Was der Vodafone “Corporate Blog” Case wirklich kaputt macht

Es wäre zu einfach und somit auch zu langweilig noch weiter auf die platten Werbebotschaften, die Bullshitbingosprache und das übliche Top-Down-Gehabe des Kommunikationskonzerns unter dem Deckmantel eines Blogs weiter einzugehen. Es wäre ja auch nur Wasser auf den Mühlen der gewünschten Aufmerksamkeit. Alle dort getätigten Fehler wurden bereits vor Jahren schon ausgiebig in der Blogosphäre analysiert, diskutiert und eigentlich als gegebenes Wissen dokumentiert. Von daher war auch abzusehen, was geschieht, wenn plötzlich mehr oder weniger bekannte Bloggergrößen (die der Durchschnittsbundesbürger wahrscheinlich eher vom gemeinsamen Einkauf beim Bäcker kennt als aus dem Internet) für ein großes Unternehmen mit schlechtem Ruf in punkto Kundendialog werben. Da kann die Marketingabteilung von Vodafone noch so scheinheilig beteuern, dass dies keine Testimonials, keine Werbefiguren seien, sondern ganz authentische Menschen wie du und ich seien. Der Amerikaner würde nun sagen “talking bull”. Aber wer weiß, vielleicht war auch gerade das so beabsichtigt. Für mich persönlich wäre das umso schlimmer.

Natürlich ist die hereinbrechende Welle der hämischen Kommentarflut unschön für die Bloggerin Frau Schnutiger. Und ich selbst finde es unverantwortlich von den sogenannten Social Media Beratern, dass sie diese Flut der persönlichen Beschimpfungen einfach so zulassen, sich nicht schützend vor ihre Blogger stellen, das Ganze abbrechen (ja auch dann wird Kritik kommen, aber Frauen und Kinder zuerst) sondern sichtlich die dadurch generierte Aufmerksamkeit – bad PR ist für die immer noch good PR – genießen und sich ihre Hände reiben, weil die ganze Story nun auch die klassischen Onlinemedien erreicht hat. Gratulation! Ziel der Aufmerksamkeitsgenerierung ist erreicht.

Zusätzlich können sich die Verantwortlichen auch freuen, dass nun die Web 2.0 Gemeinde in der Öffentlichkeit ebenfalls über den Kamm geschert werden und als pöbelnder Mob stilisiert werden, die nur darauf lauern, die nächste Sau durchs Dorf zu peitschen. Auch so kann man Dialoge – so heftig sie auch wirken – kaputt machen. Kritik ist nicht gleich Häme ist nicht gleich Bedrohung. Ich persönlich fand viele der kritischen Kommentare sicherlich unsachlich, unpassend und einfach unhöflich, doch ich vertrete auch die Ansicht, dass man durchaus das Echo vertragen muss, wenn man in den Wald bzw. in das Netz hineinbrüllt. Man muss trennen zwischen Beziehungs- und Inhaltsebene. Und sowieso sollte man sich – wenn man schon nicht von anderen beschützt wird – ein dickes Fell im Netz zulegen. Das Netz ist komprimiertes Menschsein udn wir alle wissen wieviele A…ndersartige Menschen da draußen umherlaufen.

Als verwunderter Unbeteiligter entsteht nun das Lesen des Spiegel-Online-Artikels der Eindruck als sei das Netz abgrundtief böse, gefährlich und auch irgendwie irrelevant aber irgendwie strange. Das Vertrauen und die Hoffnung auf Dialoge sind mal wieder zunichte gemacht. Wer das liest, hat keinen Bock mehr sich hinzustellen und etwas zu sagen. Gut für die großen Unternehmen, sie können an ihrer Top-Down-Strategie festhalten und ohne Rückkanal senden, senden, senden, senden …

Was ich aber weitaus tragischer finde ist, dass durch diese Eskapaden einiger Werbemenschen, nicht nur die frischgebackene Mama Schnutinger dem “Minipöbel” zum Fraß vorgeworfen wurde, sondern dass dieser Case nun wieder eine große Abschreckung ist für Unternehmen, die wirklich ein Interesse daran haben über sich, aber auch MIT den interessierten (gerne auch kritischen) Zuhörern per Blog zu kommunizieren.

