Was heißt eigentlich “konsekutiv”? – oder: Warum der MBA nicht immer die richtige Entscheidung ist
Autor: Prof. Dr. Lutz Becker am 22.08.2010Immer wieder werde ich gefragt, welcher Master denn der richtige sei. Eine Frage, die nicht ganz leicht zu beantworten ist.
Hin und wieder habe ich die Gelegenheit in MBA (Master of Business Administration) Programmen zu lehren. Für mich ist es immer wieder eine spannende Herausforderung mit gestandenen Managern zu arbeiten. Das kann der Maschinenbau Ingenieur bei einem Stuttgarter Automobilbauer, die promovierte Chemikerin bei einem globalen Konsumgüterkonzern oder die Soziologin bei einer Non-Profit Organisation sein. Die Teilnehmer an diesen MBA Programmen haben in der Regel ihre ersten Karriereschritte erfolgreich gemeistert und benötigen für den nächsten Schritt ein betriebswirtschaftliches Wissen, das sie in ihrem Erststudium nicht erworben haben.
Für Betriebswirte und Absolventen einschlägiger Managementstudiengänge sieht die Welt allerdings deutlich anders aus. Sie haben bereits dieses betriebswirtschaftliche Wissen in ihrem Erststudium erworben. Deshalb nehmen viele Betriebswirte große Teile des MBAs als mehr oder weniger sinnvolles Wiederkauen wahr. Klar, die Lehrmethoden im MBA sind in der Regel andere. Während viele Studierende BWL und Managementlehre nur aus trockenen Vorlesungen kennen (was ausdrücklich nicht auf die Absolventen der Karlshochschule zutrifft), wird in den MBA Programmen stärker mit Fallstudien gearbeitet. Manche Hochschulen, etwa in den USA, machen aus der Not eine Tugend und anerkennen Module aus dem Bachelor. Das macht aber dann wenig Sinn, wenn etwa im Nachgang eine Promotion angestrebt wird. In diesem Fall dürften wichtige ECTS Punkte fehlen. Zudem können Personalchefs sehr wohl zwischen Masterprogrammen mit 60, 90 oder 120 ECTS Punkten unterscheiden.
Der Masterstudiengang “Leadership” geht deshalb einen anderen Weg. Als konsekutiver Studiengang setzt er ein betriebswirtschaftliches Grundwissen auf Bachelor Niveau voraus, und baut auf diesem Wissen auf. Das bedeutet, dass Absolventen aus Nachbardisziplinen ggf. Module aus dem Bachelorprogramm nachholen müssen, wenn sie in dieses Masterprogramm einsteigen wollen. Zudem prüfen wir intensiv, ob sich die Absolventen für ein weiterführendes Studium in diese Richtung und eine Führungsposition in Industrie oder anderen Organisationen empfehlen.
In diesem konsekutiven Studiengang geht es eben nicht um das Wiederholen, sondern es werden neue, zusätzliche Inhalte vermittelt beziehungsweise forschend erarbeitet. Das vorhandene Wissen wird verbreitert und vertieft.
Ziel des Masterstudiengangs “Leadership” ist es, Studierende intensiv auf den Einstieg in eine (vorrangig internationale) Führungsaufgabe vorzubereiten, in dem die für die Führung notwendigen Kompetenzen weit über das Bachelor-Niveau hinaus entwickelt werden.
Das erste Studienjahr beschäftigt sich aus unterschiedlichsten Perspektiven mit der Theorie der Führung, die aber durch Workshops mit Praktikern immer wieder neu reflektiert wird. Dazu gehören zum Beispiel verbale und non-verbale Kommunikation nach Innen und Außen, das Führen mit Kennzahlen oder das Hinterfragen von (gelebten) Regeln in der Organisation – der Umgang mit organisatorischer Komplexität oder Fragen von Innovation und organisatorischer Evolution.
Das zweite Studienjahr dient dem “sanften” Übergang in die Praxis. Während die Studierenden im ersten Studienjahr vorwiegend Präsenzveranstaltungen wahrnehmen, findet das zweite Jahr vorwiegend in der Praxis statt. Hier sind die Studierenden nur noch für kurze Blöcke, in der Regel Workshops und Kolloquien, an der Hochschule. Zum Teil werden Sie dabei von ihren Unternehmensbetreuern (“Professional Advisors”, in der Regel sehr erfahrene Führungskräfte) begleitet. Zudem schreiben sie in dieser Zeit ein On-the-Job Assignment sowie im Normalfall auch die Masterthesis in einem Unternehmen.
Unter dem Strich würde ich meinem Sohn, der Chemie studieren will, oder einem Ingenieur dringend empfehlen, im Nachgang einen MBA oder einen LL.M. (Master of Law) zu “bauen”. Für Absolventen eines BWL- oder Management Bachelorstudiums würde ich hingegen, und das ist meine persönliche Einschätzung als Lehrender und langjähriger Arbeitgeber, einen konsekutiven Master empfehlen. Zudem würden sich, wenn man bereits mitten im Beruf steht und keine Promotion anstrebt, auch bestimmte Executive Master oder ein Master of Law anbieten.
Auf jeden Fall sollte man sich sehr genau die Modulbeschreibungen anschauen, wenn man dabei allzu viele “Déjà-vu” Erlebnisse hat und schon der dritte kleine BGB Schein der akademischen Laufbahn auftaucht, sollte einem das verdächtig vorkommen. Außerdem sollte man mit Lehrenden und Studierenden höherer Semester sprechen. Die Alumni (Ehemaligen) sind meist zu lange raus und haben oft ein nicht mehr aktuelles und ziemlich verklärtes Bild des Studiums. Dann sollte man sich anschauen, wie viele ECTS Punkte man erwirbt, und wie viele man vielleicht noch brauchen wird. Last not least sollte im Idealfall sowohl der Studiengang (in Deutschland z. B. durch FIBAA oder ACQUIN) als auch die Institution (die Karlshochschule wurde vom Wissenschaftsrat akkreditiert) akkreditiert sein. Die Frage ist letztlich immer, was man in welcher Qualität lernen kann, und wie einem dieses Wissen in Zukunft weiterbringen wird.
Ein Sonderfall sind die Global Top 10 Business Schools – dort “kauft” man sich für teures Geld nicht die Bildung, sondern das Netzwerk, wie Professor Frank H. Witt das einmal so schön formulierte,
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