E-Commerce: Die Amazon-Formel

Ein Gespenst geht um in der deutschen Handelslandschaft. Es nennt sich Amazon und ihm werden schier übersinnliche Kräfte zugesprochen. Manche behaupten sogar, dass einige der ganz großen Händler wie Quelle oder Neckermann an ihm zerbrochen sind und dass die Buch und Media Märkte demnächst in ihr Grab folgen könnten. Das große Geheimnis von Amazon ist laut einem aktuellen Spiegel Artikel (DER SPIEGEL 30/2012) in erster Linie ihre Welt der Algorithmen. Doch das wäre viel zu kurz gedacht und brächte die letzten Überlebenden auf eine völlig falsche Fährte. Der Erfolg von Amazon setzt sich aus ganz vielen unterschiedlichen Rädchen zusammen, teils technisch, teils psychologisch und oftmals bedingt durch das Glück zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Erst im geschmeidigen Miteinander wurden die zahlreichen Komponenten zu dem großen funktionierenden Uhrwerk Amazon, das wir heute kennen. Ich habe mal versucht 10 dieser Rädchen aufzuführen, um der verbliebenen Konkurrenz klar zu machen, dass man nicht einfach nur an einem großen Algorithmus basteln muss um Amazon Herr zu werden. Diese Liste ist sicherlich komplett unvollständig und es fehlen bestimmt auch etliche Einblicke in das Management des Unternehmens. Es kann daher jederzeit gerne korrigiert oder ergänzt werden:

1. Die Gutscheinflut
Amazon musste einen verdammt langen Atem beweisen. Der Beginn des Unternehmens, soweit ich mich erinnern kann, bestand aus permanentem Gutscheinschleudern und damit auf indirektes Draufzahlen. Man verzichtete auf teure und unberechenbare klassische Werbung in Form von Spots und Anzeigen und setzte – nicht weniger teuer – alles auf die verkaufsfördernde Direktmaßnahmen in Form von Coupons. So konnte man sich eine ganze Zeit lang vor Gutscheinangeboten kaum retten und damit meine ich, dass Amazon wirklich extrem großzügig war. Gutscheine über 10 EUR ohne weitere Bedingungen waren keine Seltenheit. Wenn also Gutscheinstrategie, dann richtig und bitte keine Pseudo-Lockangebote mit doppeltem Widerhaken. Das dürfte Amazon damals eine Menge Geld gekostet haben, aber die dürren Jahre haben sich anscheinend ausgezahlt, denn sie haben sich dadurch frühzeitig als Online-Versandhandel eine Nische gekrallt und sich dort gnadenlos festgesessen, bis am Ende kaum noch jemand übrig blieb – oder wer kennt heute noch bol.de?

2. Das Marken-/Preis-Versprechen
Amazon hat es geschafft als dauerhaft günstig zu erscheinen (nicht zuletzt auch aufgrund der Versandkostenfreiheit) ohne dabei aber gleich ramschig zu wirken. Denn das Vertrauen in die Marke (durch reibungslosen Kundenservices und technologischer Infrastruktur) wächst stetig und damit kann es sich Amazon auch erlauben die Preisschraube ein bißchen anzuziehen. Amazon ist mittlerweile die Top-Marke im Onlinehandel und damit punktet Amazon in Preissuchmaschinen weniger dadurch der billigste Anbieter zu sein, sondern als Vertrauensmarke immer noch sehr günstigen Preise anbieten zu können. Der Kunde wägt ab, was ihm mehr wert ist, das Abenteuer eines völlig unbekannten Onlineshops oder der vertraute Versandriese. Klar ist aber: Der Preiskampf war zu Beginn ein wichtiger Hebel für Amazon und wird es sicherlich auch weiterhin sein.

3. Das gigantische Angebot immer verfügbar
Jeff Bezos, der CEO und Gründer von Amazon hatte von Anfang an ein klares Ziel. Amazon wird das größte Online-Kaufhaus der Welt. Sehr deutlich geht das auch aus dem Mission Statement von Amazon hervor: “Our vision is to be earth’s most customer centric company; to build a place where people can come to find and discover anything they might want to buy online.” Egal, was und wann der Kunde haben will, Amazon verkauft es ihm. Damit schlägt Amazon jedes Kaufhaus und jeden Katalogversender, denn deren Angebot ist schon allein durch den Platz in der Auslage, aufgrund der Seitenanzahl des Kataloges oder der Ladenöffnungszeiten begrenzt. Amazon nutzt damit konsequent das Long-Tail-Prinzip und sichert sich damit eine eindeutige Positionierung. Realisiert wurde dieser Ansatz durch die Einbettung vieler kleiner Händler in die große Amazonfamilie unter dem Label “Marketplace”.