Ich selbst bin an diese Hochschule geholt worden, um den Bereich Social Media auszubauen. Natürlich dient das Blog und alle anderen Maßnahmen dazu Studierende für unsere Hochschule zu begeistern. Unternehmen zu überzeugen Kooperationen mit uns einzugehen und unsere Absolventen später einzustellen. Ich könnte diesen Job übrigens nicht machen, wenn ich nicht selbst von diesem Unternehmen, der Instutition, dessen Füührung, der Philosophie und den darin arbeitenden Menschen überzeugt bin. Sicher, ich habe es einfacher, es ist kein anonymer Riesenkonzern, hier ist alles noch sehr familiär (natürlich mit allen Facetten die ein Familiensystem hervorbringt, also nicht nur das schnuckelig-heimelige) und offen, genau das macht es für mich so reizvoll als stellvertretender Kommunikator zu arbeiten. Aber ich will hier ja keine One-Man-Show machen als PR-Heini agieren, sondern auch nur als Teil des Systems sprechen und möglichst viele andere Systemteilnehmer dazu ermuntern, sich hier offen zum Dialog zu stellen oder einfach über ihren Alltag an der Hochschule zu berichten. Das ist mühsam, aber es lohnt sich langfristig.

Tja, und da macht so ein Case wie Vodafones Social Media Berater ihn hingelegt haben die Sache nicht wirklich einfacher. Die Angst vor schlimmen Konsequenzen überwiegt. Aber ich brauche als Kommunikationsleiter begeisterte Blogger im Unternehmen, wenn ich möchte, dass sich mein Unternehmen nach draußen möglichst offen und authentisch darstellt. Mit der Angst im Nacken, wird mir das aber nicht gelingen. Daher ist der Fall Vodafone gerade für Leute wie mich, die kleine aber feine Corporate Blogs aufbauen wollen, die Kanäle wie Twitter tatsächlich zum Dialog nutzen wollen, absolut fatal.

Nochmal. Es ging bei dem Fall Schnutinger nicht darum, dass ein Unternehmen in ihrem eigenen Corporate Blog Werbung gemacht hat, sondern dass eine bezahlte Bloggerin von außen für Produkte des Unternehmens geworben hat, welches sie seit drei Monaten kostenfrei besitzt und aber noch nicht einmal die von ihr beschriebenen Aktionen (Bilder hochladen etc.) ausgeführt hat, die sie in ihrem Beitrag so begeistert geschrieben hat. Sie wurde einfach dabei erwischt die Unwahrheit zu sagen – auch wenn sie noch so banal erscheint. Genau das ist der Punkt, warum die Leute sich so darüber aufgeregt haben. Das Unternehmen und ihre großen Vertreter selbst spricht nicht – es sprechen ihre eingekauften Werbefiguren, die noch nicht einmal die Produkte so ausprobiert haben, wie sie es behaupten. (Ich bin übrigens sehr froh, dass unser Chef hier wieder mitbloggt – und natürlich all die anderen Mitarbeiter und Studierenden auch, denn das zeichnet ein Corporate Blog aus – Werbung hin oder her)

Abschließend möchte ich noch deutlich mein Verständnis für Frau Schnutingers Rückzug vom Web 2.0 bekunden, auch wenn mich ihre Blauäugigkeit extrem überrascht hat. An ihrer Stelle würde ich ein ernstes Wörtchen mit Konzern und dessen Social Media Beratern (und damit Betreuern und Beschützern) sprechen. Wenn sie denn überhaupt Lust haben zuzuhören.

