 22. Fast in gleicher Höhe wurden stromintensive und produzierende Unternehmen von der Energie- und Stromsteuer befreit. 2011 und 2012 wurden so 4,4 Milliarden Euro auf die Schultern der Steuerzahler umgewälzt, denn die Einnahmen stabilisieren und unterstützen die Rentenversicherung.

Auch von den Netzentgelten wurden viele Unternehmen befreit, 2011 für 300 Millionen Euro, 2012 für 440 Millionen Euro und 2013 werden ganze 805 Millionen € auf die restlichen Kunden umgelegt werden müssen. Nach anderen Rechnungen (Bundesnetzagentur 23 ) könnte diese Förderung der deutschen Wirtschaft aber auch auf 1,1 Milliarden Euro für 2012 anwachsen, was durchaus nicht gut kommt. Viele Unternehmen und Verbände klagen schon dagegen. Dabei sind vor allem die Netzentgelte neben dem eigentlichen EEG ein wichtiger Kostenpunkt für die Energiewende. Wie dringend Unternehmen das nötig haben, zeigt ein Blick auf die nackten Zahlen. Bei einem Konzerngewinn nach Steuern in 2011 von 2,8 Milliarden, hat sich die Allianz AG einen Netzrabatt von 794 000 Euro eingeholt. Hätte das Unternehmen seine Verantwortung für die gemeinschaftliche Entwicklung und das Zusammenleben in Deutschland wahrgenommen, wären von dem Konzerngewinn 0,00028% verloren gegangen. 24 C&A, Aldi, Sparkassen, Golfclubs, Autohäuser und selbst religiöse Institute schließen sich dem gerne an.

Ab Januar 2013 wird es dann wohl auch eine Entschädigungsumlage von bis zu 0,25 Cent/kWh geben, um die Netzbetreiber von der finanziellen Verantwortung der verspäteten Netzanschlüsse zu befreien. 25 Dies hat der Bundestag mit Stimmen der Union und der FDP beschlossen 26 und wird hoffentlich im Bundesrat (14. Dezember) gestoppt. Andernfalls werden, in diesem Fall die Übertragungsnetzbetriebe, und vor allem das gebeutelte Unternehmen Tennet, 27 von Kosten in der Höhe von ca. 1 Milliarde € befreit, sie haften nur noch bis zu 110 Millionen pro Jahr. Zwar dient diese Regelung der Investitionssicherheit für Off-Shore Windkraft, jedoch macht sie diese umso teurer und spiegelt eine verquere Politik dar, denn während man sich beschwert, die Energiewende wäre zu teuer, führt man diese Umlage ein, die das eigentliche Problem eines schnelleren und besser koordiniertem Netzausbaus kaschieren soll.

Und auch bei der KWK-Umlage wird der einfache Bürger und Kleinunternehmen mehr zahlen, als große, stromintensive Unternehmen. So sollen 2013 0,126 Eurocent/kWh auf einem Jahres- verbrauch bis 100 000kWh und 0,06 Eurocent/kWh bei einem Jahresverbrauch von mehr als 100 000kWh entfallen. Handelt es sich aber um ein stromintensives Unternehmen (Stromkosten mehr als 4% des Umsatzes), dann wird die Umlage auf nur 0,025 Eurocent/kWh abgesenkt. 28

Insgesamt kamen so 2011 rund 9 Milliarden Euro und kommen 2012 und in Zukunft deutlich mehr als 10 Milliarden Euro zusammen, die durch die Gesellschaft aufgefangen müssen. Die administrativen Kosten, sowie der Schaden, durch die Marktverzerrung, mal außen vor gelassen! Vor allem die FDP sollte sich dabei nicht wundern, warum sie in Umfragen unter die 5%-Hürde abgerutscht ist, während sie Teil einer Regierung ist, die den Markt verzerrt. Anders lassen sich die stark unterschiedlichen Stromkosten für Unternehmen in Deutschland, aber auch die Vergünstigungen im europäischen Kontext interpretieren. Die profitierenden Unternehmen genießen dabei eine kostenlose Investition in die Zukunft, in der sie, wie sich schon heute mit fallenden Börsenstrompreisen ankündigt, kaum mehr was für Energie zahlen müssen.

