Weizenbier mit Sojasauce (China I)
Autor: Prof. Stefan Luppold am 18.09.2009Die Karlshochschule International University hat eine weitere Partnerhochschule in China. Nach einer perfekten Vorbereitung durch unser International Office und dessen Leiterin Andrea Schramm war es an mir, diese Steilvorlage noch “ins Tor zu tragen”. Eine eher angenehme Aufgabe, auch trotz mancher Besonderheiten:
Die Stadt Jinan ist uns in Deutschland nicht gerade bekannt, zählt sie doch mit noch unter 10 Millionen Einwohnern zu den eher kleineren Städten in China. Also quasi so klein wie London oder Paris! Als Hauptstadt der Provinz Shandong verfügt sie über eine Vielzahl verschiedener Universitäten, darunter die SHANDONG UNIVERSITY OF LIGHT INDUSTRY (die Bezeichung stammt noch von einer Industrie- bzw. Wirtschafts-Zuordnung, die China aus der UdSSR übernommen hatte). 20.000 Studenten sind dort eingeschrieben, am Campus selbst – den teilen sich mehrere Unis – leben, lehren und lernen 100.000 Menschen.
Bereits bei der Begrüßung wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass die Verbindungen nach Deutschland “sehr gut” seien, die Techonologie für den Studiengang “Brauerei-Wesen” sei “Made in Germany”, die Ausbildungsinhalte mit den Experten aus Bayern intensiv abgestimmt. Ein kleiner Blick ins Labor gefällig? Als Gast in China sagt man nicht Nein – und ist überrascht von einer Produktionseinrichtung, die selbst “Vogelbräu”-Erfahrene vor Neid erblassen lassen. Und nicht nur schauen, auch probieren. Ganbei! Ein Hefeweizen auf nüchternen Magen geht schon, ein kleines…

Dann Vertragsunterzeichnung – sehr entspannt, freundschaftlich und unter heftigem Austausch von Geschenken – nach diesem Frühschoppen keine Frage! Anschließend das übliche Festessen mit Tee – und, wer hätte das gedacht, weiterem Bier! Fleißige Helfer trugen, während ich andächtig und konzentriert für die Karlshochschule International University unterschrieb, ein Fass in das Nebenzimmer der Mensa. Ganbei heißt nicht nur “Prost” sondern nach chinesischer Interpretation auch “Ex und Hopp”.

Ein Trinkspruch von allen Teilnehmern der Zeremonie, jeweils gefolgt von einem “Ganbei” – ich lasse hier unerwähnt, wie groß die Zahl der Tafelnden war – führte trotz kleiner Gläser zu einem für mich erstaunlichen Konsum von Eigengebrautem. Glücklicherweise konnte ich der Assistentin des stellvertretenden Direktors durch Gesten mitteilen, insbesondere durch Einschenken aus großer Höhe den Schaumanteil zu erhöhen und damit die relative Menge in meinem Glas zu reduzieren.

Anschließend wurde ich zur Gastvorlesung gebeten. Ein wenig über Deutschland, Karlsruhe, unsere Hochule und die angebotenen Programme. Interessierte Studenten im 400 Personen fassenden Hörsaal hatte ich nicht nur erwartet – nein, sie waren auch gekommen und, was ein Glück, sie passten zu dem bis dahin gewonnen Eindruck unseres neuen Partners: topp!

Nun werden wir, mit Unterstützung unseres deutschen Partners “Eduard-von-Hallberger-Institut” (Dank an Frau Wang, die als perfekte Gastgeberin, Übersetzerin und Mentorin meine Reise begleitete) an konkreten Aktivitäten arbeiten; bereits im Oktober kommen Studenten aus Jinan nach Freudenstadt im Schwarzwald – nach einem einjährigen Deutsch-Kurs wird sich der eine oder andere vielleicht für ein Studium bei uns entscheiden. Darauf stoße ich an – Ganbei!
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