In diesen Tagen veröffentlichte IT-NRW (das frühere Statistische Landesamt des Landes Nordrhein-Westfalen) die aktuellen Bevölkerungsprognosen für NRW. Danach wird NRW bis 2030 knapp 4 Prozent der Bevölkerung verlieren. Das hört sich nicht gerade dramatisch an, wenn man sich allerdings die Zahlen genauer anschaut, stecken dahinter gravierende Verwerfungen.

Auf der einen Seite die vermeintlichen Gewinner, alles Städte mit entsprechend gesunden Infrastrukturen, namhaften Hochschulen und großen Unternehmen, wie Köln (über 10 % Zuwachs), Bonn (fast 12 %) oder Düsseldorf (immerhin noch annähernd 6 % Zuwachs).
Verlierer sind dagegen die mittleren Großstädte. So wird die Zahl der über 85-jährigen in meiner Heimatstadt Solingen (ähnlich wie in Düsseldorf) um 35 Prozent steigen, während die Gesamtbevölkerung um 8 % zurückgeht. Besonders betroffen ist dabei die Gruppe der 16-19 jährigen, die um haarsträubende 27 % zurückgeht und bei den noch jüngeren sieht es auch nicht viel besser aus.
Ganz heftig trifft es aber die Nachbarstadt Remscheid, die nach dieser Prognose 16 % der Einwohnerschaft verlieren wird. Ein solcher Aderlass kann nicht ohne Folgen für das öffentliche Leben bleiben, besonders da man sich gut vorstellen kann, dass einzelne Stadtviertel noch stärker betroffen sein werden. Wenn wirklich in absehbarer Zeit nahezu jeder fünfte Einwohner fehlt, bedeutet das dann, dass Fußballplätze und Restaurants leer bleiben, dass öffentliche Angebote, wie Schwimmbäder, Theater oder Buslinien eingestellt oder Wohngebiete zurückgebaut werden müssen? Wie können sich gerade die alten und weniger mobilen Menschen dann überhaupt noch am gesellschaftlichen Leben beteiligen? Und überhaupt, wie können Bürger, Politik und Wirtschaft den Wandel mitgestalten? Wie kann die internationale Wissenschaft Unterstützung liefern? Und wie sieht es gar in den Regionen dieses Republik aus, die noch dramatischer vom Bevölkerungswandel getroffen werden?
Diese und viele andere Fragen um Entwicklungen, Risiken und Chancen rund um eine sich ändernde Bevölkerung werden auf der internationalen Konferenz
Rethinking Diversity am 20. und 21. September 2012 in Karlsruhe
neu zu stellen sein.
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