Kritik am 08/15 MBA

Autor: Prof. Dr. Lutz Becker am 8.03.2010

Wirklich positiv überrascht hat mich ein Interview, das Manfred Engeser von der Wirtschaftswoche mit Telekom Personalvorstand Thomas Sattelberger geführt hat. In diesem Interview setzt sich Sattelberger überraschend kritisch der MBA Ausbildung nach US-amerikanischen Muster auseinander. Sattelberger kritisiert das dahinter stehende unreflektierte neoklassisch-mechanistische Denken, das den meisten MBA Programmen zugrunde liegt und mahnt einen Paradigmenwechsel an. Was Sattelberger fordet, klingt fast schon wie das Leitbild der Karlshochschule oder die Ausrichtung des Masterstudiengangs “Leadership”:

So wie Universitäten haben auch Management-Schulen einen ganzheitlichen Bildungsauftrag. Wir brauchen mehr intellektuellen Tiefgang, um die Welt des Managements zu erfassen. Um Probleme in Unternehmen nachhaltig zu lösen, ist nicht nur Ökonomie wichtig, sondern auch Geschichte, Soziologie, Psychologie, Philosophie. Und die Reflexion der eigenen Person.

Er fordert das ein, was bereits didaktisches Grundprinzip der Karlshochschule ist, nämlich einen Perspektivenwechel:

Wenn ich mich mit ökonomischen Konzepten beschäftige, gehört dazu auch eine Debatte über die ökonomische Theorie des Islam. Ich muss verstehen, dass Unternehmen nicht nur betriebswirtschaftliche, sondern soziale Organismen sind. Die Zahlen kommen am Schluss, sind das Ergebnis sozialen Handelns oder psychologischer Wirkung. Ich muss wissen, dass ich als Manager Teil dieses Organismus bin.

Es beruhigt mich ungemein, dass sich in den Führungsetagen vieler Unternehmen zunehmend ein solches reflexives Denken breitmacht. Für mich ist das nicht einmal eine ethische Frage, sondern eine Frage von Innovations- und Wandlungsfähigkeit, denn nur wer in der Lage ist, sein eigenes Weltbild zu hinterfragen, wird nicht Gefangener seiner eigenen Handlungsmuster.

Noch eine abschließende Anmerkung zur MBA Ausbildung: Bei der Konzeption unseres Masterprogramms “Leadership” haben wir uns eine Menge Programme sehr genau angeschaut. Vieles, was da als Top-Management Ausbildung vermarktet wird, ist nicht mehr als aufgewärmter Inhalt von Bachelorprogrammen. Da werden Dinge in in kürzester Zeit wiedergekaut, die ein guter Kandidat eines Management Bachelorprogramms längst kennen sollte. Deshalb sieht unser Master Leadership ganz anders aus: Hier werden intensiv Inhalte und Fähigkeiten vermittelt, die in Bachelorprogrammen nicht vorkommen – und da stehen Perspektivenwechsel und Reflexion ganz oben.




  • http://www.karlshochschule.de Prof. Dr. Lutz Becker

    …das noch zur Ergänzung: “Die Zeit” hat das Thema ebenfalls aufgegriffen http://www.zeit.de/2010/11/C-MBA-Werte Meines Erachtens bestätigt dieser Beitrag in der Zeit, dass wir bei der Realisierung unseres “Master Leadership” den richtigen Weg eingeschlagen haben. Was andere noch diskutieren, ist bei uns längst Realität.