Master “On the Job”
Autor: Prof. Dr. Lutz Becker am 26.08.2010Hin und wieder werde ich gefragt, was das Ausbildungsziel unseres Masterstudiums “Leadership” sei, und welche Berufperspektiven die Studierenden haben.
Am Anfang des Masterprogramms stand nicht die Frage, welche Theorien vermittelt werden müssen, sondern die Frage nach einem Menschenbild: Was müssen Menschen können und wollen, wenn sie in einer sich schnell drehenden Welt – nicht der Welt von heute, sondern der von morgen – Erfolg im Beruf haben wollen.
Bei der Konzeption des Masters war es uns wichtig, vielseitig interessierten, akademisch hervorragend ausgebildeten Führungsnachwuchs zu bilden (nicht: auszubilden). Keine Spezialisten, keine Funktionsträger und erst recht keine Fachidioten, sondern Menschen, die sich schnell in unterschiedliche Situationen und Projekte einarbeiten. und diese eigenverantwortlich und im Team zum Erfolg führen können. Menschen, die Veränderung nicht als Bedrohung, sondern als Chance sehen, Zeichen zu setzen. Wie in unseren Bachelorprogrammen ist “Employability” auch beim Master das Maß der Dinge.
Wir stellen mit unseren Master-Absolventen dem Arbeitsmarkt akademisch hoch qualifizierte Studierende zur Verfügung, die in ihren Unternehmen und auf interkulturellem Parkett unterschiedlichste Führungssituationen bewältigen können. Natürlich sind unsere Absolventen noch keine fertigen Führungskräfte, dazu fehlt natürlich ein ganzes Quentchen Erfahrung. Aber sie haben Fähigkeiten erworben, die ihnen den Einstieg in eine Führungsaufgabe in Unternehmen und anderen Organisationen ermöglichen und erleichtern.
Ich erinnere mich noch an eine Diskussion mit Michael Zerr, bei der wir lange und intensiv darüber geredet haben, welche Typen von Mitarbeitern Unternehmen wirklich nach vorne bringen. Welche Qualifikationen und Fähigkeiten hatten die Mitarbeiter, die unsere Unternehmen weitergebracht haben? Welche Mitarbeiter haben zum Beispiel mit ihm zusammen Yello Strom an den Start, nach vorne und schließlich an die Börse gebracht und dabei wirklich persönlich etwas bewegt? Eines war klar, spielentscheidend waren nicht die angepassten Mitarbeiter, die neun bis siebzehn Uhr funktioniert haben. Es waren die kritikfähigen Denker, die uns einen Spiegel vorgehalten und Entscheidungen hinterfragt haben, um eigene Ideen und Vorschläge einzubringen. Mitarbeiter, die im Zweifel keine Türe brauchten, wenn eine Wand da war. Die bereit und waren, Verantwortung zu übernehmen und dabei ihre Kollegen mitzunehmen. Was die Arbeitgeber von der Karlshochschule also nicht erwarten können, sind gut funktionierende Ja-Sager und frisch geölte Rädchen im betriebswirtschaftlichen Getriebe. Wir bemühen uns, unseren Studierenden die Fähigkeit zu vermitteln, kritisch zu sein und Regeln in Frage zu stellen – aber zugleich auch Aufrichtigkeit und Commitment zu zeigen sowie erfolgreiche Teams zusammenzuschweißen – eben junge engagierte Menschen mit echtem Führungspotenzial.
Bei allem Anspruch kommt auch das Handwerk nicht zu kurz. Die Studierenden lernen zum Beispiel wie man Führungssysteme konzipiert (Modul” Conceptual Leadership”), erfolgsorientiert und mit (Kenn-) Zahlen führt (Modul: “Leading vor Results”), organisatorische Herausforderungen bewältigt (Modul: “Structuration”), in Meetings brilliert (Modul: “Organizational Rhetorics”) oder das Untternehmen nach Aussen (Modul: “Business Communication”) vertritt.