4. Versand: Trostpflaster für die Schwächen
Ich gehe davon aus, dass Amazon den Offline-Handel gründlich analysiert hat und deren Schwächen mit ihren Stärken ersetzt und dabei aber gleichzeitig an den eigenen Schwächen arbeitet. Die grundsätzliche Verfügbarkeit von Waren ist das eine, die prompte Lieferung das andere. Amazon gibt seinen Kunden ein nicht zu unterschätzendes Trostpflaster für die relativ lange Lieferzeit: Die Versandkostenfreiheit. Rein psychologisch wirkt das bei den Kunden enorm und ich verstehe bis heute nicht, warum so viele Online-Shops immer noch Versandkosten auspreisen. Amazon hat hier einen Standard gesetzt, der sich bei vielen Kunden eingebrannt hat. Fallen Versandkosten an, so frustriert das die Kunden immens, auch wenn der Gesamtpreis vielleicht genauso hoch liegt. Man muss sich das so vorstellen: Auf den ersten Blick wirkt der Preis sehr günstig, die Versandkosten sind meist gut versteckt. Wenn dann der Checkout-Prozess anläuft fällt die Summe deutlich höher aus als zuvor im eigenen Kopf zusammengerechnet. Man fühlt sich einfach dadurch ein wenig veräppelt. Übrigens eine Methode wie man die Versandkosten am Ende doch wieder reinholen kann liefert Amazon mit seinem Premium-Angebot: 24 Stunden Lieferung kostet natürlich extra und mit dem Premium-Abo bindet man nicht nur Kunden dauerhaft, sondern belohnt sich gleichzeitig mit günstigem Zusatzservice. Übrigens arbeitet Amazon gerade fieberhaft an einer Lieferung am selben Tag. AM SELBEN TAG! Man kann sich also sehr schön ausmalen, was das für den Rest des Marktes bedeutet.

5. Der Algorithmus
Im Gegensatz zu vielen anderen Analysten sehe ich den Algorithmus von Amazon nicht als Top-Verkaufsinstrument. Er ist ein kleines Rädchen im Getriebe. Würde es wegfallen, würde es sicherlich nicht so rund laufen wie jetzt, aber zu behaupten die hinterherhinkenden Shops müssten allesamt mit so einer Technologie aufwarten ist Unfug. Die Funktionen des Amazon-Algorithmus erzeugt im Grunde genommen einen symbolischen Akt. Seht her, ich kann deine Interessen erkennen ohne dich dabei zu belästigen (auch wenn manche das schon als belästigend empfinden, wobei es weitaus brenzliger wäre, würde der Verkäufer im Laden meine Verkaufshistorie runterleiern können). Der “Das könnte dir auch gefallen” Effekt ist also eher ein Beweis für das eigene gigantische Angebot, was natürlich umso beeindruckender ist, wenn es sich auf die eigenen Interessen bezieht. Natürlich fällt dadurch auch immer wieder ein Verkauf ab, aber ich glaube nicht, dass der Algorithmus zu völlig neuen Impulskäufen führt. Wie gesagt, ein sehr wichtiges Rädchen im Getriebe, aber bestimmt auch keine ultimative Killerfunktion.

6. Das Empfehlungsnetzwerk
Amazon ist kein klassisches Thema auf Twitter, Facebook oder anderen sozialen Medien. Amazon ist eher eine gut geölte Affiliate-Maschinerie. Durch das Partnerprogramm “PartnerNet” bietet Amazon reichlich Futter um sich selbst zu bewerben. So kann man sehr einfach eigene kleine Shops bauen mit dem Amazon-Sortiment oder Links im eigenen Blog oder in Foren mit einem Partnersignet unterlegen und n jedem getätigten Kauf mitverdienen. Hier steckt meines Erachtens viel mehr lohnenswerter Gehirnschmalz und Technologie drin als in dem zuvor angesprochenen Algorithmus. Hier steckt die geheime Vertriebspower in Form von Netzwerk-Marketing drin, gemäß dem Motto: Bei jedem von uns umgesetzten Euro darfst du ein bißchen mitverdienen.

