Stimulieren statt disziplinieren: Jack Lochhead über das konstruktivistische Lehrkonzept

Autor: Patrick Breitenbach am 14.11.2009

Dank dem Tweet von @filterraum bin ich auf ein aktuelles Interview “Lernen ist wie Sport” mit Jack Lochhead gestoßen, einem amerikanischen Bildungsforscher, der den Konstruktivismus in der Pädagogik als eine äußerst wichtige Grundlage beschreibt.

Die Hauptbotschaft, die ich für diesen Bereich ableite, lautet: Die meisten Lehrer, insbesondere Universitätslehrer, bereiten eine Vorlesung vor und erwarten, dass die Studenten sie verstehen. Und wenn sie sie nicht verstehen, ist es deren Fehler.

Als Konstruktivist muss ich sagen: Es ist doch überraschend, wenn die Studenten meine Worte genau so interpretieren, wie ich es intendiert habe. Für mich war es als Lehrer immer wichtig zu fragen: Wie habt ihr das, was ich gesagt habe, verstanden?

(…)

Lehrer müssen Schüler immer wieder fragen: Wie seid ihr zu diesem Schluss gelangt? Im Grunde ist es nicht viel anders als im Sport: Wer Fußballspielen lernen will, braucht zunächst einen Ball, auf den er (oder sie) draufhaut. Erst danach kann man sagen: Du könntest es auch so und so probieren. Die Rolle von Eltern und Lehrern hat vieles mit der eines Trainers gemeinsam.

Aus dieser Grundannahme heraus, dass sich Wissen individuell bei jedem Einzelnen im Kopf zuerst durch das Erfahren, den Aha-Effekt, konstruieren muss, sollte sich die Didaktik also immer zuerst daran orientieren, was beim Zuhörer tatsächlich angekommen ist, also von ihm interpretiert wurde. Daraus schließlich folgt wieder, dass es tatsächlich wichtiger ist die Reflektion zu erlernen/trainieren und somit das Wissen wie man lernt, statt reine nichtssagende, uninterpretierbare Fakten zu pauken. Nicht umsonst steht in unserem Leitbild:

Orientierungswissen entsteht in der Konstruktion von Sinn. Orientierungswissen bedeutet Kultur, reflektiertes Leben. In diesem Sinne sind wir geprägt von einer kulturwissenschaftlichen und konstruktivistischen Ausrichtung.

Ich bin wirklich sehr froh an einer Hochschule zu sein, die dieses Konzept zu 100% verfolgt und täglich dabei auch angestrengt ist, das Theoretische tatsächlich auch in die Tat umzusetzen. Als Konstruktivist ist das für mich natürlich extrem spannend, das hier hautnah zu beobachten und mit zu fördern.



  • Marc
    Sehr interessant und richtig !

    Ich stimme voll und ganz zu und kann nur bestätigen das es hier (an der Hochschule) sehr gut umgesetzt wird, von sehr vielen Dozenten...
    Man wird unterstützt um den "Aaaaa - Effekt" zu erlangen, denn nur dieser bringt nicht nur kurzfristig etwas, sondern ist im Bestfall für immer im Hirn. Dies sollte das Ziel aller Studis und (!!) Dozenten sein Ihn immer wieder zu erlangen, diesen Effekt und nicht das auswendige lernen was heutzutage meiner Meinung nach, speziell im Schulbereich, noch viel zu oft an den Tag gelegt wird.

    Vieles geben und veranlassen da aber auch die "Trainer". Deshlab bin ich froh "Trainer" zu haben, die jederzeit ein offenes Ohr für jegliche Fragen haben, die in mir diesen für mich so wichtigen "Aaaa - Effekt" ausmachen.

    Die Hochschule hat dies zu 100 % verstanden.


    Gruß
    Marc
blog comments powered by Disqus

Hier triffst du uns

Infotage

Sonstige Events

Fans auf Facebook

Twitter

Karlshochschule Netzwerk

Karlshochschule Social Media