Als Fan die Empathie trainieren – Was Manager daraus ziehen könnten
Autor: Patrick Breitenbach am 23.02.2010Gerade bin ich bei der Lektüre der “Psychologie Heute” auf ein interessantes Interview mit Fritz Breithaupt gestoßen, der sich dem Thema “Narrative Empathie” widmet. Empathie, also das menschliche Vermögen sich in andere Menschen und deren Lebenswelten mitfühlend hineinzuversetzen und deren Perspektive einnehmen zu können werde vor allem durch die Erzählung der Geschichten der anderen erst wirklich wirksam, so jedenfalls Breithaupt in dem Interview und anscheinend in seinem aktuellen Buch “Kulturen der Empathie“.
Wesentlich interessanter fand ich jedoch Breithaupts Annahme, dass Empathie an sich zunächst einen wichtigen vorherigen Schritt benötigt: Die Parteinahme. Er erläutert das anhand eines Fußballbeispiels:
An sich bin ich kein Fußballfan. Für mich ist das einfach eine Hin-und-Her-Kickerei, die mich langweilt. In dem Moment allerdings, in dem ich mich für ein Team entscheide, selbst wenn die Wahl völlig willkürlich ist, wird alles ganz anders. Mal angenommen, ich schlage mich auf die Seite der roten Mannschaft, einfach weil ich Rot lieber mag. Schon wird das Spiel spannend. Plötzlich sehe ich die Situation aus dem Blickwinkel “meines” Teams. Es kommt zum Foul gegen Rot. Jetzt kann ich sagen: “Was für eine Frechheit, der Gelbe hat meinen Spieler gefoult.” Oder umgekehrt, ein gelber Spieler liegt am Boden und krümmt sich. Dann denke ich vielleicht: “So ein Simulant! Der will nur eine Karte provozieren.” Also allgemein gesagt: Empathie kommt leichter zustande, wenn ich zwei Parteien beobachte, die in einem irgendwie gearteten Konflikt sind, und ich mich für eine der beiden Seiten entscheide.
Letztere Aussage ist vielleicht auch spannend im Bezug auf Führungsaufgaben. Als Führungskraft ist man schließlich tagtäglich mit Konflikten (egal ob klein oder groß, persönlich oder sachlich) konfrontiert. Man muss nur mal einen Blick auf die aktuellen Wirtschaftsnachrichten werfen, die vor Konflikten nur so strotzen.
Die Voraussetzung für Parteinahme, also die Konfliktsituation, ist also permanent vorhanden. Nun lautet die spannende Frage, ob wir es schaffen – neben der angestrebten Empathie – auch die Parteinahme bewusst zu steuern, so wie Breithaupt es bei seinem Fußballspiel getan hat. Das würde bedeuten, dass die Führungskraft beispielsweise mal ganz bewusst Partei ergreift für die diametral entgegenstehenden Bedürfnisse seiner Angestellten in unsicheren Zeiten oder mal ganz bewusst die Partei für einen unliebsamen Konkurrenten ergriffen wird. Der Effekt der sich laut Breithaupts These einstellen würde, wäre ein radikaler Perspektivenwechsel, der am Ende zu einem besseren Verständnis von komplexen Zusammenhängen (also damit auch zu Innovation) führen könnte – eine Eigenschaft, die für Führungskräfte in Zukunft immer wichtiger zu werden scheint.
So oder so wäre Fritz Breithaupt sicherlich ein spannender Teilnehmer für unsere Narrative & Innovation Konferenz im September. Mal sehen, ob wir ihn begeistern können, seine Erkenntnisse in diesen Rahmen auf irgendeine Art mit einfließen zu lassen.
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