No wind of change? Manager sind extrem veränderungsmüde.
Autor: Patrick Breitenbach am 10.02.2010Laut einer aktuellen Befragung von deutschen Top-Managern des Harvard Business Magazins ist die Veränderungsbereitschaft innerhalb von Unternehmen (die sogenannten Change-Prozesse) extrem gering. Vor allem im mittleren Management scheint es heftig zu knirschen. Als mögliche Ursache wird schlichtweg Überforderung angegeben:
Es hat sich vor allem in den sogenannten Highperformance-Unternehmen eingebürgert, die Mitarbeiter mithilfe von stetem Anspruch und steter Kontrolle anzuspornen. Die Aufgaben werden immer so gestellt, dass sie gerade noch machbar sind – häufig gehen die Anforderungen sogar darüber hinaus und führen zur Überforderung. Dieses Vorgehen wird Personal Stretch genannt. (…) Anspruch und Können klaffen immer weiter auseinander. So verfehlen in einem großen deutschen IT-Unternehmen fast vier von fünf oberen Führungskräften ihre Zielvorgaben.
Die Folge davon ist nicht nur die Resignation oder gar die schiere Verweigerung von Veränderungsmaßnahmen, sondern sogar die bewusste Inszenierung von geschönten Performancewerten:
Manager versuchen im Spagat zwischen Marktdruck und Zielvorgaben, ihre wichtigen Kennzahlen so auszulegen, dass sie ihre Ziele erreichen oder wenigstens ihr Überleben absichern. Aus den gleichen Gründen wird gegen Compliance-Regeln verstoßen oder unangenehme Entscheidungen werden einfach aufgeschoben.
Die Befragung zeigt auch, dass wir uns tatsächlich vom “Homo Economicus”, dem rational handelnden Manager verabschieden müssen (Meine Literaturempfehlung dazu: IBM-Chefinnovator Gunter Duecks Buch “Abschied vom Homo Oeconomicus”), was zwangsläufig dazu führt, dass Unternehmen geeignete Strategien im psychologischen Umgang mit den Menschen innerhalb eines Systems entwickeln müssen.
Vor diesem Hintergrund erscheint es folgerichtig, wie die Studienteilnehmer die drei Faktoren Emotionen, Politik und Rationalität bei Veränderungsprojekten eingeordnet haben. Mit 46 Prozent rangieren die Gefühle weit vorn, gefolgt von Politik mit 28 Prozent und der Vernunft mit 26 Prozent. Das heißt, Gefühle und politische Motive beeinflussen zu drei Vierteln das Verhalten der Führungskräfte.
Kommunikation und das tiefgreifende Verständnis für die jeweiligen Lebenswirklichkeiten werden also zunehmend im Management eine Rolle spielen. Es wird schließlich darum gehen Innovationen oder Veränderungen nicht nur strategisch zu formulieren, sondern sie vor allem kommunikativ in das jeweilige System einzubetten.
Durch intensivere und bessere Kommunikation könnte die Geschäftsleitung das Verständnis für notwendige Restrukturierungen, Kostensenkungsprogramme oder auch Wachstumsprojekte bei ihren direkten Mitarbeitern fördern. Das erfordert viel Zeit, persönliche Auseinandersetzung und vor allem gute Argumente.
Ein spannender Artikel, der sicherlich eine schöne Vorlage für so manche Unterrichtseinheit an unserer Hochschule bildet.
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