Recall und Finale

Autor: Prof. Dr. Lutz Becker am 5.05.2010

Zugegeben, Mirza Djodjic wäre nach unserem ersten Zusammentreffen nicht zwingend in den Recall gekommen. Ich erinnere mich da an eine Schirmmütze (so eine mit Löchern), hinter der sich der Student im Studiengang “International Business” an der Karlshochschule dauernd zu verstecken suchte, und seine fatale Neigung, jede mögliche Gelegenheit zum Zuspätkommen zu nutzen. Die Studienleistungen in den ersten Semestern? Na ja, ging so…aber so gerade eben. Dennoch hatte Mirza, das stand außer Zweifel, mehr Potenzial als er zeigen wollte. Sicher war und ist er nicht der geborene Theoretiker – aber er hatte bei aller Coolness eine Menge Empathiefähigkeit, Selbstbewusstsein, Schlagfertigkeit und eine einmalige Fähigkeit, sich aus jeder kritischen Situation herauszureden: Wirklich böse sein konnte man ihm nie. Der geborene Vertriebler also.

Irgendwann habe ich Mirza in Kontakt mit Torsten Henke, Business Development Manager bei der Canon (Schweiz) AG gebracht. Aus dem ursprünglich geplanten Praktikum wurde nichts, weil es für den gebürtigen Bosnier Probleme mit der Arbeitserlaubnis gab. Dann tat sich aber dank Torsten Henke für Mirza die Möglichkeit auf, seine Bachelorthesis bei Canon in der Schweiz zu schreiben. Spannend war der Wandel, der Kleidungsstil veränderte sich langsam, aber konsequent (zum Guten, wie ich finde), Motivation und Leistungswille explodierten förmlich. Wie er mir hinterher sagte, hat ihm die Arbeit an Bachelorthesis ungeheuer viel Spaß gemacht. Und das sieht man auch. Nicht nur, dass eine formal nahezu perfekte und sorgfältig gebundene Arbeit mit weit über 100 Seiten abgegeben wurde. Die Arbeit, in der es einerseits um den Vertrieb hochkomplexer “Hybrider Produkte bzw. Systemlösungen” und in der Konsequenz daraus “Lernende Organisationen” sowie die Einführung einer Art Spiel (“Serious Play”), mit dem interaktiv die Komplexität der Vertriebssituation bewältigt und eine kreative Lösungsentwicklung unterstützt werden kann, zeugt davon, dass Mirza sowohl die (theoretische) Perspektive der Hochschule als auch die (praktische) Unternehmensperspektive gekonnt übereinander gebracht hat. Heraus kam eine wirklich solide Transferleistung mit empirischen und theoretischen Elementen zum Nutzen aller Beteiligten (bestimmte Unternehmensberater und Versicherungsvertreter nennen so etwas gerne Win-Win-Win Situation).

So blieb es im Finale nicht aus, dass Mirza Djodjic eine deutlich überdurchschnittliche Bewertung für seine Bachelorthesis sondern auch eine hervorragende Bewertung von Torsten Henke erhalten hat. Spätere Anstellung nicht ausgeschlossen. Glückwunsch!




  • Nurgül Özcihan

    Da wir in den vergangenen vier Jahren wie siamesische Zwillinge gewesen sind, fühle ich mich gezwungen auch etwas zu schreiben.

    Herr Becker, Sie haben Mirza so gut beschrieben, mit den Worten “…aber er hatte bei aller Coolness eine Menge Empathiefähigkeit, Selbstbewusstsein, Schlagfertigkeit und eine einmalige Fähigkeit, sich aus jeder kritischen Situation herauszureden…”und noch vieles mehr!
    Mirza hatte während dem Studium nie den Bedarf sich zu beweisen, nie den Ehrgeiz zu zeigen, das er der intelligenteste Student aus unserer Gruppe war. Aber ich wusste von Anfang an, das er das Spiel am Ende gewinnen wird.

    Es reichen keine paar Zeilen ihn zu beschreiben…aber da ich es kurz fassen will sage ich lt. Prof. Müller: „verdient ist verdient!“ :)

    Glückwunsch!!