27 comments Write a comment

  1. Ich glaube nicht, dass der schwarze Peter bei Vodafone liegt. Ich bin eher der Überzeugung, dass die dahinterstehende Werbeagentur die Verantwortung für diesen Faux-Pas zu tragen hat. Denn: Wer ist die Schnittstelle zwischen Brand und Blogger?
    Die selbsternannte Social Media Agentur. Damit ist der direkte Draht zur Brand unterbrochen.
    Und um dem ganzen noch die Krone auf zu setzen. Ich hoffe, dass der ganze Artikel wirklich von Schnutinger geschrieben wurde und nicht von einem Social Media Fuzzy der Agentur, der diesen dann in ihrem Namen veröffentlicht hat.
    In meinen Augen ist diese ganze Aktion (abgesehen der persönlichen Konsequenzen durch Beleidigungen und Pöbelei) sehr hilfreich für den Social Media Bereich in Deutschland:
    Sei ehrlich und authentisch.
    So wie hier bei euch.

  2. Auf den Punkt, Patrick! Es war erschreckend, mit welcher Hilflosigkeit – ja, vielleicht auch Rücksichtslosigkeit – das Vodafone-Team die Angriffe hat laufen lassen. Nicht nur auf dem Vodafone-Blog selbst, sondern auch bei Wirres.net, wo die Kommentare noch eine Nummer heftiger waren. Wer jemand vor seinen Karren spannt, hat auch eine Verantwortung für sein Zugpferd. Davon konnte ich bis jetzt nichts entdecken.

    Ob die Angelegenheit der Sache der Corporate Blogs langfristig schaden wird, mag ich noch nicht beurteilen. Dafür, glaube ich, ist die Vodafone-Story noch immer zu nischig. Außerdem bleibt es ja uns Beratern überlassen, die positiven Aspekte, die Begeisterung, die Chancen eines konstruktiv-offenen Umgangs im Social Web aufzuzeigen.

  3. Stimmt. Ich finde es auch sehr schade, wie das ganze Projekt gehandhabt wird. Aber ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass Blogging und Social Media wirklich was für große Konzerne ist. Oder nur für sehr wenige Ausnahmen. Das ist eher was für “familiäre” Unternehmen, Mittelständler usw. Da kann ein Blog oder Social Media Whatever helfen das “Spielfeld zu ebnen”. Gegenüber den Konzernen versteht sich.
    Naja, mal sehen wie groß die “Kollateralschäden” so sind.

  4. Pingback: 50hz – Werkstatt für Netzkommunikation » Blogarchiv » Vodafone: Und immer noch kein Ende

  5. Ich kann nicht erkennen, was das als globale Auswirkung hat oder haben soll. Nur weil einige Idioten die Straßen als Mittel nutzen, um ihre sozial oder charakterlich gehemmten Aggressionen am Lenkrad “unbemerkt” abzuführen, ist doch nicht der Straßenverkehr schlecht oder in Gefahr oder eine Bedrohung. Nur weil Nico Lumma und Sascha Lobo das Unternehmen entweder schlecht beraten haben oder vodafone nicht auf sie hört, ist doch Social Media Marketing nicht bedroht. Es gab Dutzende grobe Fehler in der Planung, der Konzeption und der Ausführung der Kampagne. Gerade sehr teuer Autos neigen dazu viele Fehlfunktionen zu vereinen. Das ist für mich eher ein Problem der dummen Kunden, die so etwas blauäugig hinnehmen. In diesem Fall ist ein großes Unternehmen dumm genug gewesen. Wenn wir uns die Bankenkrise ansehen, dann gibt es noch weitaus schlimmere Dummheiten.

