Die Lüge von der objektiven Wissenschaft
Autor: Prof. Dr. Lutz Becker am 23.03.2010
Vergangenes Wochenende kam ich mal wieder mit einem Riesenstapel Bücher vom Buchhändler meines Vertrauens nach Hause. Auf ein Buch war ich besonders neugierig. Einen der beiden Autoren, Dr. Hans-Dieter Radecke, kenne ich seit bestimmt 15 Jahren. Er ist theoretischer Physiker mit Schwerpunkt extraterristischer und Astrophysik sowie Wissenschaftsautor mit engem Bezug zu Wirtschaft und Technik. Gemeinsam mit seinem Kollegen Lorenz Teufel, einem studierten Elektrotechniker, Physiker und Philosophen, hat er den Band Was zu bezweifeln war – Die Lüge von der objektiven Wissenschaft verfasst. Um es vorweg zu nehmen: Es ist ein hervorragendes und spannendes Buch – wenn es auch nicht gerade Liebe auf den ersten Blick war.
Ich muss zugeben, dass ich beim ersten Kapitel etwas gefremdelt habe – zumindest habe ich nicht erwartet, dass ein Buch, das von Wissenschaft handelt, über UFOs sowie paranormale und übersinnliche Phänomene in das Thema einsteigt. Da ist als Jugendlicher die Bücher Erich von Dänikens verschlungen habe (mein Gott, hat der uns damals für dumm verkauft), ist mein Interesse an extraterristischen Invasoren ziemlich gedeckt. Hätte ich Hans-Dieter Radecke nicht als seriösen und manchmal etwas schlitzohrigen Denker gekannt, hätte ich das Buch vielleicht sogar in die Ecke geworfen – allerdings wäre das ein Riesenfehler gewesen!
Das Werk ist überwiegend, aber nicht allen Passagen, leicht zu lesen. Wer wie ich den Fehler macht, das Kapitel über den Urknall am Sonntagmorgen noch vor dem Frühstück zu lesen, dem fliegt aber die Schädeldecke gleich mit weg. Nichtsdestotrotz wird man für seine Bemühungen wiederum durch hinreissende faustische Dialoge, die das ganze Buch durchziehen, belohnt. Ein Auszug:
Also läuft alles vernünftige Zweifeln auf einen unendlichen Regress hinaus.
Im Prinzip, ja.
Nur im Prinzip?
Natürlich, kein Mensch kann ständig alles bezweifeln. Er ist endlich, weil wir im absoluten Zweifel nicht leben können.
Und wann endet er dann?
Wenn man sich einen Sprengstoffgürtel umschnallt, sich unter möglichst viele unschuldige Menschen mischt und ihnen durch Zünden des Sprengstoffs die eigene Wahrheit aufzwingt.
Würdet ihr jetzt bitte zu Sache kommen.Wir sind bei der Sache. Hier geht es nämlich um Freiheit. (…)
Das Buch führt uns in die Abgründe der Inszenierung wissenschaftlicher Wahrheiten. Von Galileo Galilei über Newton bis zu den Nobelpreisträgern unserer Zeit lernen wir, wie Wissenschaftler – sicherlich mit guten Absichten – der vermeintlichen Wirklichkeit den einen oder anderen Drall geben. Es zeigt uns, wie gängige Paradigmen von der Geschichte bis zum heutigen Tage unseren Blick verschleiern. Die Argumente der Autoren werden für Wissenschaftler – aber auch für Normalsterbliche – mehr als starker Tobak sein:
Wissenschaft ist weder rein logisch oder rational, noch basiert sie auf objektiven Beobachtungen oder Experimenten, noch kann sie irgendeine Behauptung als wahr erweisen. Sie kann nicht einmal Behauptungen als endgültig falsch erweisen und befindet sich damit auch nicht auf einem stetigen Weg in Richtung Wahrheit. Der Mund der Wahrheit scheint zahnlos zu sein.
Nur folgerichtig pachten die Autoren auch nicht alle Wahrheiten für sich selbst. In einem der Dialoge klingt das dann so:
Eure Freiheit treibt seltsame Blüten. Ihr erlaubt, dass ich Zweifel an euren Prämissen hege.
Das ist ihr Recht als freies Individuum.
Das Buch ist ein hervorragendes, kurzweiliges und extrem lesenwertes Buch über die Inszenierung wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Wahrheiten – vor allem aber ist es ein brennendes Plädoyer für die Freiheit.
Radecke, Hans-Dieter/Teufel, Lorenz (2010): Was zu bezweifeln war – Die Lüge von der objektiven Wissenschaft; München (Doemer)
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