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Und erst gestern beschloss das Bundeskabinett 30 energieintensive Unternehmen auch noch jährlich 350-500 Millionen Euro zum Ausgleich von emissionshandelsbedingten Strompreiserhöhungen zu gönnen. 31 Diese Kosten entstehen dadurch, dass ab 2013 die Industrie für ihren CO2-Ausstoß CO2-Rechte kaufen muss (bisher wurde ein Großteil dieser frei verteilt und wer mehr brauchte musste diese dazukaufen). Hierdurch soll wirtschaftlich angeregt werden, dass die Industrie in Effizienz investiert. Diesen Reiz nimmt man den energieintensiven Unternehmen nun und die Kosten müssen natürlich wieder die anderen Tragen.

Das EEG – Ein Konstruktionsfehler?

Das EEG ist eines der Gesetze, die wir am besten hinbekommen haben, andernfalls hätten nicht über 60 andere Ländern übernommen. 32 Manch andere sehen das nicht so, vor allem aus den Reihen der FDP wird nach einem komplett neuen Modell, einem Quotenmodell, geschrien. Allerdings denke ich, dass wir mit dem EEG das richtige Gesetz haben, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien so zu unterstützen, dass die uns eines Tages allen etwas bringen wird. Schon in wenigen Jahren werden die Energiepreise nachhaltig sinken und die lokale Wirtschaft tatkräftig unterstützen.

Die Abschaffung der EEG-Umlage wäre das vollkommen falsche Signal an die Märkte, eine Überarbeitung allerdings nicht. Denn das EEG ermöglicht eine kostengünstige und sichere Planungsatmosphäre, um die Technologien in dem hart umkämpften Energiemarkt zu verbessern und zur Marktreife zu bringen. Das ist keine sinnlose Investition, sondern eine Investition in die Zukunft. Das beste Beispiel liefert dabei, wie eingangs beschrieben, die Solarenergie, die durch die hohe Förderung, die Kosten drastisch senken konnte und die Effizienz steigern konnte. 33 Allerdings stimmt es, dass die Erneuerbaren Energien recht unzuverlässige Energiequellen sind, denn was machen wir, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint? Hier muss das EEG ansetzen und nicht nur noch die Förderung des Anteils an EE als Ziel haben, sondern auch deren Anpassung an den Lastgang (Profil der Stromnutzung). Hierfür braucht es Förderungen für Speichersysteme und für die Lastverschiebung durch Smart Grid- und Smart Home-Systeme sowie einen europäischen Energieverbund, um unterschiedliche Lastgänge untereinander abzusichern.

Außerdem wird es eine Lösung dafür geben müssen, dass durch den Merit-Order-Effekt, Gaskraftwerke aus dem Markt gedrängt werden. Denn in einer Zukunft mit höherem EE-Stromanteil werden wir flexible und effiziente Gas-und-Dampf-Kraftwerke brauchen, um die Schwankungen auszugleichen. Eine direkte Förderung des Stroms aus solchen Anlagen oder ein Kapazitätsmarkt für diesen flexiblen Ausgleichsstrom werden unausweichlich sein, mittelfristig selbst dann wenn geeignete Speichersysteme gefunden werden. Der Merit Order, von dem man öfters hört, bringt Vorteile aber auch Nachteile. Denn neben den Gaskraftwerken, die durch deren höheren Marginalkosten aus dem Markt geschoben werden, erhöht dieser Effekt auch die EEG-Umlage. Denn wenn Erneuerbare Energien einsetzen, schieben sie teurere Erzeugungsarten wie Gas- und Kohlekraftwerke aus dem Markt und erzeugen somit einen niedrigeren Marktpreis für den gesamten Strom (der Börsenpreis richtet sich an der teuersten durch Nachfrage bestimmten Erzeugungseinheit). Da der Strom, der über das EEG vergütet wird, aber an der Börse verkauft wird, sinken die Einnahmen hierfür, die Differenz wird uns dann als EEG-Umlage auf unsere Kilowattstunde umgerechnet. Da die Energiekonzerne uns von diesem preissenkenden Effekt aber nichts abgeben, zahlen wir mehr als 700 Millionen Euro mehr, ein Paradox! 34

