Plädoyer für ein Fach

Autor: Prof. Dr. Lutz Becker am 18.03.2010

Heute muss ich einmal ein Plädoyer für ein Fach beziehungsweise Modul halten, in dem ich selbst gar nicht lehre. Wer in seinem Beruf Erfolg haben will, braucht bestimmte Fähigkeiten, die mit den “Methoden wissenschaftlichen Arbeitens” vermittelt werden. An zahlreichen Hochschulen, insbesondere Fachhochschulen, fristet dieses Fach allerdings ein Schattendasein. Dieses Schattendasein hat nicht zuletzt mit den Berührungsängsten vieler Studenten zu tun. Da ging es mir als Student auch nicht anders – auch ich habe mich immer äußerst erfolgreich vor MwA gedrückt. Ein Fehler, der sich später dadurch rächen sollte, dass es natürlich viel aufwändiger ist, sich die Methoden autodidaktisch nebenbei beizubringen, wenn es auf die Examina zugeht.

Wenn Unternehmen Akademiker einstellen, dann erwarten sie, dass sie eben mit ihrem akademischen Repertoire an Probleme herangehen, um diese eigenverantwortlich zu lösen (Niemand stellt gerne Mitarbeiter ein, die nicht in der Lage sind, die ihnen zugetragenen Probleme zu lösen, oder die, schlimmer noch, neue Probleme ins Unternehmen hineintragen).

Ohne Zweifel gibt es im Berufsleben von Managern unendlich viele Situationen, wo sie wieder auf ihren persönlichen Methodenkasten im wissenschaftlichen Arbeiten zurückgreifen müssen (man spricht im Human Resource Management nicht umsonst von “Methodenkompetenz”).

Das kann zum Beispiel ein schriftliches Angebot sein, das formal sauber zu einem bestimmten Termin erstellt werden muss, weil es sonst einfach durchs Raster fällt. Das kann ein Beratungsprojekt oder ein Marketingplan sein. Und keine Bank wird auch nur einen Cent geben, wenn der Business Plan unsauber mit Wikipedia und anderen “verwerflichen” Internetquellen zusammengestöpselt ist. Man sollte immer daran denken, dass Entscheidungsträger in Wirtschaft und Verwaltung in der Regel selbst einen akademischen Hintergrund haben und schnell erkennen, wenn da etwas mit heißer Nadel (oder schlimmer: mit heißer Luft) zusammengestrickt wurde. Mit mangelndem Handwerkszeug hat man bei Vorgesetzten und Kunden schneller verloren, als man glaubt.

Deshalb legt die Karlshochschule sehr viel Wert auf das Modul “Methoden wissenschaftlichen Arbeitens”, das hier sogar über zwei Semester geht. Allerdings zeigen die dort lehrenden Kollegen auch, dass es (im Gegensatz zu meiner Zeit) viel Spaß machen kann, die Methoden teils spielerisch zu erlernen. Und soweit ich das beobachten kann, haben es die Studierenden, die sich das Fach auch zu Herzen nehmen im späteren Studium und im Beruf viel leichter, als die, die das Fach (wie ich einmal) als lästige Pflicht betrachten.