Online-PR-Causa Jako: Never ever fuck David if your name is Goliath! – Update

Autor: Patrick Breitenbach am 4.09.2009

Update: Das Unternehmen Jako lenkt ein, bereut und verspricht keinen finanziellen Nachteil für den betroffenen Blogger.
Nun darf man gespannt sein, ob den Worten Taten folgen.

Goliath fucked up Ich kenne mich mit der Juristerei genauso wenig aus wie im Breitensport, aber eines habe ich in all den Jahren Kommunikation und Bloggen gelernt: Never ever fuck David if your name is Goliath!

Eine gute Zusammenfassung zur Causa Jako und ihren abmahnfreudigen Anwälten findet man auf dem sportaffinen Blog allesaussersport. Es tut wie gesagt auch gar nichts zur Sache, wer denn jetzt juristisch auf der richtigen Seite steht, denn die ganze Geschichte entwickelt sich von Blogeintrag zu Blogeintrag, von Tweet zu Tweet, zur absoluten PR-Image-Katastrophe und wird sich bei den kommenden Vorträgen rund um Blogs, Reputation und Online-PR-Krisenmanagment einen sicheren Platz auf der Präsentationsfolie gleich hinter Jamba, Vadder Klum und Konsorten einen Stammplatz sichern (es gibt ja sogar schon lange einen Fachausdruck für das was da gerade passiert, nämlich der Streisand-Effekt)

Warum? Weil weder die Anwälte noch die Kommunikationsabteilung(en) von Jako begriffen haben, in welchen kulturellen Kontext sie da reingedroschen haben. Die vernetzte virtuelle Welt ist gekennzeichnet von Solidarität (manche nennen es bösartig “Hang zur Mobbildung”), freier Meinungsäußerung (manche nennen es “Klowand”) und ist so oder so äußerst allergisch, wenn es darum geht dass ein großes Unternehmen juristische Streubomben auf virtuelle Ameisen wirft. Wie gesagt, man mag das als betroffenes Unternehmen doof, unangemessen, unverschämt, ungerecht oder was auch immer nennen – am Ende bleibt der kommunikative Gegenschlag und nun hat man den entsprechenden PR-Fallout.

Sowohl die Kanzlei, wie auch der Auftraggeber werden für ewig im Googl’schen Index als bösartiger Goliath archiviert sein und wenn die Linkwelle so weitergeht, man den Fall mit bereits abgefrühstückten PR-Gaus in der Vergangenheit vergleicht, so werden auch die klassischen Medien nicht lange auf sich warten lassen. Wenn das Thema dort erst einmal einsickert, so möchte ich nicht in der Haut der Kommunikationsverantwortlichen stecken (die gerade wohl alle im Urlaub verweilen und davon vielleicht nix mitbekommen). Je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird das Krisenmanagement werden, desto weniger lässt sich der Brand löschen.

Zusätzlich erhält der Fall übrigens noch eine ganz besondere Note. Denn die mittlerweile wirklich zahlreichen Blogs der Fußballfans in Deutschland finden das Gebahren des Ausrüsters von Bundesligist Eintracht Frankfurt gar nicht lustig. Auch sie schalten sich nun vehement in die Diskussion ein und könnten somit als echte und klar definierte Zielgruppe so richtig Pressingauf den Sportartikelhersteller machen. Für eine Marke, die sich irgendwie im “Grassroot” positionieren wollte, alles andere als günstig und so wird am Ende nur virtueller verbrannter Rasen hinterlassen.

Mein Rat an dieser Stelle:
100% zurück Marsch-Marsch. Entschuldigen (auch wenns weh tut und man sich im absoluten Recht sieht, die Wirklickeitskonstruktion der Blogosphäre spricht eine deutlich andere Sprache) Buße tun und sich endlich mit dem kulturellen Kontext des Internets und dessen Nutzern intensiv auseinander setzen. Am Besten als allererstes mit dem betroffenen Blogger.

4 Kommentare

  1. [...] als Angriff auf, jüngst geschehen im Fall Jack Wolfskin, bei der die Marke mal wieder in die internettypische Goliath-Falle tappt und die klassischen Medien nicht lange auf sich warten [...]

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