„Am liebsten erinnere ich mich an die Zukunft“

Autor: Michael Zerr am 16.12.2009

Dieses Zitat von Salvador Dalí könnte auch über diesen Erinnerungen stehen an zwei Wochenenden in Lautenbach im Schwarzwald, die nun schon zwei Jahre her sind. Damals haben sich Studenten und Professoren unserer Hochschule in Klausur begeben, um über die Zukunft unserer Hochschule und deren Selbst- und Leitbild nachzudenken.

Manche Studis, die damals dabei waren sind jetzt schon im Beruf oder stehen kurz vor ihrer Bachelorthesis, andere sind im Auslandsstudium oder haben sich für den Masterstudiengang “Leadership” eingeschrieben. Einer der Professoren hat eine Führungsfunktion an einer internationalen Hochschule in Afrika übernommen, andere sind Teil des Führungsteams der Karlshochschule. Sie alle haben daran mitgewirkt, dass die Karlshochschule den Weg eingeschlagen hat, den sie nun konsequent geht. Wer die Ideenkärtchen von damals liest, versteht ein bisschen von der jüngeren Geschichte der Karlshochschule.

Eine Gemeinschaft von Lernenden und Lehrenden sollte entstehen, in der die Nähe und das  gute Verhältnis zwischen Profs & Studenten eine herausragende Rolle spielt; eine Hochschule mit eigener Identität und großem Zusammenhalt, offen und transparent, liberal und bunt.

Die Kultur sollte geprägt sein von Humor und Understatement, Fröhlichkeit und Nachdenklichkeit, Fairness und Respekt, Wärme und Menschlichkeit.

Überraschend, begeisternd, sensibel, ironisch, persönlich, angreifbar, diskursiv, sophisticated, intellectual und sexy – so wollten wir und so sollte die Hochschule sein. Act like lovers do: in diesem Satz war all dies verdichtet.

Ausgehend von den Lernzielen der Bereitschaft zur Übernahme sozialer Verantwortung (Führen als Dienen), der Courage und Zivilcourage und der Fähigkeit zur Selbstreflexion wollten wir Engagement und Initiative fördern, Freiheit zumuten und die Unsicherheit lieben lernen.

Managementkompetenz sollte aus verschiedenen Sichten im Rahmen dialogischer Lehre entstehen, die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel und zu Fragestellungen “hinter den Kulissen” eingeübt werden. Narrationen, Symbole, Rituale, Inszenierung waren Schlüsselbegriffe einer Wirtschaftswissenschaft, die sich in ihrer Prägung als interpretativ und kulturwissenschaftlich begreift.

Wir wollten praxisnah und international sein, gut vernetzt mit Wirtschaftsunternehmen und Partnerhochschulen weltweit; Auslandssemester sollten zur Regel und die Unternehmenskooperationen ausgebaut werden; Interdisziplinarität und Team Teaching (drei Profs unterrichten mit drei unterschiedlichen Brillen) sollten voran getrieben werden.

Die Hochschule sollte forschungsintensiv sein, die Freude am Entdecken, am Neuen, an der Anwendungsorientierung und am kritischen Dialog mit der Praxis sollte gefördert und Zeit für den Aufbau von Netzwerken, Forschungsvorhaben und Veröffentlichungen freigekämpft werden.

Kleine Lerngruppen, externe Lehrveranstaltungen, Exkursionen, Planspiele, Simulationen, Case Studies, Block-Unterricht und Blockseminare, Lernen am Beispiel, moderne Lernformen (- e-learning, podcasts, weblogs), Lernen durch Lehren, durch Erleben und Erfahren, spielerische und konstruktivistische Didaktik waren einige der Ideen, die sich zu einer Dynamik des Studiums im Sinne einer Lerndramaturgie zusammenfügen sollten.

Bei alledem: eine verstärkte Beteiligung von Studierenden und insbesondere eine Mitauswahl der Professoren durch die Studierenden, akademische Selbstverantwortung und Entscheidungskompetenz, eine ernstgemeinte Beteiligung der Leistungsträger an den strategischen Entscheidungen, eine Betonung des studentischen und professoralen Engagements und der intrinsischen Motivation und eine gemeinsame Definition der gemeinsamen Ziele.

Wer sich die Hochschule heute anschaut sieht, dass der Umbau einerseits ein gutes Stück vorangekommen ist, dass aber andererseits auch noch sehr viel vor uns liegt.

Da ist es gut, von Zeit zu Zeit inne zu halten und sich zu vergegenwärtigen, wofür wir angetreten sind. Denn wie heißt es so schön im Koran: “Wenn man das Ziel nicht kennt, ist kein Weg der richtige”. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen frohe Weihnachten und ein glückliches Jahr 2010.

Ihr

Michael Zerr



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