Energiemanagement: Was mir so auffiel…
Autor: Prof. Dr. Lutz Becker am 3.08.2011Nun war ich ja einige Tage an der Nordsee unterwegs. Überall sieht man Windräder. Das ist auch gut so. Merkwürdig ist nur, dass diese Windräder offensichtlich wie Kraut und Rüben und ohne jegliches erkennbare System in der Landschaft herumstehen.
Das erinnert mich an ein Windradprojekt in meiner Heimatstadt Solingen. Dort will ein ansässiger Landwirt ein Windrad bauen, das immerhin fast so hoch sein soll wie der Kölner Dom. Auch da wäre nichts gegen zu sagen, stände dieses Windrad nicht am Rande eines der schönsten Erholungsgebiete NRWs. Und den Ärger der Anlieger (ein Windrad ist nun einmal laut) kann man auch verstehen.
Warum frage ich mich, muss denn einmal wieder landschaftlich wertvolles Gebiet zersiedelt und die Lebensqualität der Bürger (die ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor ist) eingeschränkt werden, wo es an anderer Stelle genug Brachen und ökologisch weitgehend totes Gebiet gibt? Hier wird der gleiche Fehler gemacht, den ich an anderer Stelle schon einmal bemängelt habe: Man zerstört auf der einen Seite wertvollen Kultur-, Lebens- und Erholungsraum, während an anderer Stelle (im konkreten Fall z. B. in Leverkusen oder im Ruhrgebiet) teils riesige Industriebrachen auf Nutzung warten.
Warum baut man, so frage ich mich, die Windräder nicht entlang der Magistralen, die ohnehin schon ökologisch weitgehend tot sind, entlang von Autobahnen, Bahnstrecken und kanalisierten Schifffahrtswegen? Dort hätte man bereits einen Backbone, der quasi nach Belieben ausgebaut werden könnte. Industriegebiete hätten als Standort den Vorteil, dass auch hier bereits eine gewisse Infrastruktur verhanden sein sollte, und dass der Strom zumindest in Teilen dort erzeugt wird wo er gebraucht wird. Bedeutet erneuerbare Energie wirklich, dass Kultur- und Naturraum Propellern und Hochspannungsleitungen weichen muss? Mir jedenfalls scheint es so, als fehle es vor lauter Windkraft-Euphorie an einer wirklich durchdachten und eine ganzheitliche Perspektive einnehmenden Gesamtplanung.
So liebe Energiemanagement Studenten, wie kann man diese Kuh vom Eis bekommen?
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