Von der Geschichte des Geldes zur Geschichte der Geldherrschaft?

Leben wir tatsächlich in einer Plutokratie, also einer jahrtausend alten Idee, dass eine wenige Vermögende die Welt mit ihrem Reichtum beherrschen? Angesichts der zunehmenden bzw. nicht abbrechenden Occupy-Proteste in aller Welt, die allerdings nicht, wie oft in den Medien stilisiert wird sich unmittelbar gegen die Banken und das Geld richtet, sondern unser derzeitiges System in Frage stellt, mag sich der Eindruck einer Plutokratie gerade durch die sloganhafte Aussage “Wir sind die 99%” durchaus bestätigt anfühlen. Aber die Gegenwart allein und ihr medial erzeugtes Kurzgefühl in Form von vereinfachten Slogans und Schlagzeilen sind oft etwas zu wenig und zu kurz gedacht. Spannend wird es vor allen dann, wenn man sehr weit in die Kulturgeschichte zurückreist und sich die Anfänge unserer heutigen Wirklichkeitskonstruktion betrachtet und letztlich den Lauf der Geschichte nachvollzieht. Robin Upton, ein Freidenker, Programmierer und selbsternannter Exzentriker und Altruist, skizziert auf dem letztjährigen Chaos Communication Congress in Berlin die kulturanthropologische Geschichte des Geldes, der Banken, Unternehmen und Schulerziehung und beschreibt somit provokativ auch ein plutokratisches System der Banken.

Ob das nun alles stimmt, was Mr. Upton da erzählt oder ob man da noch einige Perspektiven beachten muss überlasse ich jetzt allen die sich diesen Vortrag angesehen haben und die ganz nach Kant mutig genug sind, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Denn Wissen und Wahrheit lässt sich bekanntlich am besten per Diskurs in großer Gruppe konstruieren.

2 comments Write a comment

  1. Ist es denn der richtige Weg, das System in Frage zu stellen, vor allem, wenn man in der Geschichte zurück geht und kulturanthropologisch argumentiert. Das eine folgt aus dem anderen, so ist es auch sytemisch. Mir fallen die Thesen des Mannheimer Literaturwissenschaftlers Jochen Hörisch ein, der gezeigt hat, dass in unserer Gesellschaft die Münze die Hostie (nicht nur in ihrer physischen Form, sondern auch) in ihrer spirituellen Bedeutung ersetzt hat, oder genauer, dass sie zum alternativen Ziel eines Sinn suchenden, und zwar kontemplativen Handelns geworden ist.

    “Don’t feed it!” Wahrscheinlich stehen im neuen Jahr  die Zeichen auf Aufbruch :-) 

    “Ich beschäftige mich nicht mit dem, was getan worden ist. Mich interessiert, was getan werden muss” (Marie Curie). Deshalb würde ich vielleicht nicht gleich das System ansprechen, sondern unser konkretes Handeln.    

  2. Patrick Breitenbach

    Ein System ist in erster Linie erst einmal das was es ist und es ist vor allem nicht greifbar und somit auch fließend. Ein System überhaupt in Frage zu stellen bedeutet doch auch gleichzeitig es ein Stück weit zu verändern, denn wir machen uns dadurch hoffentlich auch unsere eigene Rolle darin bewusst, was wiederum Auswirkungen auf unsere Haltung und unsere Handlungen hat. In der systemischen Thearpie ist der Blick auf das System ein entscheidender Vorgang, denn man erkennt die Beziehungszusammenhänge und kann somit auch Lösungswege für einen selbst erkennen. Die Auseinandersetzung mit dem Status Quo ist also gleichzeitig der Start für eine bewusste Veränderung des Systems, denn plötzlich haben sich ja auch Parameter verändert (vor allem im ersten Schritt die Wahrnehmung: Wenn ich mich auf rote Autos konzentriere nehme ich plötzlich ganz viele rote Autos in meiner Umgebung wahr usw.)

    Aber klar, ein System lässt sich sowieso nur durch das eigene Handeln verändern. Man kann ein System nicht “von außen” lenken oder formen, es gehören immer alle Teilnehmer dazu. Man kann auch kein System abschaffen oder einfach mal so von heute auf morgen ersetzen (höchstens sprachlich, darüber können wir ja gerne mal podcasten)

    Aber ich denke schon, dass die Gesellschaft derzeit an einen Punkt angelangt ist, wo sie sich fragen muss, wie sie mit dieser globalisierten Welt plus technologischen Entwicklung in gefühlter Lichtgeschwindigkeit weiterläuft und ob wir es einfach geschehen lassen wollen oder aktiv die Welt durch kritische Diskurse mitgestalten möchten und zwar so, dass wir für alle Systemteilnehmer größtmögliche – auch wenn es irgendwie abgegriffen klingt – Win-Win-Perspektiven schaffen.

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