Der Harvard MBA-Eid: Lippenbekenntnis oder Paradigmenwechsel?
Autor: Patrick Breitenbach am 26.01.2010Die Mediziner haben ihn längst, den moralisch-ethischen Eid des Hippokrates, auch wenn er heute nicht mehr aktiv abgelegt oder gar rechtsverbindliche Wirksamkeit hat. Dennoch haben diese Leitsätze der ärztlichen Ethik die gesamte medizinisch-wissenschaftliche Welt extrem geprägt und diverse ethische Standards vorgegeben. Eine solche moralische Verpflichtung existierte – bis vor kurzem – für die Betriebswirtschaft natürlich nicht im mindesten. Die Finanz- und Bankenkrise zeigte einmal mehr, dass die Gier nach Profit stärker ist als jede Vernunft oder gar eine mögliche moralische Verantwortung de gesamten Gesellschaft gegenüber, oder wie es ein Harvard Business School Dozent in seinen Vorlesungen formuliert hat:
Wall-Street-Händler sind wie Raubtiere. Wirft man ihnen Fleisch vor, stürzen sie sich darauf.
Doch genau diese Aussage machte einige Studierende stutzig und es regte sich Widerstand in den Reihen der Karrieristen von morgen. Der HBS-Absolvent, Peter Escher, initiierte gemeinsam mit Studienkollegen eine Non-Profit-Organisation mit Namen “MBA-Oath”, also übersetzt den MBA-Schwur. Darin fordert er und seine Mitstreiter, als Klub der Harvard Business School, eine moralisch-ethische Verpflichtung von Managern im Stile des Hippokratischen Eides:
Therefore I promise:
I will act with utmost integrity and pursue my work in an ethical manner.
I will safeguard the interests of my shareholders, co-workers, customers and the society in which we operate.
I will manage my enterprise in good faith, guarding against decisions and behavior that advance my own narrow ambitions but harm the enterprise and the societies it serves.
I will understand and uphold, both in letter and in spirit, the laws and contracts governing my own conduct and that of my enterprise.
I will take responsibility for my actions, and I will represent the performance and risks of my enterprise accurately and honestly.
I will develop both myself and other managers under my supervision so that the profession continues to grow and contribute to the well-being of society.
I will strive to create sustainable economic, social, and environmental prosperity worldwide.
I will be accountable to my peers and they will be accountable to me for living by this oath.
This oath I make freely, and upon my honor.
Die Forderung zeigte Wirkung, denn plötzlich wurden in den Kursen auch Fallstudien bearbeitet, die sich mit den Themen “Business Ethics” tiefgreifender auseinandersetzen, sogar der Kurs “Moral Leader” erfreute sich steigender Beliebtheit bei den Studierenden. Inwieweit diese moralische Neuorientierung auch in der Praxis Früchte trägt bleibt offen, denn sobald der erste Gehaltscheck lockt, steht die gute alte Versuchung Geld wieder Gewehr bei Fuß. Doch auch wenn manche zukünftigen Manager diesen moralischen Codex nur als geschickten kommunikativen Schachzug begreifen, so ist er dennoch in seiner Gesamtheit extrem wichtig. Er dient nämlich überhaupt als Legitimation, damit die Pioniere der moralischen Verantwortung nicht alleine dastehen und somit eine Art Charta besitzen, an der sie ihr Handeln offiziell ausrichten können. Ein kleiner aber wichtiger Schritt, der aber erst auf lange Sicht zeigen wird, ob es sich hierbei bloß um ein Lippenbekenntnis oder um einen echten Anstoß zur nachhaltigen Veränderungen der Wirtschaftswissenschaften handelt.
In unseren Managementmodulen (in allen unseren Studiengngen) ist der Bereich “Business Ethics and Corporate Social Responsibility” jedenfalls schon länger fest verankert und ich gehe davon aus, dass dieses Thema von unseren Professoren nicht bloß als kommunikative Finte behandelt wird.
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