Den Hochschulen fehlen Personal, Organisation und Praxisbezug! Ja? Wirklich?

Autor: Patrick Breitenbach am 11.03.2010

Das Handelsblatt berichtet über eine aktuelle Studie der Universität Konstanz, die den Reformprozess der deutschen Hochschullandschaft unter die Lupe nahm. Ich möchte die wichtigsten Punkte herausgreifen und demgegenüber einige Statements unserer Studierenden stellen, die vor einigen Wochen im Zuge des Quereinsteiger-Angebotes entstanden sind.

Handelsblatt:

Während die Feuilletonisten der Republik zetern, die hehre Bildung verkomme durch Bologna zur Ausbildung nach dem Bedarf der Wirtschaft, vermissen die Studenten selbst den Praxisbezug.

Mischa Burmester studiert Interkulturelles Management und Kommunikation:

Handelsblatt:

Das gilt nach der Studentenbefragung sogar für die Fachhochschulen – an den Unis ist der Kontakt zur wahren Wirtschaftswelt völlig unterbelichtet.

Verna Göß studiert Messe-, Kongress- und Eventmanagement:

Handelsblatt:

Die Studenten jedenfalls finden die fachliche Eignung der Professoren ganz in Ordnung, leiden aber unter zu wenig Feedback, undurchsichtigen Anforderungen und unkoordinierten Abläufen.

Solveig Schwarz studiert Kulturmanagement:

Handelsblatt:

Gerade deshalb kommt es nun darauf an, dass die Hochschulen sich nicht nur als Wissensvermittler, sondern auch als Coach ihrer Studenten begreifen, um ihnen ein effizientes Studium zu ermöglichen. (…) Die meisten Studenten haben heute kaum Kontakt zu den Lehrenden.

Anna-Lena König studiert Messe-, Kongress- und Eventmanagement:

Jetzt wird man vielleicht denken, ja okay, aber ihr seid ja eine private Hochschule und verlangt entsprechende Studiengebühren. Was ist also mit dem letzten Kritikpunkt der Studie, die da lautet:

Der Teil der Studenten, die Probleme mit der Finanzierung melden, ist massiv auf gut zwei Drittel gestiegen. Und das, obwohl es heute nicht nur Bafög, sondern Kredite und Bildungssparen sowie künftig vielleicht auch mehr Stipendien gibt – vorausgesetzt, Wirtschaft und Alumni spenden so viel, wie die Politik sich das erträumt.

Die Antwort nimmt das Handelblatt auch gleich vorweg und bleibt am Ende doch wieder unkonkret:

Der Hinweis auf andere Länder, wo Eltern und Studenten selbst ein Studium viel stärker als persönliche Investition sehen, ist ja richtig. Man kann es aber auch anders betrachten: Heute erhalten gut 17 Prozent der rund zwei Millionen Studenten Bafög – die Hälfte davon als Darlehen. Anfang der 70er-Jahre, kurz nach Erfindung des Bafög, waren es 44 Prozent – komplett als Zuschuss.

Es ist absolut richtig, dass Bildung allen ermöglicht werden sollte – unabhängig vom Einkommen der Eltern. Andererseits sollte Bildung aber auch langsam mal einem gewissen Wert zugeschrieben werden. Was nichts kostet erweckt jedenfalls den Anschein, als sei es auch nicht wirklich etwas wert. Alle “kostenlosen” Angebote verkommen irgendwann zu einer Selbstverständlichkeit, wodurch deren Qualität langfristig eher sinken wird, denn die Kosten selbst – die ja tatsächlich entstehen und da auch sind – lassen sich trotz immer wieder gepredigter “Kostenlosigkeit” nicht so einfach wegzaubern. Und das allgemeine unreflektierte Wegreden ist da ziemlich fatal. Solange der Staat parallel nicht bereit ist seinen Bildungsetat soweit aufzustocken, dass eine vernünftige Kostendeckung (so wäre wohl der korrektere Begriff) im Bildungsbereich möglich ist, solange wird es immer Ungerechtigkeit und ein Gefälle innerhalb der Bildungspolitik eines Landes geben.

Ich will damit auch auf gar keinen Fall behaupten, dass staatliche Hochschulen – ohne Studiengebühren – schlechter sind als private Hochschulen. Ich sage nur, dass auch ihre Leistungen nicht kostenlos sind und Kosten am Ende irgendwo wieder hereingeholt werden müssen. Wo genau, dass kann sich jeder selbst ausmalen. Es gibt eigentlich nur zwei Wege: Mehr Einnahmen oder weniger Ausgaben. Übersetzt: Höhere Steuern/Studiengebühren/Förderung oder weniger Leistung/Ressourcen/Service/Qualität.

Es ist also zunächst einmal egal, wer am Ende die Rechnung zahlt – ob Staatsbürger, Stifter, Eltern oder die Studierenden selbst. Wichtig ist doch sich überhaupt bewusst zu machen, dass es eine solche Rechnung immer gab und geben wird. Wichtig ist sich bewusst zu machen, dass Bildung eigentlich sogar sehr viel kosten muss – jedenfalls mehr als …

Wir haben keinerlei Probleme in Deutschland unser Geld in Konsum- und Luxusgüter zu investieren. Eigentlich doch ziemlich verrückt, wenn man das einmal aus dieser Perspektive betrachtet, oder?