Die Innen- und die Außenstimme von Goldman Sachs

Autor: Patrick Breitenbach am 3.05.2010

Kindern, die in der Öffentlichkeit aus ihrer Sicht die Wahrheit sagen, erziehen wir schon so schnell wie möglich dazu mit einer Innen- und Außenstimme zu kommunizieren. Es ist uns Eltern peinlich, wenn sie beispielsweise mit ihrem Zeigefinger auf Menschen mit Gebrechen zeigen und spontan ihren kindlich-naiven Assoziationen freien Lauf lassen. Es ist uns einfach zu direkt, aber vor allem politisch nicht korrekt, oder sagen wir es so: Eigentlich möchten wir doch unsere Kinder dahingehend erziehen, dass sie verantwortungsvoll, acht- und behutsam mit ihren Mitmenschen umgehen, damit unsere Gesellschaft in Zukunft harmonischer und friedlicher zusammenleben kann, so jedenfalls der utopische Plan.

Wie utopisch dieses Unterfangen in der Erwachsenenwelt zu sein scheint, kann man derzeit sehr schön an der Verhaltensweise von einigen ranghohen Führungskräften der großen Investmentbank Goldman Sachs beobachten. Auch da gibt es natürlich eine Innen- und eine Außenstimme. Nach außen werden solide Kapitalanlagen verkauft mit Aussicht auf horrende Rendite – nach innen lacht man sich dann ins Fäustchen und kommentiert zynisch die Dummheit der eigenen gut betuchten Kundschaft bzw. überlegt wie man das sinkende Schiff doch noch gewinnbringend so lange wie möglich auf Kurs halten kann. Das alte Spiel würde ja auch ohne Probleme weiter so laufen, gäbe es da nicht die neuartige Brücke zwischen Innen- und Außenstimme, genannt Internet bzw. “E-Mail”.

Eine E-Mail verleitet nämlich anscheinend sehr schnell zum unreflektierten Plaudern unter Gleichgesinnten und verleiht der Innenstimme plötzlich eine ungeahnte Macht und Verbreitungsmöglichkeit. Die Frage die sich mir nun stellt: Inwieweit kann eine Gesellschaft, ein soziales System, noch einigermaßen intakt und reibungslos funktionieren, wenn gerade solcher Zynismus zu Tage tritt, oder anders gefragt: Wie viele solcher E-Mails braucht diese Welt noch um mit dem alten Spielmuster endgültig zu brechen?




  • http://www.backyardTV.de Schmitti

    Einerseits denke ich “wer andern eine Grube gräbt…”, auf der anderen Seite ist es schon traurig wie tief manche Menschen sinken, sich selbst bereichern und anderen damit schaden!

    Immer noch schockiert über die E-Mails: http://www.spiegel.de/flash/flash-23270.html