Warum das Scheitern von Google Wave innovativ ist

Autor: Patrick Breitenbach am 5.08.2010

Es gibt zwei Meinungen zum offiziellen Ende zu Google Wave. Die eine lautet in etwa so:

“Ja ja hab ich ja gleich gesagt, dass das alles ein überschätzter Hype ist und dieses Google Dingens, Google Wave totaler Müll ist”

Fairerweise lautet die andere so: “Schade, dass Google keinen langen Atem behielt und Google Wave abschaltet”.

Was ich aber als typisch deutsch empfinde ist diese unterschwellige Häme über deren Scheitern: Der Innovationsgigant Google mit zahlreichen Erfolgsgeschichten und -produkten kommt endlich mal ins Straucheln und fliegt auf die Fresse. So jedenfalls scheint der Gedankengang bei etlichen Leuten zu sein. Leider übersehen sie dabei, dass das Scheitern ein wichtiger Baustein bei Innovation und Erfolg ist. Nun, Google wird davon sowieso herzlich unbeeindruckt sein. Sie wissen einfach was sie tun und verfolgen auch weiterhin ihren Innovationskurs. (Im Übrigen fand ich die Meldung auf dem Google Blog kommunikativ großartig)

Ich finde die Häme-Attitüde in ganz anderen Kontexten sehr viel kritischer, wenn es nämlich um all die außerhalb der Innovationsstaubsauger wie Google oder Apple geht. Wenn es um andere, kleinere Unternehmenskulturen geht, die eine amerikanische Philosophie des Trial & Errors noch nicht verinnerlicht haben. Diese Häme schlichtweg ein Mut abtötendes Signal wider den Fortschritt, wider das Vorankommen, wider der Weiterentwicklung und Innovation.

Ich weiß ja nicht wie es den Menschen geht, die solche Häme äußern? Wollen sie weiterhin in ihren heutigen Höhlen leben oder in Zukunft es angenehmer, bequemer, sinnvoller, hilfreicher und einfach schöner für sich und ihre Nachfahren haben? Klar, sie wollen es perfekt haben – jederzeit. Und sind permanent am Hadern, weil es einfach keine Perfektion gibt. Unperfektion ist fast eine Art Naturgesetz, ja das einzige was dieses Universum wirklich am laufen hält. Wäre alles perfekt so wäre alles starr, langweilig und nichts würde sich mehr bewegen (abgesehen davon dass es das zum Glück eben nie geben wird). Andererseits ist Perfektionismus das Bedürfnis nach Perfektion, was uns natürlich auch wieder antreibt. Aber da spreche ich von einem konstruktiven, handelnden Perfektionismus. Ein lamentierender Perfektionismus ist einfach nur Gift, jedenfalls in meinem Weltbild.

Ich jedenfalls liebe den Fortschritt. Ich glaube an Innovation und damit bekenne ich mich auch zu “Trial & Error”. Fehler gehören einfach dazu und ohne Mißerfolge könnte man die Erfolge gar nicht richtig genießen. Ich habe (als Perfektionist) zum Glück langsam begriffen, dass man ohne Fehler nicht so viel lernen kann, wie aus einer reinen Fehlervermeidungshaltung. Auch das musste ich erst langsam lernen – es ist also nie zu spät! Verkneift euch den Hämeimpuls, atmet durch, entdeckt die schönen Dinge im Scheitern. Und dann gehts einfach weiter …




  • http://twitter.com/DrLutzBecker Lutz Becker

    Der Trick im Business Development [http://blog.karlshochschule.de/2010/01/25/warum-business-development/] heißt: “Fail quick – fail cheap”. Ein Prinzip, mit dem Google immer gut gefahren ist. Man setzt einen Meilensteinprozess (z. B. nach der PTAP Methode) auf, und zwingt sich, immer wieder und so früh wie möglich zu evaluieren und dann Entscheidungen (z. B. “Kill”, “Repeat”, “Plan B”) nach im Vorfeld definierten Kriterien zu treffen. Dann ist das KO eines solchen Projektes absolut legitim – auch wenn' hier recht spät kam. Alle anderen Alternativen, nämlich au Evaluationen zu verzichten, oder Projekte auf “Teufel-komm-raus” zum Ende zu bringen (das kann man sich nur im politischen Raum leisten), sind schlechter.

  • http://bueltge.de Frank

    Vielen Dank für das Schreiben meiner Gedanken – toll!
    Ich werde die Wave vermissen, auch wenn ich es wenig genutzt habe, war es doch sehr nahe meiner Philosophie vom Teilen und Mitteilen; leider war die Haken da und in erster Linie muss soviel Neues erst mal von den Nutzern angenommen werden.

  • http://karlshochschule.de Patrick Breitenbach

    Danke. Gerne.

    Ich denke die Funktionen werden in einem neuen Tool integriert sein. Wer weiß vielleicht ja schon in “Google Me”? :-)