Kommt dann als Lösungsvorschlag das Quotenmodell ins Spiel, sei sofort gesagt, dass dieses System Investoren eher abschrecken würde und die mittel- und langfristigen Ausbauziele und CO2-Minderungsziele untergraben würde. Bestes Beispiel dafür ist Großbritannien, wo das Quotensystem nicht funktioniert hat und nun ein Vergütungssystem wie das EEG eingeführt wurde. Dabei würde ein Quotenmodell außerdem keine Vorteile für die Systemnintegration der Erneuerbaren bringen, zu hohe Renditen für viele Anlagenbetreiber abwerfen und dadurch teuer werden. Denn während das EEG den Anlagenbetreibern eine langjährige Planungsicherheit bietet, sind diese durch das Quotensystem fluktuierenden Strompreisen und Zertifikatepreisen aus. Desweiteren würden durch die Technologieneutralität (Gleichstellung aller Erzeugungsarten) nur die günstigsten Formen der Erzeugung gefördert werde. Die Kostensenkung durch Entwicklungs- und Innovationshilfe, die das EEG betreibt, würde somit wegfallen. 35

Die Energiewende – Demokratie, Unabhängigkeit, Fairness

Die Energiewende ist die Demokratisierung einer ganzen Industrie. Denn während es früher nur wenige Erzeuger gab, die die Marktmacht unter sich aufgeteilt haben, sieht dies heute ganz anders aus. Durch die Photovoltaik kann jeder einzelne sich unabhängig von den Machenschaften der großen Energiekonzerne machen und vor allem die Preisexplosionen für Energie durchbrechen. Aber auch wer kein eigenes oder geeignetes Dach hat kann sich an der Energiewende beteiligen, durch Energiegenossenschaften. Deren Zahl hat sich in den vergangenen drei Jahren vervierfacht 36 und erreicht 2012 über 600. Das größte Problem, welches die Regierung hierbei sieht, ist, dass die großen Energiekonzerne ihre Marktanteile verlieren. Bei den Erneuerbaren Energien haben sie nun nur noch 6,5%, verglichen mit den über 50%, die sie insgesamt haben. Sie können einfach nicht im Kleinen denken, Großprojekte sind ihr Geschäftsmodell und deswegen wird es noch dauern bis sie sich von riesigen off-shore Windparks abwenden und die Vorteile der Energiewende wahrnehmen.

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Und neben den Effekten, die die Energiewende auf uns hat, sollten wir auch immer auf andere Länder schauen. Nicht nur, retten wir durch das Ablösen von Uran und Kohle viel Natur, sondern auch viele Menschenleben. Denn sowohl der Uranabbau, als auch der Kohleabbau sind hochgefährlich, radioaktiv und stark gesundheitsschädent. Und die Verfeuerung von Kohle, wie allgemein bewußt, stößt Unmengen an CO2 aus, welches unsere Atmosphäre erhitzt und somit gleichzeitig an vielen Stellen der Welt, das Wetter tödlich macht. 2011 haben die Erneuerbaren Energien 129 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente vermieden. Dabei wurden ca. zwei Drittel der gesamten Treibhausgasvermeidungen im Strombereich und somit größtenteils durch das EEG erreicht. 38 Das ist der Weg, den wir gehen müssen!

Ich empfehle deswegen jedem, der es noch nicht getan hat, zu einem unabhängigen Ökostromanbieter zu wechseln und außerden auch darüber nachzudenken, wir man selber die Energienutzung verringern kann (Infos hierzu gibt es gerne bei mir). Energieeffizienz rechnet sich mehr als praktisch jegliche andere Anlageform. Und zum Schluss, eine Investition in Erneuerbare Energien, ist die beste Altersvorsorge, darüber sollte auch jeder einmal nachdenken.

