Informationsmanagement 2.0

Als Martin Luther am 26. April 1518 im Hörsaal der Artistenfakultät an der Universität zu Heidelberg seine erste große Disputation abhielt, konnte er wohl kaum geahnt haben, welche dramatischen Wogen seine Ideen, die er der Legende nach wenige Monate zuvor, am 31. Oktober 1517, in Form seiner 95 Thesen an die Türen der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben soll, im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation auslösen würde. Ich meine nicht den 30-jährigen Krieg und andere Reformationskriege, sondern die vielschichtigen geistigen und kulturellen Reformen, die er ganz unabhängig von den Konfessionen auslöste, und die nicht zuletzt in der Aufklärung, der für mich wichtigsten geistig-sozialen Errungenschaft des letzten Jahrtausends, mündeten.

Ganz so wild treiben wir es mit dem Disput nicht, der in alter Tradition der Buchreihe “Die Neue Führungskunst” auch den aktuellen gerade im Düsseldorfer Symposion erschienenen Band “Informationsmanagement2.0” abschließt. (Herzlichen Dank an Florian Bernard, der ihn schon an anderer Stelle vorgestellt hat).

Wie schon in anderen Beiträgen an diese Stelle erläutert, geht es auch dieses Mal nicht darum, dass sich die Herausgeber die Köpfe einhauen, sondern es geht darum, die jeweiligen Positionen des Bandes noch einmal kritisch zu hinterfragen. Für mich ist der Disput, den wir kurz vor Vorwort und Klappentext verfassen, das Highlight meiner Herausgebertätigkeit – und ich glaube, dass es meinen Mitherausgebern genauso geht. Ich habe jedenfalls eine geradezu diebische Freude daran, einmal quer gedachte Positionen abseits wissenschaftlicher Konventionen zu vertreten, die Grenzen des Wissenschaftlichen abzutasten, ohne aber den Raum der Wissenschaft ganz zu verlassen. Besonders reizt es mich den “Agent Provokateur” oder “Advocatus Diaboli” zu spielen, um die Leserschaft dabei im Unklaren zu lassen, ob ich es wirklich so meine, wie ich es sage, oder auch nicht. Das, und das ist mein Ziel, nötigt die Leser, eigene Perspektiven zu entwickeln und eigenen Positionen zu vertreten.

Wir gehen bei bestem Willen nicht davon aus, dass unser Disput eine solche dramatische Wirkung hat, wie Luthers Heidelberger Disputation, die nicht zuletzt über die Disputaten als kritische “Multiplikatoren” die Reformation in Badische und den ganzen Südwesten brachten. Uns reicht es, wenn die Leser Freude beim Lesen und idealerweise ein kleines “Aha-Erlebnis” haben. Und wenn’s ganz gut läuft, schaffen wir es, dass sich die “Scientific Community” oder die “Business Community” an unseren Thesen reiben.

<Hier geht es zum Disput!>

Kritische Kommentare und freundliche Weiterempfehlungen sind ausdrücklich erwünscht.

Siehe auch:

Das Vorwort zum Band Informationsmanagement 2.0
Kultiviert Streiten
Ein liebgewonnenes Ritual

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