Gauck in der Filterbubble oder wie wir lernten den Kontext zu ignorieren

Autor: Patrick Breitenbach am 20.02.2012

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.

Immanuel Kant

Gestern habe ich zum ersten Mal die Filterbubble hautnah erlebt. Es ist kein neues Phänomen, was plötzlich mit dem Internet daherkommt. Die Filterbubble ist ein generelles Problem von medialer Berichterstattung und medialem Konsum, wenn also tausend Publikationen immer wieder nur von einer einzigen Quelle abschreibt, die wiederum nur Bruchteile der ursprünglichen Geschehnisse wiedergibt. Das gab es auch schon lang vor dem Internet, nur werden solche Bubbles heute dank unreflektiertem Drang zu Echtzeitkommunikation einfach noch schneller und größer aufgepumpt. Es entstehen schlagzeilenhafte Meme, die vorschnelle Urteile über Menschen fällen, die wir gar nicht wirklich kennen, bzw. nur über Dritte, Vierte und Fünfte. Eigenständiges Denken wird uns dank dem eigenen Lieblingsblog oder der Meldung unseres Lieblingsnachrichtenmagazines und diversen Tweets und Retweets unserer “Freunde” zum Glück vollständig abgenommen. So wie auch gestern zu beobachten:

Gestern Abend wurde Joachim Gauck nach langem Hin und Her von den großen Parteien im Bundestag, ausgenommen “die Linke”, zu ihrem neuen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt ernannt. Sehr überrascht war ich dann, als parallel dazu eine Welle von Anti-Gauck-Tweets zum Teil im Bildzeitungsniveau über meine Timeline rollte. Ganz vorne mit dabei einige Mitglieder der Piratenpartei, also der Partei, der ich vor kurzem noch eine innovative Einstellung zur Erneuerung von Demokratie attestiert habe. Immer wieder verlinkt wurden dabei unter anderem folgende überspitzt formulierten (Vor)urteile über Gauck, mit dem Hinweis, dieser Mann sei als Bundespräsident untragbar.

  • Gauck findet Occupy-Bewegung und Bankenkritik “unsäglich albern”
  • Gauck befürworte die Vorratsdatenspeicherung
  • Gauck bezeichnete Hartz4 Proteste als töricht und unangemessen, ist daher “Ein Theologe der Herzlosigkeit”
  • Gauck ist ein Sarrazin-Fan

Die Aussagen sind eingebettet in Beiträge mit polemischer Boulevard-Manier, die man wohl kaum als beobachtenden Journalismus mit Aufklärungsanspruch bezeichnen kann.

“Hää?”, fragte ich mich dann. Kann es sein, dass ich mich mit meinem bisherigen Urteil so getäuscht habe? Schon damals als der Spiegel Online Artikel zu Gaucks Occupy Bemerkung veröffentlicht wurde, kam mir dieser Beitrag widersprüchlich vor. Zum einen war die Überschrift überhaupt nicht im Einklang mit dem geäußerten Inhalt und zum anderen ist mir sehr wohl bewusst, wie Medien manchmal arbeiten, nämlich stark simplifiziert und immer auf der Suche nach einer geeigneten Schlagzeilen-Sensation. Als sich gestern im Laufe des Tages solche Schlagzeilen gegen Gauck mehrten, machte ich aus meiner Verwunderung eine Tat: Ich begab mich auf die Suche nach den jeweiligen Originalquellen, denn die einzigen Artikel, die immer wieder als Quelle zum Beleg und Unterfütterung der Anti Gauck Aussagen verwendet wurden, waren eben die, die eine Quelle fragmentarisch interpretiert haben und sie nicht 1:1 in voller Länge wiedergaben. Oder anders formuliert: Ich vermisse bei diesen Artikeln den Satz davor und den Satz danach, denn der Kontext eines Gespräches ist schon wichtig, um sich ein Gesamtbild des Themas zu verschaffen, gerade wenn Aussagen aus einer Rede oder einer Podiumsdiskussion entnommen werden.

