Wie der Döner nach China kommt

Ich glaube, ich habe unseren Absolventen im Studiengang International Business, Deniz Sakaoglu, ziemlich gequält. Als Deniz ursprünglich zu mir kam, um zu fragen, ob ich denn seine Bachelorthesis betreue, hatte er vor, über eine Marktanalyse für eine Systemgastronomie in China zu schreiben. In der Diskussion um das Thema (unsere Studierenden schreiben in der Regel zunächst ein ausführliches Exposé, das dann in Sprechstunden und Kollquien immer wieder “auseinander genommen” wird) habe ich die Latte zuerst einmal kräftig nach oben gelegt – denn nur, wer an seine Grenzen stößt, so mein Wahlspruch, kann seinen Horizont erweitern.

Bis wir dann Einigkeit über Ziele, Struktur und Quellen seiner Arbeit “Business Development als die Generierung neuer Märkte – Strategische Position eines Döner Kebap Restaurants” gefunden haben, ging Deniz nicht nur einmal mit hängenden Schultern aus der Sprechstunde hinaus. Irgendwann, hat sich Deniz, der zuvor bereits einen Bachelor unserer Partnerhochschule, der University of Lincoln, erworben hatte, dazu durchgerungen, die Arbeit aus einer kulturalistischen Perspektive zu schreiben. Insbesondere ging er dabei auf Reinhard Pfriems These, dass Unternehmensstrategien “kulturelle Angebote an die Gesellschaft” sind, ein. Statt eine 08/15 Markteintrittsstudie durchzuführen, stand nun vor dem Problem, seine kulturalistische Perspektive zu operationalisieren. Hinzu kam das logistische Problem, entsprechende Straßeninterviews in Peking zu führen. Die Ergebnisse waren interessant. Das Konzept eines “typisch deutschen” türkisch-mediteranen Döner Kebap Restaurant 1:1 nach China zu übertragen, erwies sich als Sackgasse – unter anderem, so eines der Ergebnisse aus Deniz Sakaoglus Arbeit, sollte sich das Restaurant vorrangig als modern-europäisch positionieren, ohne jedoch auf eine vermarktungsfähige Verbindung zur Tradition des Döner Kebap zu verzichten. Um es kurz zu machen: Seine über 130 Seiten starke Bachelorarbeit ist, wie seine Spitzennote zeigt, eine ganz hervorragende Leistung.

Es wird aber noch besser: Inzwischen hat Deniz die Ideen seiner Arbeit auch in die Tat umgesetzt und vergangen Samstag mit Freunden sein erstes Döner Restaurant “Kebaba”, zwar nicht in Peking, sondern in dem Touristenort Lijang eröffnet. Und nicht nur das – Deniz Sakaoglu hat das Geschäftsmodell auch auf eine breitere Basis gestellt; er schreibt dazu: “Ansonsten vertreiben wir auch Hamburger Patties, Hamburger Brote, gefrorene Pizzen und vieles mehr an Bars, Hotels und Restaurants. Unsere ”Produktion”, wie wir das gerne nennen, war schon vor einem Monat startklar.” Aber solche Veränderungen deuteten sich bereits in seiner Thesis an: “Zum Schluss dieser Arbeit muss noch einmal betont werden, dass die strategische Position des Döner Kebap Restaurants als Grundlage für jegliches unternehmerisches Handeln dienen soll. Erst durch sie wird die Kommunikation des Unternehmens mit dessen Umwelt ermöglicht. Durch sie soll das des Öfteren angesprochene Interaktionsfeld zwischen Unternehmen und Unternehmensumwelt geschaffen werden, wodurch erst die Basis zur gesellschaftlichen Anerkennung des Unternehmens entsteht. Sie darf nicht als absolute Realität angesehen werden und Möglichkeiten zur Veränderung müssen stets offengehalten werden. Nur so kann sich in gegenseitiger Wechselwirkung zwischen Unternehmen und Unternehmensumwelt eine in den Grundzügen gemeinsame Wirklichkeitskonstruktion entwickeln, die zu nachhaltiger gesellschaftlicher Anerkennung führt.”

Aus Karlsruhe herzlichen Glückwunsch zum Start in die Selbständigkeit und vor allem alles Gute und viel Erfolg!

15 comments Write a comment

  1. Das ist sensationell ! Diesen Unternehmer – und Pioniergeist in einem solchen Land als Europäer zu realisieren.
    Das ist wirklich spitze. Weiter so und viel Erfolg.
    Da kann man nur den Hut ziehen.

  2. Toll! Deniz, Dir und Deinen Mitstreitern viel Erfolg bei Euerm Abenteuer. Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. In USA war’s früher der Goldgräbergeist der die Menschen zum Träumen brachte. Ich hoffe und glaube fest daran, dass Ihr Eure Träume in eine erfolgreiche Wirklichkeit umsetzen könnt. Haben die Chinesen ein Glück dass es euch gibt!!!

  3. Hallo Deniz,
    im Grunde war mir das immer klar .
    Wer unbeirrt seinen Weg geht und soviel Mut hat, der wird ganz sicher dafür belohnt !!!
    Auch ich glaube fest an Deinen / Euren Erfolg und gehe davon aus das man von KEBABA noch viel hören wird.
    … das große goldene M kannte am Anfang auch niemand :-)
    Weiter so !!

