Norwegisches Tagebuch (2) – Die Arbeit mit Studierenden

Heute hatte eine Veranstaltung im “Bachelorstudium i innovasjon og prosjektledelse” – einem normalerweise in norwegischer Sprache gelesenen Programm für angehende Innovationsmanager. In der 4-stündigen Veranstaltung an der ingenieurwissenschaftlichen Fakultät, die von Dr. Gunnar Andersson geleitet wird, ging es natürlich zuerst einmal um die Karlshochschule. Dann ging es um Zukunftsbilder und Corporate Foresight sowie die Frage, wie dieses zukunftsorientierte Denken zum Erfolg von Innovations- (bzw. Business Development) Systematiken beitragen kann. Anschließend sollten die Studierenden in einem “Route Allocation Workshop” (eine speziell für Innovationsprozesse adaptierte Weiterentwicklung des “World Cafés“) durchführen. Im Grunde Themen, die ich an der Karlshochschule auch in den Modulen “Strategisches Management” (STRA) sowie “Change & Innovation” (CHIN) behandle. Dabei stand das “Fuzzy Front End” und die unseren Studierenden hinreichend bekannte PESTEL-Analyse (beziehungsweise hier in einer Becker’schen Abwandlung: iPESTEL) im Mittelpunkt.

Das Gebäude der ingenieurwissenschaftlichen Fakultät in Fredrikstad ist nahezu perfekt für kreatives Arbeiten. Viele unterschiedlich geschnittene Räume mit viel Glas, offene Hörsäle und kleine Gruppenarbeitsräume laden zu kreativem Arbeiten ein. Der Blick auf den Fluss Glomma ist atemberaubend. Das Gebäude ist nämlich ein ehemaliges Werftgebäude, in das quasi ein super-modernes Hochschulgebäude “eingehängt” wurde.

Obwohl die Studierenden gerade erst in der zweiten Woche ihres Studiums sind, fallen die große Ernsthaftigkeit und Reife auf, mit der sie an die Aufgabe herangehen. Vermutlich liegt es daran, dass die Studierenden im Schnitt etwa 2-3 Jahre älter als deutsche Studierende sind. Allerdings sind die Gruppen auch homogener: Inbounds sucht man in diesem Kurs vergebens. Hinzu kommt, dass die Studierenden – ähnlich, wie an der Karlshochschule – sorgfältig ausgewählt sind.

Auch wenn den Studierenden etwas der Mut fehlt, Englisch zu sprechen, ist ihr Ausdrucksvermögen hervorragend (auch wenn einige Gruppen es vorgezogen haben, die Charts in norwegischer Sprache zu erstellen). Und genau wie in Deutschland empfinden die Studierenden es als sehr anstrengend, Zukunftsvisionen zu artikulieren. Auch sie sind, wie unsere Studierenden, nach dem Workshop ziemlich geschafft. Offensichtlich sind die Studierenden hier weniger das interaktiv-konstruktivistische Arbeiten gewöhnt, als unsere Studierenden an der Karlshochschule – etwas, dass sich nach Vorstellung Hong Wu und Gunnar Andersson gründlich ändern soll.

Ansonsten sind die Vorstellungen von der Zukunft, die Hoffnungen und Wünsche, Sorgen und Ängste, ganz die gleichen, wie bei unseren Studierenden in Deutschland.

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