Management neu denken, diskutieren und lehren

Es ist Überschuldung und wirtschaftliche Fehlsteuerung als Folge falscher Unternehmensführung und radikal falscher Strategien. Dieses falsche Management wird seit Jahrzehnten in den Business Schools gelehrt und hat sich wie eine Seuche verbreitet. Es ist auch verantwortlich dafür, dass immer mehr intelligente Köpfe nicht mehr in die Realwirtschaft gingen sondern in die Finanzwirtschaft.

Fredmund Malik im Handelsblatt-Interview

“Nein! Es kann so einfach nicht weiter gehen!” Die derzeitigen Finanzkrise(n) haben sich bis ins gesellschaftliche Mark vorgearbeitet. Wir scheinen also fast alle zu wissen, dass sich dringend etwas verändern muss, doch die derzeit wahrgenommenen Signale aus den Medien reden vom Gegenteil: Es verändert sich rein gar nichts. Mittlerweile geächtete Hedgefonds-Manager verdienen trotz mitverschuldeter Finanzkrise weiterhin ihre Milliarden und spitz formulierte sozialwissenschaftliche Studien belegen, dass Reiche unverhältnismäßig oft zu unmoralischen Handlungen tendieren und dass sie wohl auch in Zukunft so weiterhandeln werden. Eine Gesellschaft und einige Berufsstände werden pauschalisiert. Zwischen macht- und geldgierigen Managertypen und den armen Opfern des Systems scheint derzeit kein Blatt Papier mehr zu passen. Das medial skizzierte Bild suggeriert: Alle Manager sind von Grund auf böse und der Rest zählt sich zu deren Opfern.

Keine leichte Zeit also für eine Hochschule, die den großen Anspruch an sich selbst hat junge Menschen in verantwortungsvolle Akteure gesellschaftlicher Systeme wie Wirtschaft, Kultur und Politik zu verwandeln und die dazugehörigen Studiengänge auch noch mit dem Begriff “Management” betitelt.

Das wir aber trotzdem auf einem guten Weg sind genau diese Herausforderung zu meistern, führt mir – neben der Interaktion mit den Menschen in der Hochschule selbst – auch unser neuer Podcast “Karlsdialoge” vor Augen. In der aktuellen Ausgabe spreche ich beispielsweise mit Frank Widmayer, einem unserer Lehrbeauftragten, der das Thema Personalführung, Organisation und Strategie völlig anders denkt und auch lebt bzw. bereits erfolgreich erprobt hat. In unserem Gespräch streifen wir auch immer wieder die großen Aufgabenstellungen für das 21. Jahrhundert, nämlich wie man Wirtschaft und ihre Zusammenhänge in Zukunft systematisch auf einen fruchtbaren und Boden stellen könnte – und zwar fruchtbar eben nicht nur für die Unternehmensleitung, sondern allen Teilnehmern des jeweiligen Systems.

Welche Modelle auch heute schon tatsächlich funktionieren und erprobt sind und wie man Organisationen und Führung so gestaltet, dass sich die Menschen darin auch wohlfühlen vermittelt Frank Widmayer in diesem Podcast wie ich finde wunderbar. Es geht in diesem und anderen Gesprächen in der Reihe eben nicht darum alles komplett Schwarz oder Weiß zu malen, sondern darum über konkrete Lösungsansätze nachzudenken. Es geht nicht darum große wirtschaftswissenschaftliche Wahrheiten zu verkünden, sondern experimentelle Ansätze offen zu diskutieren und auch einfach mal auszuprobieren. Es geht nicht darum einer bestimmten Theorie stringent zu folgen, sondern konstruktiv das Traditionelle zu hinterfragen und auch mal mit anderen Ansätzen zu kombinieren. Doch was ich persönlich ganz entscheidend finde: Es geht darum den Menschen, mit all seinen Facetten und Wirklichkeitskonstruktionen endlich in den Fokus der Wirtschaftswissenschaft zu rücken. Und es geht darum der gesamten Gesellschaft zu zeigen, dass Wirtschaft und Management tatsächlich auch anders gestaltet, gelebt und gelehrt werden kann.

Nein, es ist nicht alles schlecht.
Nein, es ist sicherlich nicht alles gut.

Aber …
es gibt bereits funktionierende Alternativen.

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