Interessante Grafiken mit vielen Zahlen und Fakten zu unserer Energieversorgung findet ihr hier:

https://www.facebook.com/AgenturfuerErneuerbareEnergien/photos_stream
https://www.facebook.com/Der.energethische.Imperativ/photos_stream
http://www.hydrogenambassadors.com/background/facts-deutsch.php#stromauserneuerbaren 

 

Julien Schröder-Gianoncelli auf Facebook: https://www.facebook.com/julien.schroeder.gianoncelli und bald auch auf Twitter :)


Hier geht es zur Replik von Karl-Heinz Thielmann

  1. http://www.solarserver.de/service-tools/photovoltaik-preisindex.html
  2. http://www.dw.de/solarenergie-senkt-die-stromkosten/a-15742535
  3. http://www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/ElektrizitaetGas/ErneuerbareEnergienGesetz/VerguetungssaetzePVAnlagen/VerguetungssaetzePhotovoltaik_Basepage.html
  4. http://www.dw.de/forscher-fordern-schnellen-solarausbau/a-16288089
  5. http://www.powertogas.info/
  6. http://www.sueddeutsche.de/geld/studie-zu-energiekosten-das-maerchen-vom-teuren-oekostrom-1.1515904
  7. http://www.dw.de/weltweiter-solarboom-mit-deutscher-technik/a-16376103
  8. http://de.wikipedia.org/wiki/Externer_Effekt
  9. http://www.foes.de/pdf/2012-08-Was_Strom_wirklich_kostet_kurz.pdf
  10. http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/europa/75140/themengrafik-energiemix-nach-staaten
  11. http://www.sueddeutsche.de/geld/studie-zu-energiekosten-das-maerchen-vom-teuren-oekostrom-1.1515904
  12. http://www.unendlich-viel-energie.de/de/detailansicht/article/4/energiewende-laesst-importabhaengigkeit-sinken-erneuerbare-vermeiden-mehr-als-6-milliarden-euro-ene.html
  13. https://www.facebook.com/photo.php?v=394916957247857
  14. http://www.kwh-preis.de/wp-content/uploads/images/infografiken/Strompreise-Zusammensetzung.jpg
  15. http://www.bee-ev.de/_downloads/publikationen/sonstiges/2012/120926_BEE_Hintergrund_EEG-Umlage-2013.pdf
  16. https://www.facebook.com/photo.php?v=394916957247857
  17. http://www.insm-oekonomenblog.de/7766-energieversorgung-ein-fossil-wird-sauberer/
  18. http://nachrichten.rp-online.de/wirtschaft/184-nrw-betriebe-zahlen-keine-oekostrom-umlage-1.304504
  19. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1376/umfrage/anzahl-der-erwerbstaetigen-mit-wohnort-in-deutschland/
  20. http://www.focus.de/finanzen/news/konjunktur/deutschlands-aussenhandelsueberschuss-bundesrepublik-ueberholt-exportweltmeister-china_aid_798784.html
  21. http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/energie/2012-FOES-IZES-Verguenstigungen-Industrie.pdf
  22. http://frontal21.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/ZDF.de/Frontal-21/2942216/25328992/76b518/Ungerechte-Strompreise.html
  23. http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-09/netzentgelte-befreiung
  24. http://frontal21.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/ZDF.de/Frontal-21/2942216/25328992/76b518/Ungerechte-Strompreise.html
  25. http://www.berlinerumschau.com/news.php?id=65696&title=Bundesregierung+plant+n%E4chstes+Preiserh%F6hungsgesetz+f%FCr+Stromkunden&storyid=1001350916238
  26. http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-11/energiewirtschaftsgesetz-bundestag
  27. http://www.faz.net/aktuell/politik/harte-bretter/harte-bretter-die-lex-tennet-11979838.html
  28. http://www.eeg-kwk.net/de/file/PGHoBA_BV_KWK-Prog2013_Anlage3_Internettext_ohne_Kopfzeile(4).pdf
  29. http://www.foes.de/pdf/2012-06-14-Praesentation-Verguenstigungen-Industrie.pdf S.7
  30. http://www.tagesschau.de/inland/kabinett296.html
  31. http://www.klimaretter.info/wirtschaft/hintergrund/10186-die-tonne-treibhausgas-fuer-zwei-pils
  32. http://www.euractiv.de/energie-und-klimaschutz/analysen/zur-zukunft-des-eeg-00590
  33. http://www.unendlich-viel-energie.de/de/detailansicht/article/530/entwicklung-der-kosten-und-wirkungsgrade-von-solarzellen.html
  34. http://frontal21.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/ZDF.de/Frontal-21/2942216/25328992/76b518/Ungerechte-Strompreise.html
  35. http://www.diw.de/de/diw_01.c.411149.de/themen_nachrichten/quotenmodell_fuer_erneuerbare_energien_ungeeignet.html
  36. http://vkwl.de/zahl-der-energiegenossenschaften-in-deutschland-waechst/
  37. https://www.facebook.com/photo.php?fbid=545799172103473&set=pb.328914933791899.-2207520000.1353621702&type=3&theater
  38. http://www.unendlich-viel-energie.de/de/detailansicht/browse/1/article/226/treibhausgasvermeidung-durch-erneuerbare-energien.html