    Was mir wirklich Sorgen macht ist das Niveau der Diskussion über solche Vorfälle. Und dabei meine ich nicht diejenigen, die einen Text, der inhaltlich schon am Boden liegt wie der über das “tolle HTC Magic”, nochmal entwerten durch ein argumentum ad hominem an die Adresse der Werbetexterin Schnutinger (was erwarten die denn auf einem vodafone-Blog?). Nein, es geht grundsätzlich um das dialogische Prinzip. Offenbar wird durch Bank nicht reflektiert über demokratische Verfahren und tayloristische Management/Werbe/Strategiemethoden aus dem 19. Jahrhundert und den ganz Komplex der niedrigschwelligen Kommunikation in (Fast)Echtzeit, die im Web üblich ist. Die traditionellen Medien gehen da keineswegs mit innovativen Schritten voran. Dass man dann auch im deutschen universitären Umfeld aber auch nichts in diesem Artikel über medienimmanente Implikationen, gesellschaftliche Adaptionsvorgänge und die postmodernen Kommunikationsversuche von wirtschaftlichen Imperien liest, stimmt mich ehrlich gesagt weitaus bedenklicher…

  6. Patrick Breitenbach

    @modahoe: Ja und nein. Die Beziehung zwischen Agentur und AUftraggeber sind nicht wirklich einfach. Die einen schreiben die Rechnung, sitzen also am Entscheiderhebel, die anderen brauchen die Rechnung und sollen aber optimal beraten und gar sagen, wenn der Kunde was nicht richtig macht. Da gehört viel Mut dazu, gerade in Zeiten wie diesen.

    Das mit Authentizität und Ehrlichkeit, da bin ich selbst immer sehr skeptisch, weil die ja immer nur in den Köpfen der Leser entsteht. Wenns dumm läuft ist man ehrlich, aber niemand nimmt einem das ab. Von daher gehört auf alle Fälle eine vertrauenswürdige Basis dazu, die Bereitschaft diesen Weg konsequent zu gehen, aber vor allem eine Unternehmensführung die den betreffenden Kommunikatoren das nötige Vertrauen und die maximale Freiheit schenkt. Von daher ist der Nährboden hier schon ideal, aber sicherlich eine große Ausnahme. Und natürlich ist eine kleine Hochschule immer noch was anderes als große Wirtschaftskonzerne.

    @Tapio: Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen und da war es so, dass ich heute morgen eine Mail von jemanden bekam, mit Hinweis auf Spiegel Online Artikel und ihrer Bemerkung, das genau dies mit ein Grund ist, warum sie dem Publizieren im Netz so skeptisch gegenübersteht. Recht hat sie und das war für mich ein Anlass diesen Beitrag zu schreiben.

    @Tim: Das glaube ich noch nicht einmal. Große Konzerne haben in der Vergangenheit bewiesen, dass es geht. Microsoft, IBM, Daimler etc. Man darf nur nicht den Fehler machen und Corporate Blogs oder Social Media als weitere Werbeform einsetzen. Und wie gesagt, die Firmenpolitik ist entscheidend, ich glaube schon, dass es unabhängig von der Größe machbar und möglich ist. Es ist schwerer klar, aber nicht undenkbar. Aber eben bitte nicht so wie Vodafone – was ja ein Kampagnenblog ist (man hätte ja auch geile Stories machen können, nicht auf der “wir sind offen für Dialog”-Schiene, also eher so wie Ulmen es jetzt mit adidas vorhat). Also Vodafone Blog ist kein Corporate Blog – für mich jedenfalls (noch) nicht.

    @Wittkewitz: Ja sicherlich mangelt es an Dialogkultur, aber ist es nicht eher so, dass einige wenige, die lautstark brüllen alle anderen leisen Kommunikatoren überdecken und somit den Anschein geben, dass sie die große Mehrheit darstellen? Wäre ja so, als ob man sich entschließt keine Kinder zu kriegen nur weil man mal einen Tobsuchtsanfall eines 5-jährigen im Supermarkt miterlebt hat. Wer ist denn bei dieser ganzen Geschichte plötzlich wieder im Fokus der Aufmerksamkeit? Die Pöbler und die anderen Extreme.