7. Die Suchmaschinenpräsenz
Tippt man in Google einen beliebigen Titel mit dem Zusatz “Buch” ein, so wird man nahezu immer als ersten Versandhändler für Bücher Amazon weit oben stehen haben. Bedingt durch das sehr gereifte und alles durchdringende Netzwerk-Programm (siehe Punkt 6) dürfte die Herrschaft über die Suchamschinen für lange Zeit gesichert sein. Google liebt Verlinkungen und Amazon belohnt Verlinkungen. Neben den notwendigen technischen Grundvoraussetzungen dürfte also die Anzahl der externen Verlinkungen und die lange Historie des Amazon-Contents zu einem Platzhirschen-Status bei Suchmaschinen geführt haben. Gleichzeitig merkt man auch deutlich, dass Amazon das Budget für Suchmaschinenanzeigen beisammen hält, im Gegensatz zur Konkurrenz bucht man längst nicht mehr die teuersten Keywords ein, wozu auch, wenn man ganz automatisch oft genug in den Top-Suchergebnissen erscheint?

8. Die unaufdringliche Top-Beratung
Was ebenfalls zigfach wertvoller als der besagte Empfehlungsalgorithmus ist, dürfte die Anzahl und Intensität der Produktbewertungen sein. Damit hat Amazon die Offline-Händler um Längen geschlagen. Natürlich ist man froh über eine tolle Beratung im Einzelhandel, aber gibt sie einem auch immer das Gefühl neutral zu sein? Die Produktbewertungen von Amazon sind zum Teil vielleicht “Fake”, aber noch wirken sie insgesamt sehr echt und ausgeglichen. Mag vielleicht auch daran liegen, dass Amazon hier ausgeklügelte Reinigunsgmechanismen zum Einsatz bringt, bzw. die Community vielleicht auch hinreichend auf Missbrauch aufmerksam macht. Hier wird also man von Kunde zu Kunde beraten und nicht von Verkäufer zu Käufer. Es entsteht ein ganz anderes Vertrauensverhältnis, der “Social Proof”. Das Schlimmste was Amazon demnach passieren kann sind Produkte ohne Rezension. Daher verwendet Amazon auch viel Zeit und Energie in ein Belohnungssystem für Produktbewertungen. Wenn man hier Amazon in Zukunft Konkurrenz machen möchte, sollte man sich als erstes überlegen, wie man dieses Top-Beratungssystem toppen könnte.

9. Das zeitlose Design
Man wird das Design von Amazon alles andere als “benutzerfreundlich” oder “schick” bezeichnen und dennoch hat es eine enorme Stärke: Zuverlässigkeit. Wenn es Designänderungen gibt, so werden diese sehr behutsam vollzogen und zwar mit Rücksicht auf die bisher gewonnene Vertrauensbeziehung. Nur Hardcore-Internetbenutzer und Designer freuen sich über einen Tapetenwechsel, der Otto-Normal-Surfer wird von heftigen Designänderungen eher abgeschreckt sein. Dazu kommt die gigantische Komplexität, die Amazon in ihr Design packen muss. Jede zusätzliche Information kann zu mehr oder weniger Verkäufen führen, daher wundert es nicht, wenn man das Erfolgsmodell rein äußerlich nur ungern verändern möchte. Interessant ist auch der Designunterschied zwischen den Ländern. So scheint die Mutterseite wohl designtechnisch immer einen Schritt voraus sein. Wer übrigens meint so ein Relaunch sei doch ein Kinderspiel, der soll mal alle verfügbaren Seitenvarianten und Gestaltungselemente von Amazon stringent durchgestalten. Amazon muss hier also permanent gestalterische Altlasten mitschleppen, wobei das der Bestellfreude keinen Abbruch tut. Ich vermute, wenn Amazon sich heute neu gründen müsste, sähe das Design auch komplett anders aus. Neben der visuellen Gestaltung gibt es schließlich noch die Anordnung von vertrauensbildenden Komponenten, das geht hinein bis in die Ausgestaltung von Serviceprozessen. Da scheint man nicht all zu verkehrt zu liegen. Der Bestellvorgang ist handhabbar und übersichtlich. Funktionalität macht hier also wieder viel Boden gut.

