Wie kriegt man den “Change” in und aus dem Kopf?

Veränderungen innerhalb eines Unternehmens benötigen nicht nur den nötigen Motivationsschub bei den Mitarbeitern, sie benötigen anschließend vor allem die Geduld bei allen Mitarbeitern in der Umsetzung. Ein sehr schönes Beispiel dazu habe ich kürzlich bei Vera F. Birkenbihl on Management gehört. Sie ließ einen Seminarteilnehmer seine Jacke anziehen unterbrach ihn aber in der Mitte seiner Handlung. Er sollte sich dann merken mit welcher Hand er welche Bewegungen ausführte beim routinierten Anziehen. Anschließend bat sie ihn darum nun diese Bewegung genau mit der anderen Hand auszuführen und gleichzeitig zu bewerten, wie sich diese Situation für ihn anfühlt. Natürlich beschrieb der Seminarteilnehmer das “neue Anziehen” als anstrengender, verkrampfter und wesentlich schwieriger. Kein Wunder, denn für neue Verhaltensweisen oder Bewegungsmuster müssen wir in unseren Gehirnen erst neue Nervenbahnen ausbilden.

Das bedeutet im Umkehrschluss, selbst wenn Mitarbeiter hochmotiviert sind Verhaltensänderungen auszuführen (Beispielsweise der Beschluss wesentlich freundlicher oder anders am Telefon zu kommunizieren) heißt das noch lange nicht, dass das auch sofort und immer auf Anhieb klappt. Im Gegenteil, das bedeutet, dass in genau dieser Übergangszeit die Atmosphäre zwischen Führung und Mitarbeitern extrem brenzlig sein kann. Auf der einen Seite wird womöglich sofortige Verhaltensveränderung gefordert, auf der anderen Seite besteht zwar die Motivation dazu, aber das Gehirn macht noch nicht sofort mit und verleitet zu Rückfällen, die man dann als “Fehler” klassifiziert und bei wiederholtem Male gar als böse Absicht unterstellen kann. So können sehr schnell Spannungen entstehen, die zu einer Demotivation bzw. Frust auf beiden Seiten führen kann. Die Auswirkungen von Frust innerhalb eines Unternehmens (Frust führt zu mehr Drang nach Bestrafung, was wiederum zu mehr Frust führt) sind mitunter existenziell, da sie den gesunden und produktiven Betrieb irgendwann nahezu lahmlegen können.

Also eine Bewusstsein für diese Kleinigkeit, nämlich dass man Verhalten ändern kann, es aber seine Zeit braucht und dies unabhängig von Motivationsmotiven geschieht, kann schon allen Seiten extrem weiterhelfen. Fehler sind nicht nur erlaubt, sie gehören in einer solchen Phase des “Change” einfach dazu, egal ob es große oder kleine Verhaltensänderungen sind.

Gibt es dazu andere Ansichten oder Ergänzungen?

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