Gauck, so bisher jedenfalls mein Eindruck, ist ein sehr reflektierter Mensch mit der Eigenschaft Themen differenziert zu betrachten, auch wenn – oder gerade weil – er eine sehr prägende Biografie besitzt. Aber genau diese abwägende Herangehensweise wird ihm natürlich bei so fragmentartiger Berichterstattung zum Verhängnis. Wenn er beide Seiten beleuchten will, wird ihm nur eine Seite aus dem Mund genommen und in einen völlig neuen Kontext gelegt. Die große Schlagzeile eben, die am Ende in den Köpfen hängen bleibt. Ich würde ja lachen, wenn es nicht so traurig wäre, dass ausgerechnet die größten Kritiker der Bildzeitung auf die Mechanik des Boulevards reinfallen und die Statements garniert mit entsprechend eigenwilliger Interpretation in die eigene Netzwerke replizieren. Kein Nachfragen, kein Hinterfragen, keine Betrachtung des Gesamtkontextes, nein ich habe es ja in DER einen “Zeitung” gelesen, also ist es auch so wahr.

Doch zu den Fakten. Leider (oder Gott-oder-wer-auch-immer-sei-dank) muss man sich wirklich etwas mehr Zeit nehmen, um Gauck zu verstehen. Von Gauck darf man weder parteipolitische Political Correctness erwarten, noch stark vereinfachte Ein-Satz-Statements. Wie gesagt, Gauck liebt den Diskurs und die Debatte und er besitzt genügend Empathie, um sich in den Gegenüber hineinzuversetzen. Das empfinden viele Menschen, die auf Simplizität und klare politische Richtung gebürstet sind, natürlich als verstörend und zu komplex. Doch kommen wir zu den konkreten Beispielen, die ich bisher gesichtet habe:

Gauck ist angeblich für die Vorratsdatenspeicherung

Es reicht leider nicht, den sehr einseitigen und kurzen Artikel des Standards zu lesen um den gesamten Inhalt der Podiumsdiskussion zu erfassen, daher empfehle ich schon allen, die diese These in den Raum stellen, die Diskussion im Ganzen zu verfolgen. Möglich macht es uns das Internet:

Für die Ungeduldigen: An dieser Stelle spricht Gauck über die Vorratsdatenspeicherung. Er tut das meines Erachtens sehr reflektiert, differenziert und kritisch. Gaucks moralischer Kompass ist streng nach dem deutschen Rechtsstaat ausgerichtet. Das kann man jetzt konservativ oder engstirnig nennen, ganz gewiss kann man ihm aber nicht unterstellen er befürworte eine bedingungslose Vorratsdatenspeicherung. Ganz im Gegenteil, er wägt die Argumente sorgfältig ab und respektiert beide Pole in diesem Diskurs und kommt zu dem Ergebnis, dass ihm bisher ungenügende Fakten vorgelegt wurden, die zu einer Rechtfertigung der Vorratsdatenspeicherung ausreichen. Siehe auch insbesondere an dieser Stelle der Diskussion. Er formuliert noch einmal ganz explizit: Ohne Belege der konkreten Gefahr darf es keine Beschneidung der Grundrechte geben. Sollte aber eine relevante Gefahr vorhanden und belegt sein, führt ein Instrument wie beispielsweise die Vorratsspeicherung nicht gleich automatisch zur Etablierung eines “Spitzelstaates”. Er kann die Angst vor diesem drohenden Szenario absolut nachvollziehen, mahnt jedoch gleichzeitig vor angstgetriebenen Entscheidungen, egal in welche Richtung sie erfolgen.

Wenn ich mir diese gesamte Podiumsdiskussion anschaue, gelange ich jedenfalls zu einer ganz anderen Interpretation, als sie beispielsweise der viel verlinkte Standard-Artikel liefert.

Gauck steht angeblich hinter Sarrazins Thesen
Gauck sei ein Befürworter der Sarrazin-Thesen und damit auch ein ausgemachter Rassist, so die unterschwellige Botschaft, die allerorts die Runde macht, nur weil immer wieder der Tagesspiegel-Artikel mit dem Satzfetzen, Sarrazin habe “Mut bewiesen” kursiert. Gestern erschien zum Glück im Netz das vollständige ein ausführliches Interview von Herrn Gauck mit der Süddeutschen aus dem Jahr 2010. also der urprünglichen Quelle, das gesamte Gespräch. [Nachträgliche Korrektur: Das komplette Interview mit dem Tagesspiegel-Zitat erschien in der Printausgabe des Tagesspiegels selbst, bisher habe ich leider noch keinen Zugriff darauf. Es gibt leider keinerlei Dokument mit dem kompletten Wortlaut des Interviews vom Tagesspiegel, weder Print noch Online. Dennoch zeigt das Interview der Süddeutschen den Bezug zu den Inhalten von Sarrazin, wie folgt beschrieben]