10. Das “Change & Innovation Setting”
Sobald der Trend abzusehen war, dass E-Books ein vielversprechender Zukunftsmarkt ist, setze Amazon alle Hebel in Bewegung um an einem eigenen Ausgabegerät zu basteln. Doch es handelt sich nicht einfach nur um einen “Reader”. Amazon hat mit dem Kindle (Fire) auch gleich einen komplett neuen “Store” gebaut. Somit folgt der Konzern dem Trend der “Internet of Things”, also dem Gedanken, dass moderne Elektronikgeräte in Zukunft mit dem Internet verbunden sind. Also der Kühlschrank, der nicht nur den eigenen Inhalt kennt, sondern fehlende Produkte direkt bei Amazon ordert. Somit orientiert sich die Innovationsaktivität immer eng an den Kernkompetenzen von Amazon. So sicherlich auch das Projekt “same-day-delivery”.

Übrigens gibt es zu diesem Thema noch eine weitere interessante Analyse, die auch der Frage nachgeht, ob es ein Leben neben Amazon gibt und der Artikel beweist: Ja, auch Amazon hat wunde Punkte.

Erwähnenswert ist auch immer der Preis des Erfolges, in dem Fall auch auf Kosten vieler Mitarbeiter. So hat vor kurzem eine ZDF-Doku das Arbeitsumfeld der großen, erfolgreichen Online-Versandhändler beleuchtet. Ein niedriger Preis hat immer seinen Preis, dazu lesenswert der Artikel von Olaf Kolbrück, der eben auch die Konsumenten in die Verantwortung mit einbezieht.

24 comments Write a comment

  1. Danke, lieber Patrick, für den guten Beitrag. Allzu oft wird Amazon tatsächlich abschätzig auf Algorithmen reduziert. Gerade von denen, die zu Anfang noch höhnisch lachten und davon überzeugt waren, dass doch nun wirklich niemand im Internet einkaufen würde. 

    Ein Punkt fehlt mir noch: Kulanz. Ich habe selten bei einem Online-Händler so ein unkompliziertes, kundenfreundliches Reklamationsmanagement erlebt. Dass ich inzwischen trotzdem zumindest meine Bücher beim Buchhändler meines Vertrauens kaufe, ist der Aufbau von persönlichen Beziehungen (und Loyalität) durch das Social Web “schuld”. Das ist etwas, das Amazon nicht schafft. 

    Interessant ist übrigens, dass trotz Buchpreisbindung (durch die -neue!- Bücher überall genau das gleiche kosten) in Deutschland viele Kunden davon überzeugt sind, dass bei Amazon die Bücher billiger sind. 

  2. Patrick Breitenbach

    Danke für die Ergänzung Wibke. Das hatte ich auch noch auf dem Schirm, aber es hätte die runde 10 zu nichte gemacht ;-)

    Aber das stimmt, angeblich ist der entmenschlichte Service bei Amazon ja ein Manko, aber gerade durch die Kulanz und das sonst spürbar reibungslose Beschwerdemanagement wird das dreimal wieder gut gemacht. 

    Zum Thema persönliche Beziehung: Hier spielt Amazon über Bande. Einmal durch das Vorgaukeln Amazon kennt einen (plus Distanz). Das ist immer noch hilfreicher als große Buchhändler mit viel Auswahl die trotz körperlicher Anwesenheit nicht in der Lage sind auf Anhieb eine Beziehung aufzubauen. Beziehung entsteht durch den mehrmaligen Besuch und durch die Aufmerksamkeit des Verkäufers. Beides ist nach meinen Erfahrungen – zumindestens bei den Großen – nicht genug vorhanden. Wenn die Buchhändler das Social Web nun mit ihrer Offline Stärke verknüpfen (so wie anscheinend dein Händler), hätten sie was wirklich Gutes in der Hand! Aber wie gesagt, ich rede von den jammernden Großen. 

    Das mit der Buchpreisbindung ist extrem interessant,. Ich tippe auf Halo-Effekt durch Versandkostenfreiheit und die Coupon-Attacken plus Gebrauchtverkauf. Das scheint sich alles im Kopf zu vereinen :-)

  3. Nicht ohne Grund schwächeln die Flächenbuchhandlungen wie Thalia und Hugendubel gerade erheblich. Es gibt schon eine ganze Reihe guter Beispiele von Buchhandlungen, die genau die Chancen, die Du erwähnst, beim Schopfe packen und On- und Offline vorbildlich miteinander verbinden. Das ist ein Kraftakt, der sich hoffentlich auszahlt. 

