Kritik an Bologna – es geht aber auch anders!

Wir befinden uns im Jahre 2012 n.Chr.. Die Studienreform hat nach zehn Jahren an allen Hochschulen in Deutschland Einzug gehalten und muss sich harter Kritik stellen. Probleme gibt es an den Hochschulen vor allem mit der geringen Anzahl von Studierenden, die einen Auslandsaufenthalt wahrnehmen und mit der nicht ausreichenden Persönlichkeitsentwicklung im Studium aufgrund des straffen Zeitplans. An allen Hochschulen? Nein! Eine Hochschule in Karlsruhe hört nicht auf, den Bolognaprozess erfolgreich umzusetzen…

Was sich hier anhört wie die Einleitung in einem Asterix-Heft ist natürlich eine etwas ernstere Angelegenheit. Heute genau vor zehn Jahren startete die Bologna-Studienreform an deutschen Hochschulen und verfolgt im Wesentlichen drei Ziele: Beschäftigungsfähigkeit, internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Förderung von Mobilität. Der Bologna-Prozess wurde bereits 1999 auf europäischer Ebene eingeleitet und ist mittlerweile in 47 Staaten verankert. In Deutschland wurden in diesem Zuge die Diplom- und Magisterabschlüsse durch den Bachelor mit einer Dauer von sechs Semestern abgelöst.

Doch so einfach scheint es nicht zu sein. Entsprechend äußert sich der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz gegenüber der Süddeutschen Zeitung äußerst kritisch bezüglich der Zielerreichung nach den ersten zehn Jahren. Das System mache es den Studierenden nicht einfacher ins Ausland zu gehen und der Abschluss sei oft nicht ausreichend. Vor allem Universitäten haben es schwer, bei den Fachhochschulen scheint es etwas besser zu sein. Gegenüber der Tagesschau kritisiert er die Verschulung und die nicht vorhandene Möglichkeit “über den Tellerrand zu schauen”. So sehen es auch einige Studierende an den öffentlichen Hochschulen.

Auf der anderen Seite spricht Bildungsministerin Annette Schavan von einem Beispiel für eine europäische Erfolgsgeschichte, die die Mobilität der Studierenden fördert, die Abbruchquote sinken lässt und einen Aufschwung bei Studienanfängerzahlen bringt. Die Bildungsministerin begegnet den Vorwürfen mit Fakten. So gingen heute doppelt so viele Studierende ins Ausland als noch vor zehn Jahren. Aber was stimmt denn nun?

An den deutschen Hochschulen gibt es wohl Unterschiede und innerhalb Deutschlands unterschiedliche Ansichten und Perspektiven was das Thema angeht. So wird die Reform eben auch an den Hochschulen unterschiedlich interpretiert und das augenscheinlich nicht überall gleich. Die Rahmenbedingungen bzw. äußeren Maßnahmen sind überall angekommen, schließlich wurden die Abschlüsse überall eingeführt. Nicht optimal erscheint hingegen bei der öffentlichen Diskussion die Ausgestaltung der Inhalte bzw. der Weg hin zu den Abschlüssen. Ähnlich sieht es auch Armin Himmelrath.

Die Reform hat keine Alleinschuld an der aktuellen Diskussion – nicht nur die Politik, sondern auch die Hochschulen müssen ihren Teil dazu beitragen, um aus der erfolgsversprechenden Reform selbst auch einen Erfolg zu machen, sei es beispielsweise durch die Anpassung der Curricula an die modernen Anforderungen des Arbeitsmarktes, eines Überdenkens der Didaktik oder der Integration eines Auslandsaufenthalts in die Studiendauer. Auch wir an der Karlshochschule haben in dem Zusammenhang vor einigen Jahren den Schritt zur Revolution gewagt. Als ein Ergebnis davon gingen letztes Jahr und gehen dieses Jahr im Schnitt 80% unserer Studierenden in ein Auslandssemester. Im deutschen Schnitt macht das nur jeder fünfte Student, da oftmals die Studienleistungen im Ausland nicht angerechnet werden und so ein zeitlicher Mehraufwand entsteht. In allen Bachelor-Studiengängen der Karlshochschule hingegegen ist das fünfte Semester als Mobilitätsfenster ausgestaltet worden, so dass die Studierenden ihr Studium an der Karlshochschule einschließlich des Auslandssemesters an einer Partnerhochschule und unter Anrechnung der dort erworbenen Kreditpunkte ohne Zeitverlust absolvieren können. Ebenso sind Unternehmensprojekte und ein langes Praktikum in das Studium integriert, der Blick über den Tellerrand ist hier gegeben.

Die Kritik an der Reform ist momentan in aller Munde, aber es gehören auch immer mehrere Perspektiven zu einer Diskussion. Und dass es eben auch tatsächlich anders geht, beweist eine kleine Hochschule in Karlsruhe…

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