Wenn man sich das gesamte Interview nämlich aufmerksam durchliest, so entsteht wieder einmal – jedenfalls für mich – ein ganz anderes Bild. Zum einen hat Gauck das Buch von Sarrazin nicht gelesen, er distanziert sich auch ausdrücklich von seinen Inhalten, die er über die öffentliche Debatte mitbekommen hat, vor allem in Bezug der biologischen Kausalzusammenhänge. Gleichzeitig nennt er die Ansprache des Themas durch Sarrazin und den damit verbundenen Problemen und den Ängsten bei den Menschen mutig, mutiger jedenfalls als das Thema durch “Political Correctness” zu übertünchen. Auch wenn es sich um eine Provokation zweifelhafter Natur handelt, so sei eine Debatte entfacht worden, die unter streng politisch korrekter Verhaltensweise wohl so nicht zum Vorschein gekommen wäre. Das heißt aber nicht, dass man Sarrazin nicht kritisieren darf, ganz im Gegenteil, es fordert auf über das schwelende Thema zu debattieren. Mut also für den Tabubruch, nicht für seine inhaltlichen Thesen. Diese Meinung kann man nun tragen oder widersprechen, ich persönlich teile Gaucks Ansicht übrigens auch nicht, weil ich den Schritt von Sarrazin einfach nicht mutig finde und man die Thematik auch anders hätte formulieren können und müssen. Was aber meines Erachtens gar nicht geht ist die Stilisierung von Gauck als Sarrazin-Sympathisant oder gar Rassismusverharmloser. Übrigens hat eine Autorin der SZ FAZ bereits Mut bewiesen und ihr Meinungsbild dahingehend öffentlich geändert, nachdem sie erstmals – wie viele andere auch erst gestern oder heute – das vollständige Interview mit Gauck zu der Thematik gelesen hat.

Gauck bezeichnet Occupy-Bewegung als unsäglich albern
Hier bin ich noch auf der Suche nach der ursprünglichen Quelle: Der Aufzeichnung der ZEIT-Matinee Veranstaltung, auf der er das angeblich so gesagt hat. Es wird aber schon bei den Zweitquellen einiges durcheinander geworfen. Nicht die Occupy-Bewegung an sich bezeichnet er als albern, sondern die Forderung nach einer Abschaffung des kapitalistischen Systems und der Marktwirtschaft und zwar im Hinblick auf die Forderung nach Verstaatlichung der Banken. Er selbst hat erlebt, dass die Verstaatlichung der Banken in der DDR kein Garant dafür ist, dass plötzlich alles prima läuft. Aber wie gesagt, ich würde da sehr gerne erst die Urquelle anschauen, bevor ich da eine abschließende Meinung zu bilden kann. Und selbst wenn er die Occupy-Bewegung als naiv mit wenig Zukunft bezeichnet hat, so frage ich mich ernsthaft ob das gleich ein Gedankenverbrechen ist? Es ist ein Beitrag zu einer Debatte, die ich wichtig und wertvoll finde, auch wenn man sie so nicht teilen mag. Ich finde das wesentlich hilfreicher als Politiker, die das in der Kritik stehende System maßgeblich mitgetragen haben und nun die Occupy-Bewegung nach außen hin aus parteitaktischen Gründen bejubeln. Man ist sicher kein Unmensch, nur weil man diese Protestbewegung und die Diskussion über Abschaffung des Kapitalismus als “naiv” empfindet. Sicherlich sind für einen offenen Dialog diese Aussagen (wenn sie denn in diesem Kontext so stimmig sind) wenig hilfreich, aber noch lange kein Grund Gauck als Anti-Protest Hardliner zu installieren.

Update: Hier ein Statement von Gauck bei 3Sat zu Occupy und Protest via Slinfo. Auch die Meinung Gaucks muss man nicht teilen, aber es klingt meines Erachtens schon ganz anders als ihm da zuvor in den Mund gelegt wurde.

Gauck bezeichnet Hartz4-Proteste als “töricht und geschichtsvergessen”
Auch das stimmt so einfach nicht wenn man sich allein nur die Zitatfetzen anschaut. Gauck empörte sich über die Benennung der Hartz4-Demos mit dem bekannten Begriff “Montagsdemonstration”. Für ihn stehen diese Demonstrationen verständlicherweise in einem ganz anderen geschichtlichen Kontext. Er bezeichnete ganz bestimmt nicht den Hartz4-Protest an sich als töricht, sondern den Versuch den parteipolitisch motivierten Protesten die Marke “Montagsdemonstrationen” überzustülpen. Oder wie es rp-online formuliert hat:

Der frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, nannte es “töricht und geschichtsvergessen, wenn der Protest gegen Sozialreformen unter dem Titel Montagsdemonstration
stattfindet”.