8 comments Write a comment

  1. Hallo Julien, netter Artikel. Im Endeffekt stimme ich dir zu, dass die Energiewende nicht unbedingt eine Preiserhöhung mit sich ziehen muss. Doch die Realität ist nun mal so gestrickt, dass rund 75% der Treibhausgase durch Städte verursacht werden. Städte wachsen und die Blüte unserer Natur nimmt ab. Wir stecken unser Geld in Windparks und Solarenergien obwohl wir auch die CO2-Killer sanieren könnten. Hier habe ich einen interessanten Artikel über Gebäudetechniken im Hinblick auf Ihre energieeffizienz: http://www.siemens.de/energie-effizienz/energie-effizienz.html#Energieeffiziente-Staedte.

    Sowas brauchen wir! Und nicht nochmehr OffShore Windparks…

  2. Da gebe ich Ihnen vollkommen recht, es ist eine Schande wenn man sieht, wie wir mit solch einem kostbaren und hoch aufwendig zu produzierendem Gut umgehen. Wenn ich dann sehe, dass meine Mitbewohner bei Saunatemperaturen im T-Shirt in der Wohnung sitzen, schlage ich mir jedes Mal die Hand vor den Kopf. Noch schlimmer stehts um mein Herz, wenn ich hier in Frankreich (Auslandssemester) die fehlende Isolation bei der Warmwasserleitung (natürlich gleich neben der Kaltwasserleitung –> Salmonellen) bemerke. Wir Menschen haben uns einfach zu sehr daran gewöhnt, alles ganz einfach zu haben und das ist das Problem. Solange es günstig genug ist, ist es allen egal, die externen Kosten werden ja eben nicht mitberücksichtigt. Als “Energieexperte” und Klimaschützer freue ich mich deswegen über dieses Jahrzehnt der recht hohen Energiepreise (Kohle, Gas, Öl, Uran), weil es uns somit ein Jahrzehnt Zeit gibt, die Menschen zu erziehen und den Verbrauch deutlich zu senken. Etwas was uns dann viel schneller das Ziel der kompletten nachhaltigen Versorgung erreichen lässt und dann einen “educated market” mit niedrigen Kosten (finanzielle Mittel für andere wichtige Gesellschaftsprojekte) und geringen Treibhausgasemissionen hinterlässt. Also ohne Frage, das nächste Jahrzehnt gehört ganz der Energieeffizienz und dem Aufbau effizienter Strukturen (Smart Home, Smart Grid und Green-City).  

  3. Ja, ich wollte das eigentlich auch noch dazuschreiben, aber der Text war schon so lang… Aber vielleicht schreibe ich noch einen kleinen Appendix :) Dankeschön!

  4. Pingback: Replik zu “Warum die Energiewende überhaupt nicht teuer ist!” | Karlshochschule International University

  5. Pingback: Das Schuldenkarusell, Investitionsblasen, Fracking und Schuldenbereinigung | Karlshochschule International University

  6. Ein weiterer Vorteil, den man in der lästigen Diskussion um die Kosten der Energiewende so oft vergisst… Endlich gibt es eine Technologie, die jedem auf dieser Welt den Zugang zu Strom ermöglichen kann!

    “In Deutschland wird der Zubau von Solaranlagen gerade durch die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gedämpft. Dafür entwickeln sich Solaranlagen zum Heilsbringer für Entwicklungsländer, wo die Menschen nur unzureichend mit Strom versorgt werden.”

    http://www.focus.de/immobilien/energiesparen/solarenergie/diesel-hat-ausgedient-strom-fuer-das-dach-der-welt-deutsche-solarfirmen-bringen-solarstrom-in-den-himalaya_id_4004024.html

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