  4. Hallo Deniz,
    endlich haben die Chinesen mal was richtiges zu essen! Gratuliere – weiter so!!!
    Vollgas! Ich hätte zwar nie geglaubt, dass Du einmal da anfängst wo ich auch vor vielen Jahren angefangen habe (ohne schickes Mützchen ;-) !) Was aus mir geworden ist kennst Du ja – nix – Aussendienstler bei IL !!!
    Deshalb wünsche ich Dir und Deinem Team viel Erfolg – essen & trinken läuft immer!
    Lasst es krachen – aber richtig!
    Viele Grüße von Willi & Christiane

  5. Als Mutter habe ich “die hängenden Schultern”, den Frust und die Wut oft erleben dürfen, aber ich kann den Studenten von Prof. Dr. Becker sagen, dass es sich am Ende lohnt, den harten und manchmal unbequemen Weg gegangen zu sein. Deniz für Deinen weiteren Weg, auf dem noch mancher Stein liegen wird, wünsche ich Dir den nötigen Mut und die Kraft, dass Du ihn unbeirrt weiter gehen wirst.

    Für Dich, Stefan und euer Team viel Erfolg und alles Gute.

  6. Super Deniz,

    als dein Onkel und eingefleischter Hanseat wünsche ich dir viel viel Glück.
    Hier in Hamburg bauen wir uns sogar unsere eigenen Berge aus COSCO Containern, aber kaum einer traut sich das was was du da macht und fährt selber hin.
    Ich habe mich 1989 nicht getraut. Jetzt bin ich froh das sich mal einer traut!

    Gruß Peter

  7. Mensch Deniz, so eine Überraschung! Echt super was du da geleistet hast. Drück dir ganz fest die Daumen, daß du weiterhin Erfolg hast. Wär toll wenn ich mal bei dir essen könnte. Vielleicht klappts ja mal! Ganz liebe Grüße

  8. Lieber Deniz, als Personaler habe ich allen jungen Badenern und Badenerinnen immer geraten mal das liebenswerte Badenerländle zu verlassen, um woanders zu leben und zu arbeiten. Du setzt diesen Rat sehr radikal und erfolgreich um, herzlichen Glückwunsch.
    Den zweiten Teil des Ratschlages will ich Dir auch nicht verheimlichen: danach zurückkehren ins Badenerland ist absolut ok.
    Alles Gute auf Deinem Weg.

  9. Pingback: Döner | Imbisskult

  10. Hallo Deniz,
    nie habe ich Dich als Schüler an der Lender unterrichtet, aber ich werde allen berichten, wie toll du deinen Weg gefunden hast, und alle werden stolz auf dich sein. Viel Glücj´k und Erfolg weiterhin für Dich und deinen Bruder
    Gisela Goebes

  11. “Zum Schluss dieser Arbeit muss noch einmal betont werden, dass die
    strategische Position des Döner Kebap Restaurants als Grundlage für
    jegliches unternehmerisches Handeln dienen soll. Erst durch sie wird die
    Kommunikation des Unternehmens mit dessen Umwelt ermöglicht. Durch sie
    soll das des Öfteren angesprochene Interaktionsfeld zwischen Unternehmen
    und Unternehmensumwelt geschaffen werden, wodurch erst die Basis zur
    gesellschaftlichen Anerkennung des Unternehmens entsteht. Sie darf nicht
    als absolute Realität angesehen werden und Möglichkeiten zur
    Veränderung müssen stets offengehalten werden. Nur so kann sich in
    gegenseitiger Wechselwirkung zwischen Unternehmen und Unternehmensumwelt
    eine in den Grundzügen gemeinsame Wirklichkeitskonstruktion entwickeln,
    die zu nachhaltiger gesellschaftlicher Anerkennung führt.”

    Hut ab vor Deniz: Für die Erklärung zu Unternehmensumwelten!

  12. Pingback: Erfolg im Reich der Mitte | Karlshochschule International University

  13. Deniz verdient meine volle Bewunderung! China ist ein gewaltiger Markt mit enormem Potential. Aber die völlig andere Unternehmenskultur, Sprachprobleme und Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden lässt viele westliche Start-ups dort scheitern. Und angesichts der ganzen Skandale (melaninversuchte Milch, “Gutter Oil Incident” etc.) ist auch Lebensmittelsicherheit ist ein nicht zu unterschätzendes Problem. Auf meiner Website http://socialmedia-blog.net/category/china/ berichte ich häufig über Start-up-Unternehmer in China. Ich kann mir sehr gut vorstellen, auch einmal einen Bericht über Deniz zu veröffentlichen!

  14. Deniz verdient meine volle Bewunderung! China ist ein gewaltiger Markt mit enormem Potential. Aber die völlig andere Unternehmenskultur, Sprachprobleme und Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden lässt viele westliche Start-ups dort scheitern. Und angesichts der ganzen Skandale (melaninverseuchte Milch, “Gutter Oil Incident”, Schweinekadaver im Fluss etc.) ist auch Lebensmittelsicherheit ist ein nicht zu unterschätzendes Problem. Auf meiner Website http://socialmedia-blog.net/category/china/ berichte ich häufig über Start-up-Unternehmer in China. Ich kann mir sehr gut vorstellen, auch einmal einen Bericht über Deniz zu veröffentlichen!

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