Plädoyer für Service

Autor: Prof. Dr. Lutz Becker am 24.03.2010

Als sich am 23. Februar 1905 in Chicago der Rechtsanwalt Paul Harris mit Sylvester Schiele, Gustav Löhr und Hiram Shorey traf, war das nicht nur die Gründungsstunde von Rotary International. Es wurde damit auch ein innovatives Clubkonzept ins Leben gerufen, das sich in kürzester Zeit zu einem globalen Erfolgsmodell entwickeln sollte. So genannte Service Clubs, zu denen neben dem Ur-Service Club Rotary zum Beispiel auch Lions-Clubs oder Kiwanis gehören, verfolgen humanitäre, soziale, kulturelle und Bildungsziele.

Die Clubs sind lokal organisiert, haben aber in der Regel internationale Dachorganisationen und Stiftungen. Die Meetings finden regelmäßig, bei Rotary einmal in der Woche, statt – eine regelmäßige Teilnahme der Mitglieder an diesen Meetings wird erwartet. Bei diesen Meetings halten in der Regel Gäste oder Mitglieder Vorträge – Themen können Clubangelegenheiten, sie können aber auch privater, beruflicher und gesellschaftlicher Art sein. Darüber hinaus werden öffentliche und nichtöffentliche Kulturdarbietungen und Wohltätigkeitsveranstaltungen organisiert.

Die sozialen Aktivitäten stehen im Mittelpunkt des Clublebens, so werden lokale oder internationale Sozialprojekte unterstützt und Gelder gesammelt. Um eine Mitgliedschaft kann man sich nicht bewerben, da die Clubs daran interessiert sind, Führungskräfte und andere herausragende Persönlichkeiten aus einem möglichst breiten beruflichen und gesellschaftlichen Spektrum zu gewinnen. So sollte in einem Rotary-Club jede Berufsgruppe auch nur einmal vertreten sein.

Die großen Service Clubs haben zudem aktive Nachwuchsorganisationen, wie Rotaract (Rotary), Leo-Clubs (Lions-Club) oder Kiwanis Junior (Kiwanis), die sich speziell an die Altersgruppe von ca. 18-30 Jahre wenden. Auch die Nachwuchsorganisationen der Service Clubs verfolgen primär soziale Zwecke – darüber hinaus werden sie, ähnlich wie SIFE, gemeinhin als Sprungbrett für Führungsaufgaben betrachtet – geht es doch hier darum, Engagement zu zeigen und Führungsqualitäten in der Gemeinschaft und in sozialen Projekten zu entwickeln.

Die Nachwuchsorganisationen sind hervorragende Plattformen, um die im Studium gelernten Fähigkeiten in sozialen Projekten umzusetzen und zu üben – und dabei kann man auch noch viel Gutes bewirken. In Karlsruhe gibt es zum Beispiel einen sehr aktiven Rotaract Club, bei dem auch zwei unserer Studentinnen mitwirken, die zudem noch beide im SIFE Team unserer Hochschule engagiert sind. Die meisten Nachwuchsclubs sind für interessierte und engagierte Gäste als potenzielle Neumitglieder offen – deshalb lohnt es sich, selbst aktiv zu werden.

Mein nächster Vortrag bei den Rotaractern ist übrigens am 19. April 2010 um 20:00 beim Rotaract Club Wuppertal zum Thema “Leadership” geplant.