    Ich stelle für mich fest, dass ich durch das Social Web ein aufmerksamerer und kritischerer Konsument geworden bin. Ich bemühe mich, lieber Hersteller und Dienstleister zu unterstützen, die ihre Mitarbeiter gut behandeln und mit ihren Produkten oder Dienstleistungen nicht über Leichen gehen. Was eben auch ein Grund dafür ist, dass ich sehr viel seltener bei Amazon bestelle. 

    Aber das ist die persönliche Sicht. Aus vertrieblicher Sicht lässt sich nach wie vor von Amazon viel lernen. Beinahe erschütternd finde ich, dass sie, wie Du erwähnst, seit jeher mit einer fürchterlichen Website aufwarten. Aber: Es funktioniert. Klickediklick und binnen weniger Minuten ist die Bestellung abgesendet. 

  4. Zitat: ”
    Man wird das Design von Amazon alles andere als “benutzerfreundlich” [...] 
    bezeichnen”
    Da muss ich vehement widersprechen. Amazon ist ein Paradebeispiel für ausgezeichnete Usability auf einer Webseite. Alles ist gut geordnet, am richtigem Platz, man findet sich sofort zurecht. Nicht umsonst nennt auch Steven Krug in “Don’t make me think” Amazon mehrfach als Referenz.

  5. Hinzu kommt die kulante Abwicklung von Reklamationen und ähnlichem. Das wurde bisher (ich bin Kunde seit 2000) bei mir immer anstandslos gehandelt.

  6. Patrick Breitenbach

    Es gibt solche und solche Designer. Ich selbst würde es ähnlich sehen. Aber vielleicht auch nur weil vieles so auf Dauer erlernt wurde. Ich denke da geht noch mehr, aber sie sieht definitiv benutzerunfreundlicher aus, als sie ist. :-) 

  7. Frag da mal Usabilitytester ;) Du kannst nicht einmal die Suchergebnisse vernünftig kategorisieren.
    Gerade Usability ist nicht so die Stärke von Amazon

  8. Pingback: Unwire, Joussen, E-Plus. — mobilbranche.de

  9. Gut herausgearbeitet, Respekt Allerdings sehe ich den Effekt aus dem Affiliatemarketing kommend als einen ganz wesentlichen, überproportionalen Anteil des Erfolges, besonders in den ersten Jahren! Nicht zuletzt da sie dadurch ihre Suchmaschinenpräsenz “automatisch” massiv mit pushen konnten!

  10. Man kann Dinge drehen, wenden analysieren und interpretieren wie man möchte. Erfolgreiches Unternehmertum erfordert nur ein einziges Talent : Kundenwünsche befriedigen. Kunden wollen günstige Ware mit einem guten Service. Beides liefert Amazon. Die Öffnung für andere Händler im Marketplace garantiert Sortimentsbreite  und stets gute Preise (weil es immer mindestens einen Händler geben wird, der versucht Kunden über Kampfpreise anzulocken). Amazon selbst setzt auf eine vorbildhafte Kundenbehandlung. Wer glaubt, über einen oder mehrere der obengenannten Punkte eine ähnliche Position im Onlinehandel schaffen zu können, der wird scheitern.

    Interessante Analyse zum Erfolg von Amazon :-), meiner Meinung nach mit falschen Rückschlüssen. In jedem Absatz steckt mindestens eine Annahme die sachlich falsch oder nicht ganz zu Ende gedacht ist :-(

    Beispiel :
    “Der Kunde wägt ab, was ihm mehr wert ist, das Abenteuer eines völlig
    unbekannten Onlineshops oder der vertraute Versandriese.”
    Wenn dem Kunden der vertraute Versandrise so wichtig wäre, dann wäre die Quelle nicht pleite und Neckermann nicht insolvent.

    “Klar ist aber:
    Der Preiskampf war zu Beginn ein wichtiger Hebel für Amazon und wird es
    sicherlich auch weiterhin sein.”
    Amazon war ein Buchversender und im Buchhandel herrscht Preisbindung.

    10. Das “Change & Innovation Setting”
    Ein einziges selbst entwickeltes Produkt wäre für mich kein Indiz für ein Das “Change & Innovation Setting”

    In einem Punkt muss ich aber zustimmen : die Annahme, daß man einen Algorithmus für unternehmersichen Erfolg verantwortlich machen kann ist schon ziemlich abenteuerlich.