Auch dieser Meinung muss man natürlich nicht zustimmen. Gauck aber deshalb soziale Kälte vorzuwerfen und ihn als Gegner von Hartz4-Empfängern und deren Recht auf Protest darzustellen ist einfach nur desinformativer Unsinn.

Ich werde auch weiterhin das Thema verfolgen, weil ich mich ganz einfach so dermaßen ärgere, wie achtlos man gerade in dieser Beziehung mit Informationen und Urteilen umgeht. Gerade diejenigen, die sich als große Kritiker der Bildzeitung bezeichnen, fallen auf die Mechanik des Boulevards herein. Nein, es geht ganz sicher nicht darum Gauck als neuen Heilsbringer zu stilisieren, bei dem nun jedwede Kritik tabu ist. Im Gegenteil, ich empfinde Joachim Gauck als einen der wenigen Intellektuellen in diesem Land, an dem man sich ruhig reiben kann und soll. Nur sollte das eben mit ein bisschen mehr Gehirnschmalz und Verstand geschehen. Sonst haben wir am Ende tatsächlich nur einen glitzernden Grüßonkel als Präsidenten verdient.

Ergänzender Artikel:
Da es mir eher darum ging den Medienmachern und Mediennutzern den Spiegel vorzuhalten, als Gauck in seinen Ansichten zu verteidigen, hier der Versuch das Thema noch mal auf die Ebene einer allgemeinen Medienreflektion zu heben.

Ergänzender Podcast:
Gemeinsam mit Dr. Nils Köbel beleuchten wir im Soziopod in 60 Minuten das Thema Gauck aus den unterschiedlichen Perspektiven und reflektieren noch mal die mediale Kaskade in diesem Zusammenhang.

Updates und ergänzende Links:
Die Süddeutsche greift die Thematik der Verkürzung und Zweckentfremdung auf und formuliert es noch besser als ich es kann.

Auch Cicero schreibt ausführlich über die Stilisierung von Gauck zum Antidemokrat.

Sprachlog: Der böse Gauck und das Netz

Sascha Lobo in seiner Spon Kolumne: Gauck und die Stille Post im Netz




  • newcolln44

    1. Ich glaube nicht, daß man Twitter-Tweeds zu anspruchsvollem Journalismus zählen sollte.
    2. Ich finde, daß Gauck ein eitler Geck ist, der seine Biografie doch ziemlich geschönt hat (oder es zumindest zugelassen hat, daß sie von den Medien geschönt wurde).
    Es tauchen im “DDR-Widerstand” keinerlei Texte auf, die von Gauck gezeichnet wurden. Sein Engagement bewegte sich einzig im Rahmen der kirchlichen, seelsorgerischen Arbeit als Pfarrer.
    Als Mitglied des “Neuen Forums” trat er erst in Erscheinung als das SED-Regime bereits am implodieren war. Was ihn deshalb nicht unbedingt als Bürgerrechts”kämpfer” qualifiziert.
    Sich selbst als  ”linken, liberalen Konservativen” zu bezeichnen, finde ich selbst nach dem Anhören der obigen Originalsendung doch sehr gewöhnungsbedürftig (wobei die Betonung auf “dürftig” liegen sollte).

  • vioxx

    Auch ich bedanke mich für diesen Artikel. 

  • Marc

    Mein Grundsatz seit 22 Jahren: Niemals glauben was gesagt/geschrieben/gesendet wurde.

  • Videohorst

    Vielen Dank dafür. Das war mit Abstand der beste Beitrag zur Person Gauck, den ich bisher gelesen hab. Ich hab seine Biografie gelesen und mich deswegen sehr gewundert über seine angeblichen Zitate. 

  • KAI

    zur Einschätzung der Person Gauck empfiehlt sich vor allem eine detaillierte Aufarbeitung der bis heute ungeklärten Stasi-Vorwürfe gegenüber Gauck. Er selbst schweigt ja beharrlich zu diesen Fragen. In diesem Zusammenhang seien auf das Terpe-Papier und IM Larve verwiesen und wie man in Zeiten der DDR zu einer Dauerwestreisegenehmigung kam, sollte auch gefragt werden. Der Sprengstoff um die Personalie Gauck findet sich nicht im heute, sehr wohl aber in seiner Vergangenheit. 