Bei der Konzeption des Programms wurde uns schnell klar, dass wir diese Ziele weder mit einem rein akademisch Vollzeitmaster (ohne Praxisanteile) noch mit einem dualen (Teilzeit-) Master erfüllen können. Wir haben deshalb für einen “dritten Weg” entschieden: Im ersten Studienjahr werden die akademischen Grundlagen Vollzeit vermittelt, während das zweiten Studienjahr durch eine intensive Praxisphase bestimmt ist, die von kompakten Blöcken an der Hochschule untermauert wird. Das erste Studienjahr dieses Postgraduiertenstudiums steht also ganz im Zeichen der akademischen Bildung während im zweiten Studienjahr der Transfer in das aktive Berufsleben erfolgt. Die Studierenden sind im dritten und vierten Semester die überwiegende Zeit in einem Unternehmen, einer anderen Organisation oder, je nach Interessenlage, im Rahmen eines (Forschungs-) Projektes tätig.
Diese Praxisphase ist bewusst nicht als Praktikum gedacht. Ein reines Praktikum mit Praktikumsbericht wäre uns auf Masterlevel einfach zu dünn vorgekommen. Der Masterstudiengang „Leadership“ hat bei aller Anwendungs- bzw. Praxisorientierung eine sehr deutliche Forschungskomponente. Die Forschungsarbeit der Karlshochschule fokussiert sich auf Theorie-Praxis-Transfer in der (internationalen) Unternehmensentwicklung sowie in der interpretativen Managementlehre. Es wird von den Studierenden erwartet, dass ihre Arbeiten zu einem signifikanten Erkenntnisgewinn für beide, Unternehmen und Hochschule, führen. Die Studierenden sollen daher bevorzugt aktuelle und neuartige unternehmerische Fragestellungen untersuchen und dabei aktuelle Forschungsmethoden und –ergebnisse anwenden, um Lösungen für die Praxis zu entwickeln. Idealerweise sollten diese Erkenntnisse auch generalisierbar, das heißt, auch auf andere Organisationen oder Situationen anwendbar sein.
Im Rahmen des On-the-Job Assignments sollen die Studierenden also eine neuartige oder bislang ungelöste betriebliche Fragestellung mit Hilfe der im Studium erworbenen Methoden bearbeiten und in Form einer wissenschaftlichen Research Papers schriftlich dokumentieren. Das heißt, die Studierenden bekommen von ihrem Auftraggeber eine Aufgabe (bzw. die Verantwortung für ein Projekt), die sie sowohl praktisch als auch wissenschaftlich eigenverantwortlich lösen müssen. Sowohl das Projektdesign (bzw. Research Design) als auch die Forschungs- und Projektergebnisse sollten sowohl akademisch fundiert, als auch für die Unternehmenspraxis von Nutzen sein.
Dafür steht den Studierenden während des Studiums neben den betreuenden Professoren in der Regel eine erfahrene Führungskraft, der Professional Advisor, als Pate, Mentor beziehungsweise Coach zur Seite.
Kommen wir nochmals auf das Thema “Employability” zurück. Für die Unternehmen, die sich schon bei der Auswahl besonders qualifizierter Absolventen eines betriebswirtschaftlichen Bachelorprogramms für die den Master “Leadership” an der Karlshochschule beteiligen, um “ihre” Studierenden möglichst vom ersten Tag an zu begleiten, bedeutet das nicht nur, dass sie sich Zugang zu besonders qualifiziertem Nachwuchs (High Potentials) sichern, sondern dass sie in dieser Zeit eine besonders intensive Zusammenarbeit mit der Hochschule pflegen können. Der direkte Draht zur Hochschule ermöglicht nicht nur einen, für die Unternehmen sogar außergewöhnlich wirtschaftlichen, Know-how Transfer in beide Richtungen, sie sichert auch eine stete Anpassung des Qualifikationsniveaus an die aktuellen Unternehmensbedürfnisse.
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