    Zum Thema der Social Media Berater. Das würde ich nicht unterschätzen, je nachdem wie clever Scholz & Friends diesen Case verkaufen macht der auch Schule. Ihr wollt maximale Aufmerksamkeit? Scoops? Hier. stichelt ein wenig in der Blogosphäre und schon habt ihr überall Artikel und jeder spricht über uns. Ich meinte das durchaus ernst, dass ein Großteil der Marketing- und PR-Experten immer noch fest daran glauben, dass jedwede Art von Publicity gut ist. Ich weiß zufällig von beiden angesprochenen Personen dass sie ein dickes Fell besitzen und keine Probleme haben ihre Sachen zu verkaufen. So groß ist die Riege der “Social Media Berater” nicht, vor allem nicht, wenn große Unternehmen sowieso nur große und etablierte Agenturen beauftragen.

    Aber ich denke auch, dass die klassischen Medien ihren Beitrag dazu leisten eine breite und intensive Dialogkultur gar nicht erst aufkeimen zu lassen. Das zählen schnelle News statt intensive thematische Auseinandersetzung mit dem Thema. Provokante Kontroversen bringen Quote. Das heisst dadurch, dass sie immer wieder die verhaltensauffälligen, brüllenden Kinder in die Köpfe der Masse bringen, verhindern sie die Platzierung von Tiefe und inhaltlichem Wert. Kommt mir jedenfalls so vor.

  7. Pingback: Vodafone – just my 1.5 cents. « r.o.b’s Kellerclubcast

  8. Ich finde es noch zu früh, um negative Folgen zu erwarten. Richtig ist jedoch, dass die aktuelle Vodafone-Kampagne sicherlich nicht als Best-Practice andere Konzerne dazu ermutigt jetzt überstürzt die Kampagne zu kopieren. Aber das kommt dann, nach der ersten gelungenen Kampagne.

  9. Patrick Breitenbach

    @griesgram999: Natürlich ist es zu früh das als Resultat so zu bewerten. Ich habe einfach nur meine Befürchtung geäußert und ich kenne die Befürchtungen vieler Leute von uns hier im Haus, aber auch draußen bei anderen Unternehmen – auch Größere.

    Da war es dann auch so, dass ich oftmals von einem Corporate Blog komplett abgeraten habe, weil sie sich einfach nicht mit “dem Pöbel” (teilweise deren Denke) im Dialog einlassen wollten oder nicht selbst bloggen wollten (Aber sowas wie Frosta machen)

    Sowas taucht natürlich nirgendwo als “Case” auf. Sicherlich im Nachhinein eine gute Beratung, aber für mich als Berater wenig ertragreich, weil ich natürlich keine Folgeauftäge dahingehend bekommen habe. ;-)

  10. Naja, dass sich die awareness economy in beschleunigtem Maße selbst überholt ist ja keine neue Sache. Und auch wer jetzt erst Marketing studiert, wird schon mal was gehört haben, dass es auch um andere Werte geht. Ich erwarte ja nicht, dass cluetrain verstanden wird, aber das Setzen auf den unmündigen Bürger wie die Deutsche Bank Research das propagiert ist doch nicht mal mehr im mass market Bereich erfolgreich…

  11. Patrick Breitenbach

    @Wittkewitz: Natürlich ist es nicht mehr so erfolgreich, aber es wird leider noch oft genug praktiziert (gerade auch durch die Erschließung neuer internationaler Märkte, wo das noch wunderbar funktioniert) und damit wird diese Philosophie auch leider oft genug gelehrt. Andere Cases gibt es kaum, ganz einfach weil sich niemand traut oder der Anspruch bei der Umsetzung von Cluetrain wesentlich höher ist als irgendwelche Marketingfloskeln wie “Es ist deine Zeit” zu entwickeln.