  • Samuel David Herr

     ”Sollte aber eine relevante Gefahr vorhanden und belegt sein, führt ein
    Instrument wie beispielsweise die Vorratsspeicherung nicht gleich
    automatisch zur Etablierung eines Spitzelstaates.”

    Dem wäre so, wenn es sich bei der Vorratsdatenspeicherung um ein im Bedarfsfalle zu aktivierendes Instrument handelte und nicht um ein präventiv auf ganzer Linie dauerhaft vorhandenes. Davon auszugehen, die gespeicherten Daten würden nur im Falle einer relevanten Gefahr abgerufen, ist ähnlich naiv, als glaube man vorbehaltlos an ein etwaiges Versprechen des Gesetzgebers, durch die vom Innenministerium zur Zeit erfreulicherweise lediglich hypothetisch im eigenen Badezimmer installierte Überwachungskamera würde nie geblickt, solange man sich “anständig” benähme, immer freundlich grüße und nachts nicht verdächtigerweise im Keller das Licht bränne.

    Aber um die jeweiligen Sachverhalte gehts ja hier auch nur am Rande; es wird die im Grunde selbstverständliche Weisheit vermittelt, daß zu jeder Schlagzeile auch ein Kontext gehört und man zur Bildung einer fundierten Meinung mehr tun muß, als nur Tweets zu lesen.
    Wer nicht nur den Mut hat, den eigenen Verstand zu nutzen, sondern auch die entsprechende Fähigkeit bzw. Motivation, braucht solcherlei Gedankenanstoß nicht.

    Trotzdem … ein angemessener Beitrag zu einer im Grunde inhaltslosen Debatte.

  • Ghost

    Im Vergleich zu vielen Massenmedien ein großartiger Beitrag, wie er jedoch eigentlich hätte überall stehen müssen.
    Ich war sehr enttäuscht von vielen Medien zu lesen, wie plump Gauck verunglimpf wurde, schlicht aufgrund einer unreflektierten Woge von Blog- und Twittermeldungen.
    Erinnert mich alles ein wenig an kindliche Argumentationsversuche vor seinen Eltern etwas mit der Begründung zu rechtfertigen:” Die anderen machen das aber auch alle…”

  • Jan Dark

    Nein, er muss nicht verheiratet sein. Und es ist traurig, wenn er es mit seiner Gattin nicht aushält, “bis dass der Tod Euch scheidet”. Aber als evangelisher preister, der deinen Schafen die 10 Gebote predigt, wird man unglaubwürdig,wenn man über so viele Jahre öffentlich die Ehe bricht und nicht klar Schiff macht. Deswegen ist er nicht gleich ein Faschist, aber eben total unglaubwürdig und damit ungeeignet für das Amt.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816585,00.html
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816426,00.html

    Es geht auch nicht darum, ob er seine Konkubine heiratet, sonder nur darum, dass er öffentlich die Ehe bricht und die christlichen Werte verhöhnt als protestantischer Priester.

  • Tweedledidumm

    Zusammenfassend kann man also sagen, dass das Prädikat ’Qualitätsjournalismus’, welches sich manche Printmedien gerne aufdrücken, in der Praxis vollkommen wertlos ist. Herr Breitenbach fordert den geneigten Leser auf, jeden Bericht kritisch zu hinterleuchten.

    Um also umfassend politisch informiert zu sein, muss ich dem Journalisten die Feder aus der Hand nehmen und selbst recherchieren. So erstrebenswert dies auch ist, im Alltag fehlt mir leider die Zeit, dies mit ausreichender Akribie zu betrieben. Was ja auch der Grund ist, diesen Job einem ‘Profi’ zu überlassen und am Kiosk (/im Netz) den einen oder anderen Euro in eine Tageszeitung zu invesiteren.

    Offenbar versagt die Zunft bei der Ausübung ihrer Tätigkeit zusehends, so dass ich wohl dumm sterben muss…

  • Gast

    O toll, “Widerstand vs. True Widerstand”. Gauck hätte wohl nach ihrer Meinung in den Knast gemüsst, damit er als unbequem gilt. Es gab nicht DEN EINEN Widerstand.