  11. Patrick Breitenbach

    Das Erste sehe ich absolut genauso, dennoch sind die einzelnen Rädchen meistens genau auf das Ziel ausgerichtet. Es gibt also eine Ebene “Strategie” und die Ebene “Taktik”. Ich habe hier eher die geläufigsten Taktiken aufgezählt, das Mission Statement von Amazon wäre dann die eigentliche Strategie, da steht das ja wunderbar formuliert drin mit der Kundenzufriedenheit.

    Zum Neckermann-Beispiel: Hier könnte ich jetzt gegen argumentieren und behaupten, dass sowohl Quelle wie auch Neckermann Katalogversender sind und keine Online-Shops. Wer war zuerst online usw. Ich denke da hatte Amazon im Netz von Anfang an die Nase vorn. Aber egal. Kann man sicherlich so und so deuten. Aber wie auch bei allen anderen Punkten gilt: Sicherlich nicht ein alleinige Erfolgsfaktor.

    Zur Buchpreisbindung: Ja, da haben Sie Recht. Das gilt für Deutschland und Teile Europas. Da Amazon aber von den USA aus gestartet ist würde ich die Sichtweise mal außen vor lassen ;-)

    Zu Change & Innovation: Nein, das Produkt ist ein Beispiel für eine sichtbare Innovation, die die Mehrheit der Menschen als solche auffassen würde, daher gehe ich ja im weiteren Verlauf auf die “stillen Innovationen” ein. Zum Beispiel die Optimierung der Logistik und Infrastruktur, die Vermietung von Servern usw. Ich glaube schon, dass die da eine immense Innovationskraft haben, die für den Durchschnittskonsumenten aber nicht sichtbar ist.

    Jedenfalls danke für die Ergänzungen und Denkanstöße.

  12. Patrick Breitenbach

    Ich tu mir scher mit Trennung. Das eine bedingt das andere. Schlechte Produkte und schlechter Service lässt auch das Affiliateprogramm verhungern. 

  13. Pingback: blog.matterne.eu » Links #10

  14. Pingback: Die Amazon Erfolgsformel und das Leid des deutschen Handels » Blog für den Onlinehandel

  15. Die Erfolgsgeschichte von Amazon haben Sie trotz der Komplexität und der Dauer gut auf den Punkt bzw. die 10 Punkte gebracht. Vertrauen, Service, Versandkostenfreiheit, hohe Kulanz und akzeptable Preise sind m.E. DAS Erfolgskonzept im eCommerce. Wer es dann wie Amazon versteht über intelligente Kundenbindung sogar neue Märkte oder Produktbereiche zu erschließen, der muss sich wohl kaum vor der Konkurrenz fürchten. Wir betreiben selbst Internetportale als Preisvergleiche und Shopverzeichnisse und sind teilweise sehr erstaunt, mit wie wenig Budget und Konzept viele Einzel- und Online-Händler Ihre Neukundengewinnung angehen. Vielen fehlt es dann schlichtweg an Masse (Bestellungen, Kunden). Hinzu kommt dann fatalerweise die schlechten oder fehlenden Kundenbindungsmaßnahmen. Da es immer aufwendiger und teurer wird an neue Kunden zu kommen, braucht man als Onlinehändler unbedingt einen guten Plan, idealerweise sogar eine Vision, und ein gewisses Durchhaltevermögen. Es gibt immer noch Händler, die versuchen fast nur über den günstigen Preis zu gehen. Natürlich stehen die in allen Preissuchmaschinen die hart nach dem Produktpreis sortieren ganz oben. Die Bestellungen bleiben dennoch oft aus, weil das Vertrauen fehlt. Wenn es dann noch die Produkte direkt bei Amazon gibt, ist bei diesen Shops schnell ein Ende in Sicht. Nachhaltige Shop- und Firmenkonzepte sehen anders aus. Ich bin mir sicher, das Amazon den Versand am gleichen Tag hinbekommen wird. Dann bin ich gespannt auf die Reaktionen des Marktes. Eigentlich wünsche ich mir mehr Agierer als Re-agierer. So werden viele visionäre Ideen nie das Licht des WWW erblicken, die letztendlich uns Endverbrauchern zu Gute kommen würden.