    Aufmerksamkeit ist halt wesentlich schneller und einfacher zu messen als Kundentreue, Begeisterung und sonstige emotionale Bindung.

    Aufmerksamkeit ist einfacher zu erzielen und zu streuen als echte und wahrhaftige Achtsamkeit.

  12. Achtsamkeit ist jetzt schon fast ein spiritueller Begriff, aber der Grundsatz, dass Märkte Gespräche sind, dürfte auch und gerade einem Telko-Unternehmen nicht so ganz fern sein. Bin ja mal gespannt wann Umair Haque und David Weinberger mit ihren Ideen in die Lehre eintröpfeln. Kann sich ja nur noch um Jahre handeln, bis in einer Diplomarbeit das eine oder andere Manifest von Haque findet oder gar einer der klugen Grundsätz von Shirky. Frage mich ernsthaft, warum sich vodafone den nicht leisten können soll, wo er doch im Vergleich zu Lumma und Sascha Wolf hinsichtlich der Beratung einen ähnlichen Abrund darstellt, wie Oma Duhnsens Gute-Nacht-Geschichten zu Goscinny/Uderzo Asterix-LuckyLuke-Universen.

  13. Pingback: generation leberwurst oder die lobotomie der marke vodafone. | text de luxe

  14. Patrick Breitenbach

    @Wittkewitz: Achtsamkeit im Sinne von “konzentriert Beachten” nicht nur kurz aufmerken.

    Ich weiß nur, dass Cluetrain in unserer der Lehre mancher Profs integriert ist. Bei den anderen muss ich passen, aber es gibt sicherlich Leute, die das besser beantworten können als ich. Ich hör mich mal um. Was woanders gelehrt und weiterverbreitet wird, kann ich so natürlich auch nicht sagen. Wichtig für uns als Hochschule ist es sowieso nicht irgendwelche einseitigen Dogmen zu lernen, sondern grundsätzliche Mechanismen zu begreifen, um dann anschließend flexibel zu handeln und sich stetig eigenständig weiterzuentwickeln. Dazu muss man aber natürlich alle Methoden uns Ansätze irgendiwe mal gehört haben. So wie eben vom Cluetrain-Manifest (http://www.cluetrain.de) auch.

    Anekdote am Rande: Ich war mal im Büro des Geschäftsführers eines ziemlich großen Unternehmens. Dort stand Cluetrain im Regal und ich bekundete meine Bewunderung. Einige Zeit später unterhielt ich mich mit einem anderen Mitarbeiter des gleichen Unternehmens über meine Beobachtung. Dieser meinte: “Ja, das hab ich ihm geschenkt, aber er hat es bis heute leider nicht gelesen”

    Linktipp am Rande: Mein Freund Marcus Brown hat vor einiger Zeit den Co-Autor von Cluetrain Chris Locke interviewed. Spannend was er 10 Jahre danach zu sagen hat: http://breitenbachundbrown.de/2009/03/the-christopher-locke-interview/

  15. Pingback: Vodafones Grabenreden » F!XMBR

  16. Zum Spiegel-Artikel muss man doch nichts sagen. Das sind Journalisten. Die Sind so.

    Tja, und zu

    kann ich nur sagen: Tragisch? Geht’s noch?

    Das ist nicht tragisch. Nach guter alter Werbe- und PR-Sitte ist sowas nur ein Betriebsunfall. Der Atomlobby fliegen Atomkraftwerke um die Ohren, den Werbern und PRlern, und ihren gekauften Journalisten, fliegen Kampagnen um die Ohren. Wer jegliche menschliche Interaktion zur Geschäftsoptimierung verwenden möchte (und dafür das Wort Kommunikation missbraucht), muss mit sowas rechnen.

    Es gibt auch keinen Grund, warum die Blogosphäre jetzt die Trümmer für die Werber und PRler wegräumen soll. Das sollen die mal gefälligst selber machen.