  • Pingback: Anonymous

  • Pingback: Netz macht Meinung, oder: Wie ich in die Verkürzungsfalle ging » Netzgemeinde, Sozialstaat, Meinungsmache, Medien, Demokratie, Bundespräsident » Mein Wa(h)renhaus

  • leser

    ein sehr hübsches qualitätskommentar hat jemand neulich dazu abgegeben: https://twitter.com/#!/tagesshow/status/171935042719850496

  • Pingback: Nicht mein Präsident: Gute Gründe gegen Gauck bei Metronaut.de – Big Berlin Bullshit Blog

  • Michelmeier

    Ein teiidentischen und längeres interview wird von der sz automatisch als ähnlich angeboten…
    http://www.sueddeutsche.de/politik/gauck-gespraech-von-die-leute-muessen-aus-der-haengematte-aufstehen-1.1288292

    Da sieht man sehr deutlich wer namentlich & postiv erwähnt wird und wer diffus & abwertend…

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  • Zitato

    Gut recherchiert und gut geschrieben. Dies ist einthema, für das immer und immer wieder sensibilisiert werden sollte. Es stellt m. M. das größte Missbrauchspotenzial der vierten Macht dar. Einfache Lügen fliegen auf. Irreführende Zitate bleiben allerdings kleben…

    Ich würde einiges Zahlen für eine Online-Zeitung ohne irreführende Schlagzeilen und irreführende Zitierungen.

  • Sopran

    @fd825fd419fc4d1046511d975ea12eaf:disqus Es ist Aufgabe der Medien, Aussagen zusammenzufassen. Das gelingt mal besser und mal schlechter. Niemand muss selbst recherchieren, aber es wäre schön, wenn die, die mit dicken Backen Meinungen durchs Netz posaunen, sich zumindest der Grundlagen ihrer Meinungsbildung bewusst wären.

  • Martin Schodlok

    Der Supergauck: Zwangsheirat für den Bundespräsidenten?
    (Kolumne von Sabine Schiffer)

    https://www.facebook.com/pages/Institut-f%C3%BCr-Medienverantwortung/116854334991466Netzschau: “Vorwürfe gegen Gauck online”

    “Meinungsführer
    verbreiten Vorwürfe gegen Joachim Gauck”, so Sonja Schünemann von
    heute.de. “Sie beruhen auf verkürzten oder falschen Zitaten.” Twitter
    reiche nicht, um einen Menschen einzuschätzen.

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1573816/Netzschau-Vorwuerfe-gegen-Gauck-online?bc=kua884718#/beitrag/video/1573816/Netzschau-Vorwuerfe-gegen-Gauck-online

  • marianne013

    Es fällt auf, dass Gauck schon vor seiner Wahl wesentlich tiefer gehende intellektuelle Debatten auslöst als der brave Parteikarrierist Wulff. Gut so! Das kann erfrischend für uns alle werden, die wir uns für den politischen Laden interessieren.

  • Lennart K

    Wow, super Artikel, werde ihn gleich mal in die Schleswig-Holsteinische Diskurs Liste  von uns Piraten streuen.

    VIELEN DANK

    Gruß Lennart

  • http://twitter.com/Konrad Konrad Neuwirth

    Letztlich war ich zutiefst verwundert darüber, dass ein Mensch, der selbst jahrelang Opfer der Stasi war und der über viele Jahre jene Behörde leitete, deren Aufgabe die Aufarbeitung dieses Unrechts war, keinen differenzierten Standpunkt zur VDS haben sollte … 

  • Pingback: Gauck als nächster Bundespräsident – lieber nicht « Abwaschbar

  • http://www.facebook.com/SebastianG63 Armin Sebastian Andreas Gruber

    Sehr interessant, und doch kaum differenziert, oder? Ich habe jedenfalls auch schon ehrlicher und weniger propagandistisch zu lesen gesehen… zum Beispiel an dieser Stelle: http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/kultur/2012-02-21/der-boese-gauck-und-das-netz

  • Patrick Breitenbach

    Den Artikel hatte ich bereits in meinem Beitrag verlinkt. Und unter “propagandistisch”, verstehe ich ehrlich gesagt etwas anderes.

