Nomen est Omen.

Autor: Prof. Dr. Lutz Becker am 29.07.2009

Der Name ist ein Zeichen, sagt der Lateiner, eine Botschaft dessen, was da kommen wird – oder vielleicht sollte man es so übersetzen: “Der Name ist Programm.”

Seit dem 27. Mai 2009 heißen wir Karlshochschule International University. Umbenennungen von Organisationen sind ein hartes Brot für alle Beteiligten. Ich erinnere mich noch zu gut daran, wie Mitte der 1990er Jahre die Arcen Data AS umbenannt werden musste, weil sich dieser Kunstname (die Vorsilben der Vornamen der beiden Gründer) in einigen Sprache nicht ganz appetitlich anhörte. Ein international aussprechbarer und wohlklingender Name musste her, mit dem Asiaten, Amerikaner und Europäer keinen falschen Assoziationen verbinden konnten. Drei Firmennamen blieben am Ende übrig. Hammer, ein Agenturvorschlag, Robust, der Name einer frisch akquirierten Firma in Melborne, und Norman, aus der Insolvenzmasse der britischen Norman Magnetics. Für mich klangen die beiden ersten Namen eher wie die landwirtschaftlichern Produktionsgenossenschaften (LPG) der gerade untergegangenen DDR und nicht nach High-Tech Unternehmen. Veto! Blieb also “Norman” übrig, ein Namen mit dem alle Beteiligten gut leben konnten. Fast alle. Unser amerikanischer Kollege assoziierte den Namen mit der Comic Figur “Norman Propellerhead”, entsprechend zerknirscht seine Reaktion. Dass wir dann den Namenszusatz Data Defense Systems gut amerikanisch mit “S” schrieben, und damit die flammende Plädoyers unserer Londoner Kollegen für das brtische “C” vom Tisch fegten, baute ihn auch nicht mehr auf.

Neue Namen hören sich zu Anfang nicht nur ungewohnt und sperrig an, sie zwingen die Mitglieder und Stakeholder einer Organisation, ihre Komfortzone, das Gewohnte und Bewährte, zu verlassen. Schlimmer noch: Ihnen wird etwas weggenommen. Der Name war vielleicht bislang gar nicht so wichtig, aber jetzt schmerzt zuerst einmal der der Verlust. (Das Phänomen nennt man übrigens “Psychological Ownership”, Veronika Oda schreibt gerade ihre Bachelor Thesis über dieses Thema). Man wird zu einem kreativen Akt gezwungen, weil man seine Beziehungen zu dem neuen Namen und zu dem, wofür der Name steht, neu definieren muss. Man muss im Zweifel sich selbst neu definieren – das ist mühsam. (Es gibt noch viel mehr hoch interessante Aspekte, die mit Firmen und Markennamen zusammen hängen. Denjenigen, die das interessiert, empfehle ich den Studiengang International Marketing!)

Spannend ist der Prozess aber nicht nur bei uns. Der Fachbereich Wirtschaft der Bergischen Universität, meiner Alma Mater und die einiger meiner Kollegen, hat sich in Schumpeter School of Business umbenannt. Bei allem wofür ich Josef Alois Schumpeter (1882-1950), einer der brillantesten Denker unter den Ökonomen des 20. Jahrhunderts, und seinen internationalen Ruf schätze – es gehört schon eine Menge Chuzpe dazu, eine deutsche Hochschule, noch dazu auf den Hügeln des Bergischen Landes (das sich von der Mentalität seiner Unternehmer gar nicht so sehr von Baden unterscheidet), nach einem österreichischen Pleitier zu benennen.

Ich gehöre zu einer Generation, die noch dafür geworben hat, die Hochschule in Friedrich Engels Universität umzubenennen. Der Wuppertaler Friedrich Engels steht wie kein anderer für den inhärenten Konflikt zwischen Ökonomie und Sozialem – ein Konflikt, der sein ganzes Leben geprägt hat, und ein Konflikt, der heute im 21. Jahrhundert so aktuell ist wie eh und je. Zu meiner Studentenzeit bekamen aber Politiker wie lokale Unternehmer allein schon bei der Erwähnung des Namens “Friedrich Engels” kollektive Schnappatmung. Mit Kommunisten und Marx Freunden wollte man nun gar nichts zu tun haben. Das hat sich inzwischen zum Glück geändert. Engels bekommt ganz langsam den ihm gerecht werdenden Platz in der lokalen Geschichte und der der Ökonomie zugewiesen, wenn auch leider keine Universität.

Mit unserem neuen Namen Karlshochschule kann ich wirklich hervorragend leben. Ich mag ihn. Nicht nur, dass der Name eine Hommage an den Standort Karlsruhe ist, es gibt auch historische Figuren, die man positiv mit dem Namen verbinden kann, es muss ja nicht gleich Karl Marx sein. Auf jeden Fall ist dieser Name für mich weit besser als jede 3-Buchstaben-Kombination: Harvard, Purdue oder Yale mögen als Benchmark dienen.