IBM Lotus JamCamp: Unternehmenskultur. Web und Enterprise 2.0 bei älteren Mitarbeitern.
Autor: Patrick Breitenbach am 23.04.2010Am Mittwoch machte die IBM Lotus JamCamp Bustour auch Halt an der Karlshochschule. Gemeinsam mit den Teilnehmern und einigen Studierenden diskutierten wir anhand von Prof. Dr. Cordula Braedel-Kühners Impulsvortrag und unseren Social Media Aktivitäten über den großen kulturellen Graben, der die Internetkritiker von den Internetbegeisterten trennt. (siehe dazu auch diesen Blogeintrag)
Das Spezialgebiet von Prof. Dr. Cordula Braedel-Kühner ist “Diversity Management” und “alternsgerechte Führung”. Daher hat sie das Thema “Web/Enterprise 2.0″ aus dieser Perspektive beleuchtet. Wenn wir heute über den Einsatz von neuen Technologien innerhalb von Unternehmen sprechen, dann denken wir zuallererst daran, damit auch jungen Nachwuchs anzulocken. Im Gegensatz dazu nimmt man die daraus resultierenden Themen der älteren Belegschaft nur am Rande wahr, bzw. dort zeichnet sich ein besonders intensiver Konflikt ab – so jedenfalls die Hypothese. Während Prof. Dr. Kruse in seiner Schnellstudie nur die “Heavy Internet User”, also die befragt haben, die sowieso permanent im Netz unterwegs sind, muss man sich natürlich auch die Frage stellen, was mit denjenigen ist, die sich dieser Technologie komplett verweigern. Beide Seiten blicken zum Großteil abfällig aufeinander. Auf der einen Seite die Papierdinosaurier, die sich ihre Mails noch ausdrucken müssen, auf der anderen Seite die oberflächlichen Webexibitionisten, die ihre Zeit vor der Flimmerkiste verschwenden. Tatsache ist aber, dass das Internet und dessen Weiterentwicklung und Einzug in den Alltag nicht mehr wegzudenken ist.
Einige wichtige Punkte aus der anschließenden Diskussion (die trotzt stickigem Raumklima – der Baulärm war Schuld – zustande kam) möchte ich hier aufgreifen:
1. Die Unternehmenskultur ist entscheidend für die erfolgreiche Implementierung von neuen technologischen Werkzeugen.
2. Es ist entscheidend dass man die emotionalen Ängste bei skeptischen Mitarbeitern wahr- und ernstnimmt und auf die eingeht.
3. Die Unternehmenspolitik, ja vielleicht sogar die Gesellschaftspolitik muss sich erst nach und nach daran gewöhnen, dass das Teilen von Wissen eher Vorteile als Nachteile in sich birgt. Der jeweilige Mitarbeiter muss sich sicher sein, dass er durch das veröffentlichen von eigenem Wissen nicht plötzlich entbehrlich wird.
4. Man muss über die Geschwindigkeit von der Implementierung innerhalb von Systemen nachdenken. Den einen geht es zu schnell, den anderen zu langsam. Man muss sich auf ein gesundes Tempo einigen.
5. Gerade um das Potenzial von verschiedenen Mitarbeitern auszuschöpfen sollten heterogene Teams geschaffen werden. Bezogen auf das Alteer würde es bedeuten, dass ein (temporäres) Team aus alten und jungen Mitarbeitern besteht. Wichtig dabei, und damit die größte Herausforderung, ist jedoch die Kommunikationsfähigkeit auf Augenhöhe. “Du bist wertvoll – ich bin wertvoll”. Ein Vertreter der IBM nannte als Beispiel das Projekt der “weißen Elefanten” bei dem genau diese Idee umgesetzt wurde – gleiches gilt für ein Projekt einer deutschen Bank, bei der junge Kundenberater mit älteren Kundenberatern gemeinsam arbeiteten.
6. Der Bereich der Schulungen muss komplett umkonzipiert werden. Weniger Technikanleitung, dafür mehr individuelle Themenzentrierung für die Teilnehmer. Dies bedingt eine individuelle Einführung anhand von persönlichen Interessen. Als Beispiel wurde genannt, dass Großeltern plötzlich begeisterte Skype-User sind, weil sie dadurch öfters mit ihren Enkeln in Kontakt treten können. Man muss also durch individuelle Use-Cases Brücken bauen um ein Interesse überhaupt erst entstehen lassen zu können.
7. Unternehmen und Organisationen benötigen viel mehr Vorbilder, die transparent und aktiv das Thema vorleben.
8. Der persönliche Kontakt ist die Grundlage für alle weiteren Schritte des aufeinander Zugehens. “Das Internet kann nicht mit dem Internet beigebracht werden.” (hat unser Studierende David Tabellion sehr schön auf den Punkt gebracht).
Übrigens können Interessierte Teilnehmer heute und morgen 23. und 24. April diese und andere Themen noch im abschließenden Barcamp in Ehningen (Headquarter der IBM) vertiefen. Prof. Dr. Kruse wird übrigens auch zugegen sein.
Danke an alle Teilnehmer und Organisatoren der Bustour für ihren Besuch und die anregende Diskussion – die auch Online weitergeführt werden kann.
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