  16. Was man in vielen deutschen Foren schon vorsichtig formuliert lesen kann, wird in den USA schon immer lauter: Amazon beobachtet seine eigenen Partner sehr genau. Das dürfte Faktor 11 in der Liste sein…

    According to some small retailers, the Seattle-based giant appears to be increasingly using its Marketplace—where third-party retailers sell their wares on the Amazon.com site—as a vast laboratory to spot new products to sell, test sales of potential new goods, and exert more control over pricing.

    http://online.wsj.com/article/SB10001424052702304441404577482902055882264.html?mod=googlenews_wsj

  17. Pingback: Die Amazon-Formel | Expresstrader

  18. Man möge bei allem Lob für das “Marketplace” Konzept nicht vergessen, in welche Abhängigkeit sich ein Marketplace-Händler begibt:
    Mit dem Einstellen eines neuen Artikels übergibt er alle Text- und Bildrechte unwiderruflich an Amazon. Sobald mehr als ein Händler das Produkt anbietet ist die einzige Differenzierungsmöglichkeit der Preis, erfolgreiche Produkte nimmt Amazon ins eigene Portfolio und unterbietet konsequent alle Marketplace-Händler.

    Die Situation ist vergleichbar mit den Zulieferern von ALDI: Masse unter Verzicht auf Marge bei vollständiger Abhängigkeit.Ob das ein gesundes Geschäftsmodell für die Marketplace-Händler ist?

  19. Pingback: Fundstücke vom 06.08.2012 « daniel rehn – digitales & reales

  20. Hier fehlt mir der (meiner Meinung nach) entscheidende Punkt, den ich bei excitingcommerce auch schon mal beschrieben habe…

    Der größte Vorteil von Amazon sind nach wie vor die Kundenrezensionen, die es in dieser Fülle und Form nirgendwo anders gibt!

    Amazon hätte ohne seine Vielzahl an Rezensionen einfach nicht dauerhaft diese Marktmacht erreichen können.
    Solch eine Vielzahl an Produkt-Rezensionen kann aber nur erreicht werden, wenn man die Artikel vom Verkäufer loslöst, also die Kunden nicht nur den Verkäufer bewerten läßt sondern in erster Linie den Artikel!

    Und gerade an diesem wichtigen Punkt haben eBay, Rakuten, Hitmeister etc. bislang scheinbar nicht viel entgegen zu setzen!

    Schauen wir uns zum Vergleich einmal eBay an…
    eBay leidet keineswegs an seinem Ramschimage… eBay leidet enorm darunter, dass dort zwar die Shops bewertet werden können, nicht aber die Produkte!

    Und genau das macht Amazon aus – der Kunde interessiert sich zunächst mal nur (!) für ein Produkt. Er muss es finden, vergleichen und genau dieses Produkt besitzen wollen.

    Als Kunde kann ich durch Rezensionen erkennen, dass ich ein vermutlich gutes Produkt kaufen werden, bzw. ich kann die Einschränkungen erkennen und Preis-/Leistung abwägen. Das der Händler der mich beliefert entweder Amazon selbst ist oder das Amazon-System zumindest für einen reibungslosen Ablauf sorgen wird, darauf kann ich mich nahezu blind verlassen. Es interessiert mich deshalb auch nicht.

    Kurz: Alles was hinter dem Produkt und dessen Lieferung zu mir steht interessiert mich nicht. Ich will es im Grunde auch nicht kennen oder “erleben”.

    Dies beschreibt eine Kaufvorgang, bei dem keine Probleme bei der Produktauswahl oder der späteren Anwendung auftauchen!

    Und genau hier zeigt sich auch der große Nachteil Amazons. Es gibt keinen individuellen Support für erklärungsbedürftige Artikel. Weder vor noch nach dem Kauf.

    Der Händler (Amazon) kennt die Produkte meist gar nicht, es handelt sich um einen reinen Massenversender (z.B. Online-Apotheken) oder um einen “eingeklingten” Spezialshop der über Amazon auch nicht den Support leisten kann, der in seinem eigenen, spezialisierten System möglich wäre.

    Als Kunde muss ich mich also erst einmal selbst schlau machen, was genau ich denn eigentlch suche und was meinem Anspruch genügen würde (Notebook, Netbook oder gar einen Desktop-Ersatz). Erst danach kann ich die Amazon-Kundenrezensionen auch sinnvoll für mich nutzen.