  • Pingback: Gauck | Nordstadt

  • Pingback: Vergauckeiert : others Blog

  • http://www.facebook.com/SebastianG63 Armin Sebastian Andreas Gruber

    Witzige Anmerkung. Ich hätte ja beinahe das hier als eine Form vorbehaltloser pro Gauck Propaganda verstehen wollen und mir bereits angefangen die Frage zu stellen, ob das von einem der vielen rührigen FDP-Evangelisten verfasst wurde. Gut zu wissen, daß das so nicht gedacht war. Naja, wie man sich doch irren kann! Und dennoch, jemand bereits als möglicher Kandidat derart polarisiert, wie ein Herr Gauck, ist möglicherweise nicht wirklich ein geeigneter Kandidat für das Amt eines Bundespräsidenten. Und siehe da, auch in der Politik regt sich in dieser Hinsicht bereits einiges an Unsicherheit was die Person Gauck angeht. Ganz so eitel Sonnenschein, wie die Bild-Zeitung einen Gauck bereits vorab als Bundespräsidenten abfeiert, wird es dann um die Person wohl doch nicht werden?! Ich persönlich frage mich jedenfalls, wie lange kann dieser Mann denn unbeschadet im Amt verweilen, bevor wir uns wiederum nach einem neuen Kandidaten werden umsehen müssen? Und ist er dann überhaupt ein geeigneter Kandidat?

  • Pingback: blog.konstantin-goerlich.de » Wer sich in die Quelle begibt, kommt darin um.

  • Patrick Breitenbach

    Finde ich gut und empfehle auch gleich alle angegebenen Zusatzlinks im Beitrag von den Kollegen. Dann wird das noch runder. 

  • Florenz Villegas


    ganz gewiss kann man ihm aber nicht unterstellen er befürworte eine bedingungslose Vorratsdatenspeicherung”

    Hoppla, wo stand denn etwas von “bedingungslos”. Diese Einschränkung zeigt doch, dass er grundsätzlich dafür ist. Nur halt unter gewissen Bedingungen. Wenn ich aber selbst schon meinem eigenen Staat “Bedingungen” stelle, kann ich mich auch nicht verlassen, dass er sich auch daran hält. Es gibt kein “bisschen” VDS. Herr Gauck meint also, unter gewissen Voraussetzungen könnte die VDS gerechtfertigt sein. Er ist in einem Staat aufgewachsen, der VDS mit geringeren technischen Möglichkeiten betrieben hat.

    Aber natürlich kann man aber die DDR nicht mit der Bundesrepublik vergleichen… 

    Halt, doch, kann man. Geht es um die Occupy-Bewegung, dann dient die DDR plötzlich als Vergleichsoption, denn schließlich standen die Banken dort unter staatlicher Kontrolle und das hat ja auch nichts gebracht, was die Forderungen der Occupy-Bewegung belanglos macht? Träumerisch? Unsäglich albern? (Ja, die Forderungen oder Ideen, nicht die Bewegung selbst, natürlich)

    Natürlich hat er Gauck Verständnis, wenn Arbeitslose und Hartz IV-Empfänger (nein, das ist nicht zwangsläufig dasselbe), um ihre Existenz bangen. Aber wehe, sie protestieren dabei unter dem Gütesiegel “Montagsdemonstration”. Das geht nicht, das macht es töricht und geschichtsvergessen. Die Beurteilung, was wichtig genug ist, um diese Bezeichnung zu verdienen obliegt … ja, wem?

  • Mezera

    Vielen Dank für Ihren Artikel,
    da ich von Herr Gauck bis vor kurzem noch nie etwas gehört hatte und mich informieren wollte (erst über Wikipedia, dann über Zeitungen etc.) entstand ein vollkommen Gegensätzliches Bild von ihm und ich war nachher nur verwirrt statt weiser. Dieser Beitrag von Ihnen hat mich ein ganzes Stück weitergebracht.
    Danke und Gruß,
    Mezera

  • Holger Gundlach

    Danke, Patrick Breitenbach! Dies Plädoyer unverfälschte Zitate war dringend notwendig – nicht Gaucks wegen, sondern zum Nutzen der Berichts- und Diskussionskultur.

  • Holgergundlach

    Korrektur
    Richtig muss es heißen: Danke, Patrick Breitenbach! Dies Plädoyer *für* unverfälschte Zitate war
    dringend notwendig – nicht Gaucks wegen, sondern zum Nutzen der
    Berichts- und Diskussionskultur.

  • Stephanie Mahl

    die Bemerkung über die Occupy Bewegung ging meiner Erinnerung nach als direkt mit geschnittene Aussage irgendwo über den Äther: Radio (SWR3 ?) eventuell auch Fernsehnachrichten. Vielleicht da mal recherchieren. Ich weiß nur noch, daß ich mich tatsächlich richtig geärgert hatte, weil ich Gauck bis dato für intelligent und reflektiv gehalten hatte, die Äußerung mir 
    aber  nur dumm und unreflektiert erschien. 

