Ist “Business Development Manager” ein Beruf?

Ob „Business Development Manager“ ein Beruf ist, ist eine interessante Frage, die wir auch im Rahmen der Studie beleuchten. Eine unserer Ausgangsthesen ist, dass wir beim Business Development Management einen Professionalisierungsprozess beobachten können “Der Begriff der Professionalisierung bezeichnet den Prozess, in dem die Berufsausbildung und die Weiterentwicklung der professionellen Wissensbasis systematisiert und institutionalisiert werden und bestimmte Tätigkeitsfelder für die Angehörigen eines Berufs reserviert werden.” [1]

Business Development Studie 2010

Für unsere Betrachtung gehen wir von folgenden Zusammenhang aus: Es besteht zunächst einmal ein organisatorisches Ausgangsproblem, nämlich der organisatorische Umgang mit Wandel und Instabilität auf den Märkten. Dieses Problem verlangt nach bestimmten Vorgehensweisen, wie Opportunity Seeking, die allerdings im Widerspruch mit dem traditionellen in Effizienzdimensionen agierenden Schnittstellen- und Prozessdenken in Marketing und Vertrieb stehen. Aus dieser Erkenntnis heraus haben Unternehmen Stellen geschaffen, die Non-Standard Situationen in Marketing und Vertrieb bewältigen sowie neue Märkte und Geschäftsoptionen erschließen sollen. Mit der Zeit, so die These, finden bestimmte Prozesse statt, die auf eine Institutionalisierung hindeuten. Zum Beispiel entwickelt sich über die Beschäftigung mit dem erwähnten organisatorischen Problem eine eigene Terminologie heraus. Genau so verfestigt sich das Rollenbild des Business Development Managers, das zunächst nur sehr diffus und in uneinheitlich ist. Last not least entwickeln sich in der Beschäftigung mit dem organisatorischen Ausgangsproblem bestimmte Methoden, die zunächst in Seminaren oder Hochschulen gelehrt werden. Alle diese Faktoren führen zu dem, was wir dann Institutionalisierung nennen.

Zur Institutionalisierung gehört dann auch, dass sich ein bestimmtes Berufsbild herauskristallisiert, das gekennzeichnet ist durch:

  • Spezielle Tätigkeitsfelder
  • Einheitliche Qualifikationen und eine standardisierte Ausbildung
  • Berufsprestige
  • Bestimmte Karrierepfade
  • Sprache, Rituale, Bildungspatente
  • möglicherweise auch rechtliche Privilegien, wie staatliche Anerkennung, oder das Recht, selbst auszubilden. [2]
  • Unsere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass der Business Development Manager noch ganz am Anfang seines Professionalisierungsprozesses steht. Hierfür spricht allein die Tatsache, das nur ein verschwindend kleiner Teil der 590 befragten Business Development Manager an speziellen Ausbildungsprogrammen teilgenommen hat oder einschlägige Methoden anwendet.

    [1]Heidenreich, M. (1999); Berufskonstruktionen und Professionalisierung – Erträge der soziologischen Forschung; in: Apel, H.-J./Horn, K.-P./Lunfgreen, P./Sandfuchs, U. (Hg.): Professionalisierung pädagogischer Berufe im historischen Prozeß; Bad Heilbrunn/Obb. (Julius Klinkhart) (online: http://www.sozialstruktur.uni-oldenburg.de/dokumente/beruflundgreen.pdf (28.02.2010): 4

    [2] vgl. ebda.: 3 f., 9 f.

    Zur Studie “Business Development Management 2010” in Kooperation von Karlshochschule und Kienbaum sind folgende Beiträge in diesem Blog erschienen:

    (1) Business Development Management Studie 2010
    (2) Warum Business Development?
    (3) Ist “Business Development Manager” ein Beruf?

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