    Als spezialisierter Nischen-Shop mit Produkten gegen Schwitzen & Körpergeruch leben wir geradezu davon eine komplette “Wissenswelt” rund um Schwitzen & Körpergeruch anzubieten. Problematisch wird es aber, wenn die Kunden unseren individuellen Support und unsere Wissenswelten nutzen um die Produkte dann bei Amazon zu bestellen.

    Doch was tun? Entweder ich schotte mein Wissen gegen Kunden ab die unsere Produkte woanders kaufen (geschützte Support- und Wissensbereiche) oder ich lasse mein Wissen im Netz frei verfügbar und vertraue darauf, dass dieses Know-How Interessenten davon überzeugt auch Kunde zu werden. Aus “Wertschätzung” und um auch dauerhaft von diesem
    Wissen und dem Support profitieren zu können.

    Wenn man von Amazon nicht aufgefressen werden möchte sollte man sich also zumindest um eigene Rezensionen kümmern. So kommen wir bei Google mit http://www.schwitzen.com über die Suchphrase “antitranspirant kaufen” immerhin auf eine Anzeige von über 2.000 positiven Bewertungen – Amazon auf 6.800.

    Nur das unsere positiven Bewertungen sich eben zu 100% auf das Produkt “Antitranspirant” beziehen und nicht auf Bücher, CDs, Shampoos und Kinderwagen. Eine wichtiger Unterschied und für uns ein wichtiges Kriterium um Interessenten auch zu Kunden machen zu können!

  21. Wieso stellen sie jetzt ein bericht von Zdf wieso müssen deutsche immer das schlechte rausnehmen?
    Durch Amazon und Zalando gibt es viele Mitarbeiter die Geld verdienen oder und die beissen in die hand wo sie ihr Futter bekommen wieso sind die deutschen so ich kapier das nicht?

  22. Durch Amazon und Zalando gibt es viele Mitarbeiter bei anderen Handelsunternehmen, die ihre (besser bezahlten) Jobs verloren haben. Wer da wen beisst…

  23.  Die Frage ist nur wer die Zeche für diese hohe “Kulanz” am Ende des Tages zu zahlen hat. Wir versenden verderbliche Ware und mussten nun zum wiederholten Male feststellen, das es Amazon nicht interessiert, ob der Fehler einer Nichtlieferung, Untergang der Ware etc. auf Kundenseite liegt oder nicht. Der Kunde hat Recht auf Kosten des Lieferanten und Schluss. Ich war lange selber “Fan” von Amazon doch so langsam rücke ich davon ab bei Amazon zu bestellen. 

  24. Die Aussage: “ich verstehe bis heute nicht, warum so viele Online-Shops immer noch Versandkosten auspreisen” empfinde ich als Frechheit!
    1. Wer unternehmerisch rechnet, kann von “kleinen” Webshops nicht einfach kostenlosen Versand einfordern – ohne diese in den Ruin zu treiben.
    Amazon mag hier zum einen sicherlich genug Masse an Umsatz haben und andererseits erfolgreich mit dem Versandabo sein, mit dem Geld für die entstehenden Versandkosten rein kommt.
    In der Anfangsphase verkaufte Amazon Bücher mit Preisbindung. Da gab es keine Preiskonkurrenz und ich vermute, dass die Spanne für kostenlosen Versand ausreicht.
    Bei Zalando jedoch funktioniert es nur durch ständig frisches Geld. Seit Jahren auf dem Markt und Millionen von Schulden angehäuft auf Kosten vieler anderer Händler. Wie soll so etwas bei einem Kleinunternehmer funktionieren?
    2. Gibt es genug Untersuchungen, dass Versandkosten bei sehr vielen Kunden kein Bestellhindernis sind. Sie müssen eben im Verhältnis zum Warenwert stehen.
    3. Die Aussage zeigt mir auch wieder die in D grassierende Geiz ist Geil Mentalität auf – Gerade noch regt man sich über die Arbeitsbedingungen bei GLS auf, dreht sich dann aber um und fordert generellen kostenlosen Versand ein.
    Wer soll denn bitte die 4-5 EUR reine Versandkosten (dazu kommen ja noch die Verpackung, Klebefolien, Rechnungsdruck usw) bezahlen? Die sind in der Kalkulation bei der Konkurrenz durch viele Freizeithändler, die immer den billigsten Preis bieten wollen, einfach nicht drin! Das sind echte Nachlässe oder andersrum erzwungener Verzicht auf gesunde Einnahmen.

Leave a Reply


You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>