Perspektivenwechsel & Storytelling: HBO Imagine

Autor: Patrick Breitenbach am 18.11.2009

Besonders interessant, im Zusammenhang von Storytelling und Perspektivenwechsel, finde ich die Produktionen des amerikanischen Pay-TV-Sender HBO. Der Sender ist ja bei Kennern mittlerweile dafür bekannt, dass er sehr viel Wert auf Qualität und Tiefe bei den Inhalten legt. Die derzeitigen Top-Serien wie Sopranos, In Treatment, Carnivale, The Wire, Deadwood oder Six Feet Under sind alle gekennzeichnet von ausgefeilten und ambivalent-überraschenden und detailiert skizzierten Charakteren, Perspektivenwechsel (Also Bruch mit alten Muster und Sichtweisen), großartigen Dramaturgie, was dann am Ende zu ausgezeichnetem Storytelling führt.

Nun geht HBO noch einen Schritt weiter in Richtung neue, interaktive Medien. “HBO Imagine” führt eine Geschichte in die nächste Dimension. Es gibt zunächst einen Erzählstrang, der explorativ (entdeckerisch), erkundet werden kann, dazu kommt, dass ein und diesselbe Geschichte mittels eines TV-Würfel nun von vielen verschiedenen Blickwinkeln angeschaut werden kann. Der Würfel mit dem jeweiligen Clip kann während des Abspielens gedreht werden und so erhalte ich plötzlich eine Erweiterung der eigentlichen Geschichte. Einen Aha-Effekt, den ich nur erzielen kann, wenn ich die Perspektive wechsel, denn ich begreife als Zuschauer plötzlich die größeren Zusammenhänge der einzelnen Szenen. Ein extrem spannender Ansatz, den HBO da entwickelt hat und ich bin fest davon überzeugt, dass wir in Zukunft wesentlich mehr interaktives Programm auf diesem Niveau sehen werden. Für mich ein schöner Case passend zur kommenden Konferenz “Narrative & Innovation” – wenn auch eher im Konsum/Entertainment-Bereich angesiedelt.