Karlsgespräche Podcast: Prof. Dr. Leisinger – Corporate Responsibility in Zeiten der Globalisierung

Ein beeindruckender und zum Teil wirklich überwältigender Vortrag, den Prof. Dr. Klaus M. Leisinger gestern bei uns im Rahmen der Karlsgespräche, zum Thema “Corporate Responsibility in Zeiten der Globalisierung” gehalten hat. Überwältigend deshalb, weil Prof. Leisinger sehr klar und deutlich die enorme Komplexität im Zusammenhang von unternehmerischer Verantwortung bei international agierenden Unternehmen aufzeigen konnte. Die Verschiedenheit der Kulturen und Geisteshaltungen, die unterschiedliche Bewertung von ethischen Richtlinien und die Diskrepanz von Legalität und Legitimität und fehlendem, sichtbarer ethischer Reputationsgewinn macht das Thema Corporate Responsibility zu einem hochkomplexen und manchmal auch etwas frustrierendem Unterfangen. Wer als Unternehmen meint, er handele bereits jetzt international verantwortlich, der nehme das Thema nicht wirklich ernst, so Leisinger in seinem Vortrag.

Gleichzeitig appellierte er aber auch an die zumeist sehr jungen Zuhörer bei einfachen Problemen ganz genau hinzusehen, weil sich dahinter meist eine enorme Komplexität verbirgt, die man in diesem Zusammenhang gerne mal schnell ausblendet. So kann ein schnelles Verbot von Kinderarbeit in bestimmten Ländern dazu führen, dass sie Familien (die ja ihre Kinder nur deshalb zur Arbeit schicken, weil das Familieneinkommen zum überleben nicht ausreicht) dazu zwingen andere Wege zu gehen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, bzw. sie letztlich dadurch kurzfristig noch mehr verarmen. Das wirkliche Ziel in diesem Zusammenhang, nämlich den Kindern eine Schul- und Ausbildung zu organisieren, geht bei solchen Schnellschüssen einfach unter. Daher erfordern komplexe Probleme, komplexe und kreative Lösungsansätze. Das bedeutet aber auch für Unternehmen, dass solche Maßnahmen zur Umsetzung von ethischer Verantwortung sehr kostenintensiv ist. Doch Prof. Leisinger berichtete von einigen Beispielen, bei der gerade eine solche komplexe Lösung auch wirklich gelungen ist.

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Interessant fand ich auch sein glasklares Statement: Man kann als Unternehmen nicht nur ein bißchen integer sein. Entweder man ist es oder nicht. Rundherum ein gelungener multiperspektivischer Vortrag, der einen wirklich über den eigenen Tellerrand hinausblicken ließ und auch noch im Nachklang zahlreiche Gespräche initiierte.

Zum nächsten Karlsgespräch am 26. Oktober 2010 um 19 Uhr begrüßen wir die Wirtschaftsjournalistin und Schriftstellerin Sibylle Krause-Burger mit dem Thema “Die Medien – eine fremde Welt?”