    Für die Blogosphäre (auch ein eher bescheidenes Wort) war dieser Unfall auf der Überholspur das Beste, was ihr passieren konnte. Je mehr Unternehmen es jetzt lassen, um so besser. Ehrlich meint es nämlich keiner. Geht es doch nur darum, sich von den Kunden kostenlos die Geschäftsprozesse und Produkte optimieren zu lassen. Das ist keine Kommunikation, dass ist Ausbeutung.

  17. Oh, oben ist ein Zitat verloren gegangen. Zwischen “Tja, und zu” und “kann ich nur sagen:” sollte folgendes stehen:

    “Was ich aber weitaus tragischer finde ist, dass … dieser Case nun wieder eine große Abschreckung ist für Unternehmen, die wirklich ein Interesse daran haben über sich, aber auch MIT den interessierten (gerne auch kritischen) Zuhörern per Blog zu kommunizieren.”

  18. “Was ich aber weitaus tragischer finde ist, […] dass dieser Case nun wieder eine große Abschreckung ist für Unternehmen, die wirklich ein Interesse daran haben über sich, aber auch MIT den interessierten (gerne auch kritischen) Zuhörern per Blog zu kommunizieren.”

    Zur Kommunikation MIT der Zielgruppe gehören Offenheit, Ehrlichkeit und vor allem Lernbereitschaft. Ist dies nicht gegeben, so besteht auch kein ernsthaftes Interesse. In so einem Fall von derlei Massnahmen abzuraten ist zwar gute Beratung, aber daraus entsteht kein Verlust, für niemanden: dem Unternehman, das sich nicht qualifiziert, bleibt eine Blamage erspart, wie vodaphone sie erlebt hat – ebenso wie seinem Berater – und dem Publikum die Belästigung.

    Und das Fehlen der Folgeaufträge für den Berater? Nunja, tut sicherlich kurzfristig weh, aber führt zu der Frage, ob er wirklich solche Aufträge braucht, von solchen Unternehmen. Wenn ja, macht er vermutlich irgendwas falsch.

  19. Ich finde die tolle Vodafone-Kampagne genial. Da waren Top Kreative am Werk, die eine innovative und starke partnerschaftliche Marke wie Vodafone neu und spannend inszeniert und damit den Kunden die Produktvorteile nahebringt und gleichfalls Inentifikationspotenzial bietet. Die starke internationale Marke Vodafone trumpht hier mit Topstars der Szene auf und spricht genau die Sprache der Kunden. Vodafone spricht damit auf Augenhöhe der Kunden und ist ein starker und trendsicherer Partner rund um die digitale Kommunikation von heute und von morgen. Vodafone bedient die komplette Klaviatur der digitalen Welt. Web 3.0. Ein Top-Treffer für die Kreativen von Scholz und Friends. Die hohe Resonanz spricht klar für sich. Natürlich hat so ein starker interdisziplinärer Auftritt Neider.

  20. Also ich finde, dass der ganzen Geschichte viel zu viel Aufmerksamkeit zuteil wird. Außerhalb der Blogosphäre hat doch eigentlich kaum jemand Notiz davon genommen und selbst wenn, werden die Wenigsten wohl aufgrund dieser Kampagne irgendwelche Kaufentscheidungen treffen oder unterlassen. Interessant daran finde ich nur mal wieder, dass Agenturen und Unternehmen anscheinend immernoch denken, dass man jeden “Trend” einfach mal schnell zurechtbiegen und zur Gewinnoptimierung nutzen kann. Zum Glück lassen sich aber nicht alle für dumm verkaufen und dann gibt es eben so einen Aufstand wie hier. Ein gutes Produkt zu bewerben ist gar nicht so schwer, wenn es so ein Desaster gibt, wird doch deutlich, dass man unbedingt etwas heraufbeschwören will, was überhaupt keine Grundlage hat.

  21. Pingback: Corporate Blogs als Visitenkarte für Start-Ups | Loverty

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