  • Arne Babenhauserheide

     Oh, wow. Die bösen Meinungsführer. Ähm, Moment. Meinen die Mich? Ich schreibe ja auch im Netz Dinge über Gauck, die der nicht hören mag.

    Und die beruhen darauf, mich über eineinhalb Jahren immer wieder mal länger selbst Informieren. Puh, also meint Sonja Schünemann wohl doch nicht mich.

    Aber wen meint sie dann? Kann sie sehen, ob ein twitterer sich vorher informiert hat oder nicht?

  • Arne Babenhauserheide

     Na die würde er ja wohl auch kaum in seine Biografie aufnehmen…

  • Arne Babenhauserheide

    Du sagst es doch schon: Freiheit ist ein *Bestandteil* der Menschenwürde.

    Sie reicht aber nicht aus.

    Menschenwürdig Leben dürfen heißt nicht, das man sich das auch leisten kann.

    Du hast gefragt, gibt es etwas größeres. Und ja: In Deutschland steht Menschenwürde über individueller Freiheit.

    Das heißt zum Beispiel, dass ich nicht die Freiheit habe, alle meine Freiheiten zu verkaufen. Weil ich dann nicht mehr in Würde leben könnte.

  • Haha

    “Widerstand” mit Westreisegenehmigung und Übersiedlung der Kinder in den Westen? Lächerlich!

  • http://www.facebook.com/people/Gerd-Görtz/100000019464299 Gerd Görtz

    Kann es sein, dass die occupyer nur kostenlos vor der EZB kampieren wollen?

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  • Michael

    Genau so sollte Recherche sein; dauert vielleicht ein bisschen – aber soviel Zeit muss sein. Danke.

  • http://www.facebook.com/profile.php?id=1756609513 Yann Hel

     Nein. Setzen sie sich lieber mit dem Zinssystem auseinander dann verstehen sie warum man demonstrieren muss. Das Zinssystem ist die Umverteilung von fleißig nach Reich. Menschen die etwas erwirtschaften sind durch Kredite den Geldinstituten etwas schuldig. Die Geldinstitute schaffen keinen Mehrwert erwirtschaften aber den meisten Gewinn. Merken sie was?

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  • wschira

    Also ausgerechnet einen rechten Hetzer wie Heitmeyer als Referenz anzugeben, zeigt wirklich, aus welcher Ecke Ihr Kommentar kommt.

  • wschira

    Es ist schon bezeichnend, dass Sie solche braune Jauche mit einer milden Rüge durchlassen.

  • Aniratak

    “…, weil ich mich ganz einfach so dermaßen ärgere, wie achtlos man gerade in
    dieser Beziehung mit Informationen und Urteilen umgeht.”
    Ich ärgere mich darüber auch, aber nicht nur oder gerade in dieser Beziehung, sondern in jeder Beziehung! Es wird über so vieles auf eine Art und Weise berichtet, die schlicht als tendenziös, wenn nicht gar als populistisch zu bezeichnen ist. Sorgfalt und Aufrichtigkeit werden jedenfalls allzu oft beiseitegeschoben zugunsten reisserischer, auflagensteigernder “Bericht”erstattung!
    Wer – ausser dir* – macht sich noch die Mühe seriöser Recherche? Und informiert darüber, auch wenn die Ergebnisse der Recherchen nicht zwingend zu einfachen Schlüssen führt? Ich wünsche dir eine grosse und wachsende Leserschaft!
    Herzliche Grüsse,
    Katarina

  • wschira

    Herr Breitenbach, auch Sie sollten nicht das tun, was Sie kritisieren. Herr Hoffmann hat nicht gesagt, dass Herr Gauck Stasi-Mitarbeiter war, sondern Stasi-Begünstigter. Das ist etwas vollkommen Anderes. Aber angesichts verschiedener Privilegien, die Herr Gauck in der DDR genoss (beispielsweise Empfang eines VW-Busses, ob er ihn bezahlt hat, ist umstritten, oder Einordnung als Westreisekader, was für einen normalen Bürger der DDR absolut unmöglich war, geschweige denn für einen “Bürgerrechtler”) können Fragen über die menschliche und politische Einordnung von Herrn Gauck schon aufkommen.

  • wschira

    Wer, bitte schön, ist denn die Birkler-Behörde?:-) Sollten Sie die Birthler-Behörde meinen, so stimmt die Meldung des Spiegel wohl, aber meines Wissens hat Herr Kohl in weiteren Klagen die Herausgabe seiner Akten verhindert.

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